02.08.2022, 17:43 Uhr
Sommerzeit ist Wespenzeit
Städtische Beratung schützt durch konstruktive Informationen und vor-Ort-Besuche
Besonders jetzt im Sommer eine Situation, die vielen bekannt ist: Kaum steht das Essen auf der Terrasse, zeigen sich schon die ersten Wespen in der Nähe von Kuchen, Grillfleisch oder Getränken. Im Juni sind die Wespennester meist noch im Aufbau, weiß Birgit Will vom städtischen Fachdienst Naturschutz und technischer Umweltschutz, aber im Juli und August fallen diese Insekten stärker ins Bewusstsein. Dies macht sich auch an der steigenden Anzahl von Anrufen in den Sommermonaten beim städtischen Umwelttelefon bemerkbar: Von den bisherigen 264 Anrufen wegen Wespen in diesem Jahr entfielen 127 auf den Juli – der vierthöchste Wert der vergangenen zehn Jahre. Ob in diesem Jahr tatsächlich von einem „Wespenjahr“ die Rede sein kann, lässt sich erst nach Ende der Wespenzeit beantworten. Fest steht jedoch, dass die gegenwärtigen Bedingungen mit warmen Temperaturen und zwischenzeitlichem Regen sehr vorteilhaft für die Entwicklung von Wespenstaaten sind.

Angelockt von Gerüchen tummeln sich Wespen besonders auf süß und intensiv Duftendem. Ursache ist der darin gelöste Zucker. Er stellt für die erwachsenen Tiere als reine Vegetarier eine schnell verfügbare Kohlenhydratquelle dar, an der sie ihren eigenen Kalorienbedarf decken können. Doch auch alles Fleischhaltige ist beliebt, denn die Larven von Wespen können sich nur entwickeln, wenn sie ausschließlich mit tierischem Eiweiß gefüttert werden.

Obwohl es manchmal gar nicht so leicht ist, wenn die Tierchen dabei nahe an den Menschen herankommen, gilt es, im Umgang mit Wespen Ruhe zu bewahren und sie auf keinen Fall wegzupusten: „Das im Atem enthaltene Kohlenstoffdioxid versetzt die Wespen in Alarmbereitschaft und macht sie dadurch nervös“, warnt Will. Auch gilt es, sich bewusst zu werden, dass Wespen typischerweise nicht ohne einen Grund zustechen. „Auch, wenn sich so mancher Betroffene fragt, was er der Wespe getan hat, so kam es vielleicht unbemerkt oder unbeabsichtigt zu Situationen, in denen die Wespe eingequetscht oder sie anderweitig in Unruhe versetzt wurde.“ Auch ein Herumfuchteln mit den Armen oder einer Zeitung sollte also unterlassen werden. Stattdessen kann es kurzfristig helfen, leicht mit Wasserspray zu sprühen. Diese mechanische Art der Verscheuchung soll Sprühregen simulieren. Eine die Wespen ablenkende Alternative kann ein Stück wässrig-süßes Obst bieten, das in ausreichend Abstand vom gedeckten Esstisch angeboten wird.

Bei all der Last, die wir jährlich in den Sommermonaten mit Wespen verbinden, sollte sich auch vor Augen geführt werden, welchen Nutzen sie haben: Wespen befreien uns von anderen als lästig empfundenen Insekten, wie Fliegen, Stechmücken und Bremsen. Zudem haben sie einen hohen ökologischen Wert, sowohl in der Landwirtschaft als „Schädlingsbekämpfer“ gegen massenhafte Raupenentwicklung, als auch als Bestäuber von Pflanzen, deren Nektar sie aufnehmen, als Beutetier für Hornissen, größere Vögel, Dachs, Iltis oder Marder, und sie dezimieren Aas im Garten und in der freien Natur.

Um sie dabei zu unterstützen, ist es wichtig, Wespen so weit es geht in Ruhe zu lassen. „Besonders bei sommerlich hohen Temperaturen haben Wespen viel Arbeit, da sie ihr Nestinneres auf konstant 30 Grad halten müssen“, so Birgit Will. Zur Kühlung benötigen sie Wasser, das sie aus nahen Wasserquellen holen. Im Garten verteilt aufgestellte Wasserschalen können die Tiere auch von wassergefüllten Kinderplanschbecken ablenken.

Zudem ist es wichtig, zu Wespennestern möglichst einen Abstand von zwei bis drei Metern nicht zu unterschreiten und sich nicht mitten in die Einflugschneisen zum Nest zu stellen. Niemals sollten Wespennester auf eigene Faust entfernt werden – dies kann sowohl gefährlich als auch völlig grundlos sein, denn beispielsweise beherbergen kugelförmige, sichtbar hängende Nester solche Wespenarten, die an Lebensmitteln gar kein Interesse haben und sich der gedeckten Kaffeetafel somit auch gar nicht nähern.

Sie haben ein Wespennest auf Ihrem Grundstück entdeckt, das innerhalb der Stadtgrenzen von Oldenburg liegt? Genau in solchen Situationen empfiehlt sich bei Unsicherheit, Unbehagen oder Angst als allererstes ein Anruf beim Umwelttelefon der Stadt Oldenburg unter 0441 235-2777 oder eine Kontaktaufnahme per E-Mail an naturschutz@stadt-oldenburg.de. Dort ist das ehrenamtlich wirkende „Hautflüglerberaternetz“ angesiedelt. Auf diese Weise erhalten Sie weitere Informationen und können einen vor-Ort-Termin mit einer oder einem der ehrenamtlich Wespenberatenden vereinbaren, die sich das Nest gemeinsam mit Ihnen ansehen.

Wer draußen Essen verzehrt, muss im Sommer damit rechnen, dass Wespen sich dazugesellen. So einschränkend dies auch sein kann: Ab Mitte September ist die hauptsächliche Wespenzeit wieder vorbei, und bis dahin hilft es vielleicht ein wenig, sich über den Nutzen der Wespen klar zu werden und ihnen mit möglichst viel Ruhe zu begegnen.