ganz-Oldenburg.de – DAS Stadtmagazin im Internet
ganz-oldenburg.de –
DAS Stadtmagazin im Internet
 
ganz-oldenburg.de – DAS Stadtmagazin im Internet
»Berichte
»Kurzmeldungen

Verschleppt und ausgebeutet: Gedenken an Zwangsarbeit

15.01.2018, 12:32 Uhr

Veranstaltungsreihe im Januar erinnert an „vergessene Opfer“ des NS-Regimes

Das Kulturbüro der Stadt Oldenburg rückt in der Reihe „Living History“ das Thema Zwangsarbeit mit Vorträgen, Filmvorführungen und einer Stadtführung in den Fokus. Anlass ist der nationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der am 27. Januar begangen wird. Lange Zeit gehörten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter zu den „vergessenen Opfern“ des NS-Regimes. Zwangsarbeit galt vielmehr als „normale“ Begleiterscheinung von Krieg und Besatzungsherrschaft – auch in Oldenburg. Erst im Jahr 2000 wurde sie von der Bundesregierung als NS-Verbrechen anerkannt. Die Oldenburger Veranstaltungsreihe greift Aspekte der Zwangsarbeit in der Region ebenso auf wie ihre europäische Dimension und thematisiert darüber hinaus die Häftlingsarbeit in der DDR.

Der Verein Werkstattfilm trägt mit zwei Filmvorführungen im „KinOLaden“ in der Wallstraße 24 zum Programm bei. Am Freitag, 19. Januar, zeigt Farschid Ali Zahedi ab 19.30 Uhr seinen Film „Verlorene Zeit“ (1995), der Eintritt ist frei. Anhand von Dokumenten, Zeitzeugenberichten und Aufnahmen an originalen Schauplätzen schildert der Film die Geschichte und Situation der Zwangsarbeiter in Oldenburg. Am Donnerstag, 25. Januar, wird ab 19.30 Uhr Wolfgang Bergmanns Dokumentarfilm „Der Reichseinsatz“ (1993) gezeigt. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Für diese mit dem hessischen Filmpreis ausgezeichnete Dokumentation hat der Regisseur deutsches und ausländisches Archivmaterial, Ausschnitte aus Wochenschauen und Propagandafilmen sowie Interviews ehemaliger Zwangsarbeiter genutzt.

Am Mittwoch, 24. Januar, referiert der Oldenburger Historiker Dr. Ingo Harms im Kulturzentrum PFL, Peterstraße 3, in seinem Vortrag „Zwangsarbeit im Stadtbild“ zur Geschichte der NS-Zwangsarbeit in Oldenburg. Beginn ist um 19 Uhr. Die ersten Zwangsarbeiter kamen 1940 nach Oldenburg. Im Jahr 1945 waren es 12.000 Menschen, die in ungefähr 60 Lagern in der Stadt untergebracht waren und am Bau der Umgehungsstraße, in der Landwirtschaft, im Handwerk oder in privaten Haushalten arbeiten mussten. Zum Holocaust-Gedenktag am Samstag, 27. Januar, stellt Dr. Harms bei einem Rundgang historische Orte der Zwangsarbeit in Oldenburg vor. Ausgangspunkt ist um 14.30 Uhr eine städtische Schautafel am Prinzessinweg 48, die über Zwangsarbeit in der Stadt während der NS-Zeit informiert. 

Der Politikwissenschaftler und Politologe Dr. Tobias Wunschik präsentiert am Freitag, 26. Januar, ab 19 Uhr im PFL seine Forschungen zur „Häftlingsarbeit in der DDR“. Er berichtet über die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Gefängnissen der ehemaligen DDR und darüber, wie West-Firmen wie IKEA, Quelle oder Aldi von der Zwangsarbeit profitierten. Zum Abschluss der Reihe spricht am Dienstag, 30. Januar, Dr. Stefan Hördler ab 19 Uhr im PFL über die europäische Dimension und die rassistischen Kategorien der NS-Zwangsarbeit. Überdies geht er der Frage nach, auf welchen gesellschaftlichen, politischen sowie wirtschaftlichen Voraussetzungen die NS-Zwangsarbeit basierte und wie der Alltag der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aussah. Dr. Hördler ist Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora und verantwortlich für die zukünftige Dauerausstellung zur Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Weimar. 

Als Medienpartner begleitet der Oldenburger Lokalsender Oeins die Veranstaltungen und zeigt einen zweiteiligen Beitrag von Thomas Kleinspehn zu „Living History – Bedingungen und Bedeutung von Zwangsarbeit vor und nach 1945“. Teil 1 wird gesendet am 30. Januar und Teil 2 am 16. Februar, jeweils um 18 Uhr auf UKW 106,5 und im Kabel. Wiederholungen gibt es am 4. Februar um 12 Uhr und am 18. Februar um 14 Uhr.
nach oben