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Pflegedienst im Kampf gegen Corona

08.04.2020, 18:47 Uhr

Jeden Tag mit Mut gegen den Virus für die Patienten da sein

von Edda Hayen

Seit 40 Jahren führt Karina Waller-Stade den Pflegedienst PAO (Private Altenpflege Oldenburg) im Oldenburger Stadtteil Donnerschwee. Sie beschäftigt derzeit 17 Mitarbeiter*innen als Pflege- und Betreuungskräfte in ihrem Unternehmen. Damit übernimmt sie die Verantwortung für deren Gesundheit und im weiten Sinn ja auch für deren Angehörige. „Es vergeht gefühlt nicht eine Minute, in der sich die Situation um Corona nicht ändert. Somit unterrichte ich meine Mitarbeiter*innen täglich anhand der Empfehlungen des RKI, sofern es wieder neue Informationen über das Corona-Virus gibt. In außerordentlichen Dienstbesprechungen werden immer wieder die Übertragungswege, notwendige Hygiene- und Schutzmaßnahmen, mögliche Krankheitsverläufe, Meldepflichten und die besonders zu schützenden Risikogruppen besprochen. Ziel dieser betrieblichen Pandemieplanung ist die Minimierung des Infektionsrisikos am Arbeitsplatz, die Aufrechterhaltung der Betriebsabläufe, soweit dies möglich ist, der Erhalt der betrieblichen Infrastruktur, die Begrenzung des wirtschaftlichen Schadens und die Aufrechterhaltung der Versorgung unserer Patienten.“

„Ich möchte meine Mitarbeiter*innen so sensibilisieren, auf sich und andere zu achten, dass unser Betrieb und unsere Patienten zu den 30% der Bevölkerung zählt, die nicht erkranken! Der Schutz des Personals ist elementar. Für die Beschäftigten, für die Aufrechterhaltung der Pflege und für die Pflegebedürftigen.“ Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die Frau Waller-Stade sich da gestellt hat. Das erfordert ständiges Einholen von Informationen und die ständige Kommunikation mit den Mitarbeiter*innen und auch mit den Patienten und deren Angehörigen. „Unser Berufsverband VDAB (Verband deutscher Alten- und Behindertenpflege e.V.) gibt uns hierzu gezielte Arbeitshilfen.“

Die Pflegeeinrichtung ist für Zulieferer und andere Besucher gesperrt, was durch entsprechende Aushänge gekennzeichnet ist. Zudem sind am Eingang und im WC-/Waschbereich Händedesinfektionsspender aufgestellt. Zweimal täglich werden Büroräume und Dienstfahrzeuge intensiv mit Desinfektionsmitteln gereinigt. Die Patienten werden über direkte Ansprache durch das Pflege- und Betreuungspersonal zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen (insbesondere Abstand halten und Händewaschen oder Händedesinfektion vor Betreten der Wohnungen) immer wieder aufgefordert und erinnert. Das betrifft wegen des Abstandhaltens auch den Verzicht auf jegliche Kontakte und Besuche von außen. „Wir als Pflegepersonen betreten die Wohnungen ausschließlich mit Handschuhen und Mundschutz“, so Waller-Stade. Es komme leider immer noch vor, dass das Pflegepersonal vor Ort Besucher*innen antreffe und diese auf die strikte Einhaltung der bundesweit geregelten Schutzmaßnahmen mit Rücksichtnahme auf die Patient*innen, den Pflegedienst und sich selbst hinweisen müsse.

Im Einvernehmen mit den Pflegekassen sind notwendige Beratungsbesuche bei Pflegegeldbeziehern nach §37 Abs. 3 Sozialgesetzbuch XI erst mal bis zum 31.05.2020 eingefroren. Die Patienten wurden gebeten, sich ab dem 01.06. wieder zu melden, damit diese Besuche nachgeholt werden können, wenn möglich. Das Gleiche gilt für die gebuchten Duschdienste, da die Gefahr, sich über Wasserdampf und Aerosole zu infizieren, einfach zu groß ist.

„Wir bieten den Patient*innen als Alternative das Waschen am Waschbecken an, natürlich inklusive der Haarwäsche und der Möglichkeit eines schönen Fußbades, damit sie sich trotzdem wohl fühlen können“, berichtet Pflegedienstleiterin Liane Neumann. „Wir sind immer für unsere Patienten da, beantworten gerne ihre Fragen und unterstützen sie, wo wir nur können.“ 

Dieses konsequente Vorgehen sei unerlässlich, denn wenn der Pflegebetrieb wegen einer  Ansteckung mit dem Coronavirus geschlossen werden müsste, seien die Patient*innen ohne Versorgung, und der wirtschaftliche Erhalt des Pflegedienstes wäre nicht mehr gegeben. 

Eine der größten momentanen Herausforderungen ist die Beschaffung von Schutzkleidung, wie Handschuhe, Mundschutz, Kittel sowie Desinfektionsmittel. Die hauseigenen Reserven werden zurzeit ressourcenschonend eingesetzt, reichen aber bei Weitem nicht aus. „Wir telefonieren uns hier die Finger wund, um noch irgendwo an die so notwendige Schutzkleidung zu kommen! Obwohl der Bund laut Pandemieverordnung vom 05.03.2020 dafür Sorge tragen muss, dass diese Schutzmittel vorrätig sind, gestaltet sich dieses wegen Lieferschwierigkeiten und mangelnder Vorsorge sehr schwer. Man muss schon kreativ sein und alle zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung setzen.“ Grundsätzlich hat das Land zwar seine Bereitschaft signalisiert, die Pflegeeinrichtungen bei der Beschaffung von Schutzmaterial zu unterstützen. Es ist aber nicht sichergestellt, dass die Bemühungen des Landes ausreichen, um die generelle Versorgung mit Schutzmaterial zu gewährleisten.

Abschließend sagt Karina Waller-Stade: „Wir wünschen uns, dass alle Bürger*innen in dieser schweren Zeit zusammenhalten und solidarisch mithelfen, damit wir die Corona-Pandemie gut und schnell überstehen. Wir müssen uns alle akribisch an die Vorgaben der Schutzmaßnahmen, wie Kontaktverbot, Abstand einhalten, regelmäßiges und gründliches Händewaschen, richtig husten und niesen, regelmäßig lüften, Wunden schützen, hygienisches Behandeln der Lebensmittel usw. halten. Da ist jeder einzelne von uns gefordert. Wir tragen unseren Teil als Pflegedienst und als Mitmenschen täglich dazu bei und geben nicht auf!“
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