20.09.2022, 15:24 Uhr
Sirenen sollen wieder zum Schutz der Bevölkerung beitragen
Stadt will Warn-Infrastruktur erweitern – Fördermittel reichen nur für eine Anlage
Ereignisse wie die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Juli 2021 oder der Überfall Russlands auf die Ukraine haben gezeigt, wie wichtig es werden kann, die Bevölkerung schnell zu warnen. Viele Kommunen reagieren auf diese veränderten Bedrohungsszenarien mit einem Comeback des in den 1990er Jahren nach dem Ende des Kalten Krieges eingemotteten Instruments der Alarmsirene. Auch die Stadt Oldenburg plant eine Erweiterung ihrer Warn-Infrastruktur durch moderne Sirenenanlagen.

Beim mit Kosten in Höhe von insgesamt 450.000 Euro veranschlagten Neuaufbau des Sirenensystems muss Oldenburg allerdings derzeit weitgehend ohne die erhofften Fördermittel auskommen. So hatte die Feuerwehr im vergangenen Jahr für das Stadtgebiet eine Grundstruktur mit 17 Sirenen für eine Sirenenalarmierung erstellt und beim Land Niedersachsen Fördermittel in Höhe von 184.450 Euro beantragt. Das Niedersächsische Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz (NLBK) hat indes nur die Förderung einer einzigen Sirene bewilligt – mit einer anteiligen Finanzierung in Höhe von 10.800 Euro. Die übrigen 16 Sirenen konnten aufgrund der begrenzten Mittel im Förderprogramm des Bundes nicht berücksichtigt werden. Der Verwaltungsausschuss hat in seiner jüngsten Sitzung die sofortige Anschaffung dieser einen Sirenenanlage beschlossen, damit eine Auftragsvergabe noch in 2022 und Umsetzung in 2023 erfolgen kann.

Die Stadtverwaltung will nun ein Schallgutachten in Auftrag geben, um eine präzise Standort- und Leistungsbestimmung für die flächendeckende Sirenenwarnung zu erhalten. Außerdem soll die Beschaffung von weiteren sechs Sirenenanlagen ausgeschrieben werden, so dass die Möglichkeit erhalten bleibt, im Falle einer Neuauflage der Sirenenförderung durch den Bund weitere Fördergelder beantragen und erhalten zu können. Die Standortauswahl erfolgt auf Grundlage des Schallgutachtens. Dieser Vorgehensweise ist der Verwaltungsausschuss einstimmig gefolgt.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe favorisiert für die Warnung der Bevölkerung einen Mix, der sich zusammensetzt aus dem sogenannten „Weckeffekt“, der die Menschen auf eine Gefahrenlage aufmerksam machen soll, und konkreten Warninformationen zur Gefahrenlage mit entsprechenden Handlungsempfehlungen. Die Stadt Oldenburg sieht baulich errichtete Sirenenanlagen für einen flächendeckenden Weckeffekt als eine sinnvolle und notwendige Ergänzung zu ihrem bisherigen Warnkonzept an. In der Stadt Oldenburg werden als Warnmedien die Smartphone-App Katwarn, eigene Social-Media-Kanäle sowie Online-Nachrichten-Dienstleister genutzt. Außerdem gibt es klassische Warnhinweise über Radio, Fernsehen und Zeitungen. Auch Lautsprecherdurchsagen sind möglich. Zusätzlich verfügt die Stadt Oldenburg über zwei mobile Sirenenanlagen.