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Europa-Premiere: Sonderschau mit Fotos vom afrikanischen Alltag

03.01.2020, 11:12 Uhr

World Press Photo Exhibition 19

Krankheit, Krieg und Korruption – all dies fällt vielen Menschen in der westlichen Welt als erstes zu Afrika ein. Dass es neben den Katastrophen auch Alltagsleben auf dem Kontinent gibt, zeigt das Fotografenprojekt „Everyday Africa“. Im Rahmen der World-Press-Photo-Ausstellung in Oldenburg ist nun vom 15. Februar bis zum 8. März erstmals in Europa eine Auswahl von Aufnahmen daraus zu sehen.

Die Geschichte von „Everyday Africa“ geht zurück bis ins Jahr 2012. Die amerikanischen Fotografen Peter DiCampo und Austin Merrill sollten über die Folgen des jahrzehntelangen Bürgerkriegs in der Elfen­beinküste berichten. Doch damit gaben sich die beiden Journa­listen nicht zufrieden. Stattdessen nahmen sie auch Szenen des nor­malen Lebens in dem westafrikanischen Land in den Fokus. „Wir haben fotografiert, was bisher kaum jemand fotografiert hat“, erin­nert sich Merrill.

Er und DiCampo veröffentlichen ihre Fotos auf der Social-Media-Plattform Tumblr, später wechseln sie zu Instagram und rufen den Hashtag #everydayafrica ins Leben. So nimmt das Projekt Fahrt auf, auch immer mehr afrikanische Fotografen steuern Bilder bei: Men­schen im Gespräch, auf der Straße, während der Arbeit, beim Sport.

„Als wir davon erfuhren, hat uns das Projekt sofort fasziniert“, sagt Claus Spitzer-Ewersmann, Initiator der World-Press-Photo-Ausstel­lung in Oldenburg. „Unsere Vorstellungen von Afrika sind sehr einsei­tig und geprägt von Schlagzeilen über Konflikte und Katastrophen. Everyday Africa versucht, dem entgegenzuwirken.“ Schnell war der Kontakt zu Peter DiCampo, der heute in Kenias Hauptstadt Nairobi lebt, herge­stellt. Dieser zeigte sich angetan von der Idee, erst­mals in Europa eine Auswahl von Aufnahmen in einer dreiwöchigen Sonder­schau zu präsentieren: „Wir freuen uns, wenn Ausstellungs­besucher ihr Bild von Afrika ein wenig revidieren.“

DiCampo hat die 50 Fotos, die in Oldenburg zu sehen sind, eigenhän­dig ausgewählt. Da die Initiative „Everyday Africa“ selbst über keine verleihbaren Drucke der Auf­nahmen verfügt, werden diese direkt in Oldenburg produziert. „Mit Felix Stock von Eismann Haustechnik haben wir einen Partner gefun­den, der sich stark für die Sache enga­giert und die Finanzie­rung ermöglicht“, sagt Spitzer-Ewersmann. Auch die Stadt Oldenburg för­dert das Vorhaben, so dass der Ein­trittspreis für den Besuch der Sonderschau bereits in dem für die World-Press-Photo-Ausstellung ent­halten ist.

Ihr erstes Zwischenziel haben die Initiatoren des Projekts mittlerweile erreicht: Die Aufmerksamkeit für „das andere Afrika“ ist spürbar gestiegen. Mehr als 400.000 Interessierte folgen „Everyday Africa“ auf Instagram. Zudem haben sich auch in anderen Regionen ähnliche Initiativen gebildet. Vor vier Jahren etablierte das Kollektiv darüber hinaus mit der „African Photojournalism Database“ (APJD) die welt­weit erste Online-Datenbank afrikanischer Fotografen – gemeinsam mit der World Press Photo Foundation. „Wir freuen uns, an diesem wichtigen Projekt zusammenzuarbeiten“, betonte deren Direktor Lars Boering anlässlich der Gründung. Kein Wunder also, dass die Stiftung in Amsterdam das Oldenburger Engagement gutheißt, „Everyday Africa“ im Rahmenprogramm der World-Press-Photo-Ausstellung angemessen Raum zu geben.
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