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„Verboten für Männer unter 30 Jahren“

11.03.2018, 17:59 Uhr

Ausstellung in der Landesbibliothek Oldenburg zeigt das vollendete „Kunstprojekt Ostfriesland-Haggadah“

Vom 15. März bis 25. April 2018 präsentiert die Landesbibliothek Oldenburg unter dem Titel „Verboten für Männer unter 30 Jahren“ die Ergebnisse des mehrjährigen Kunstprojektes „Ostfriesland-Haggadah“ von Ricardo Fuhrmann und Daniel Jelin. Feierlich eröffnet wird die Ausstellung am Donnerstag, 15. März um 19.00 Uhr mit einem Kurzvortrag von Rabbinerin Alina Treiger von der Jüdischen Gemeinde Oldenburg und einer Einführung von Ricardo Fuhrmann. Ein Grußwort spricht Wolfgang Freitag, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Ostfriesland.

Seit 2012 arbeiten die Künstler Ricardo Fuhrmann und Daniel Jelin an dem Projekt "Ostfriesland-Haggadah". Die beiden jüdischen Künstler aus Norden, die in Argentinien geboren wurden, erfüllten sich damit einen lang gehegten Traum: sich künstlerisch mit einem wichtigen Buch jüdischen Lebens auseinanderzusetzen, der Pessach-Haggadah. Für alle Juden weltweit ist es unverzichtbar für den Abend am Beginn des Pessachfestes, das fast zeitgleich mit dem christlichen Osterfest gefeiert wird. Im Zentrum der Haggadah steht die mehr als 3.000 Jahre alte Geschichte von der Befreiung des jüdischen Volkes aus Ägypten. Über Jahrhunderte hat dieses Buch eine lange Tradition der künstlerischen Illustrierung.

Das Kunstprojekt „Ostfriesland-Haggadah“ umfasst drei Phasen mit je verschiedener künstlerischer Realisierung. In der ersten Phase schufen die Künstler experimentelle Kunst­werke, die als Wanderausstellung an zahlreichen Orten präsentiert wurden und großes Interesse hervorriefen. Eine Auswahl dieser Kunstwerke wurde sogar 2014 im israelischen Parlament, der Knesset, gezeigt. Teil zwei des Projektes ist „Die Haggadah, die aus Ostfries­land kommt“, 2017 erschienen im Verlag Hentrich und Hentrich (Berlin). Diese Ausgabe überrascht mit einer völlig unerwarteten Perspektive auf den vertrauten Text. Ihre Illustrationen führen den Leser an längst bekannte Orte der Haggadah und zugleich in ihre geheimnisvollen Schlupfwinkel.

Die Ausstellung in der Landesbibliothek markiert die dritte und letzte Phase des Kunstpro­jektes: Neu vorgestellt wird ein Künstlerbuch zum Hohelied Salomos (SchirHaschirim), das während des Pessach-Festes gelesen wird. Der Titel der Ausstellung "Verboten für Männer unter 30 Jahren" nimmt Bezug auf eine alte Empfehlung von orthodoxen Rabbinern, bei der Lesung des Hoheliedes wegen seines explizit erotischen Inhaltes keine Männer unter 30 Jah­ren zuzulassen.

In der Landesbibliothek Oldenburg wird das Gesamtprojekt in seiner kreativen Entwick­lung vorgestellt. Neben dem erstmals präsentierten Künstlerbuch werden Werke aus der Wanderausstellung sowie die gedruckte Haggadah gezeigt.Ricardo Fuhrmann und Daniel Jelin beziehen ihre Inspiration aus dem Werk selbst. Das Ergebnis ihres künstlerischen Prozesses sind Bilder, die die vertraute Ikonografie der Haggadah aufgreifen, aber auch neue Sujets zur Tradition hinzufügen. Dazu kommt, dass die beiden Künstler in der Tradition der Chavruta, dem Lernen der Thora zu zweit, gearbeitet haben. Dadurch entstanden gemeinsame Werke, in denen der Betrachter weder den Stil des einen noch den Stil des anderen Künstlers erkennen kann. Beide sind quasi zu einer dritten Künstlerperson verschmolzen.

Maßgeblich unterstützt wurden Ricardo Fuhrmann und Daniel Jelin in ihrer Arbeit von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Ostfriesland (DIGO). Wolfang Freitag, Vorsitzender der DIGO, Ricardo Fuhrmann und Daniel Jelin wurden 2017 für ihre Arbeit an dem Projekt „Ostfriesland-Haggadah“ mit dem Niedersächsischen Verdienstkreuz am Bande ausge­zeichnet.

Ricardo Fuhrmann (* 1959) wurde in Buenos Aires als Nachfahre einer Emder Familie geboren, die vor dem Nazi-Terror floh. Auch Daniel Jelin (* 1957) stammt aus Buenos Aires. Beide Künstler studierten zunächst in ihrer Heimat Kunst bzw. Opernregie. Sie leben und arbeiten seit vielen Jahren in Norden, Ostfriesland.
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