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2 Millionen Jahre Migration

21.11.2019, 17:02 Uhr

23.11.2019 bis 22.03.2020 im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg

Vom 23. November 2019 bis 22. März 2020 zeigt das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg die Wanderausstellung „2 Millionen Jahre Migration“. Auf Basis aktueller Forschungen blickt sie zurück in die früheste Menschheitsgeschichte. Für Kinder und Erwachsene konzipiert, vermittelt sie anschaulich und interaktiv, dass das Thema Migration kein modernes Phänomen ist, sondern essenzieller Bestandteil des Menschseins. Damit öffnet die Ausstellung auch einen anderen, vielleicht gelasseneren Blick auf aktuelle und zukünftige Migrationsereignisse. Vielfältige öffentliche Angebote und ein hochkarätiges Schulklassenprogramm zu den Themen Humanevolution, Migration und Diversität begleiten die Ausstellung.

 

Migration ist in der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Debatte ein großes Thema. Doch das Phänomen ist nicht neu. Die Suche nach Nahrung, Wasser, Sicherheit und weiteren Ressourcen führt seit Beginn der Menschheitsgeschichte zu Siedlungsbewegungen.
In vier zeitlichen Abschnitten erzählt die Ausstellung über die früheste Menschheitsgeschichte unter dem Gesichtspunkt der Migration: die ersten Wanderungen des Homo erectus vor 2 Millionen Jahren, die schließlich aus Afrika nach Asien und Europa führten; die Entstehung des anatomisch modernen Menschen vor etwa 200.000 Jahren in Ostafrika und seine Ausbreitung bis nach Europa und Asien vor 40.000 Jahren; die Einwanderung von Ackerbauern und Viehzüchtern aus der heutigen Türkei nach Europa vor 7500 Jahren; vor etwa 4500 Jahren die Wanderung von Menschen der „Schnurkeramik-Kultur“ aus den östlichen Steppengebieten und wenig später von Vertretern der „Glocken-becher-Kultur“ aus Südwesteuropa. Solche Ereignisse führten stets zu Vermischung und Kulturaustausch unter den Gruppen und schließlich in der späten Jungsteinzeit zur ersten multikulturellen Gesellschaft mit komplexen sozialen und wirtschaftlichen Merkmalen.

Aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaften wie Archäologie, Geoarchäologie, Paläogenetik und Anthropologie erklären die Ursachen, Mechanismen und Auswirkungen des Phänomens Migration. Dabei setzt die Ausstellung auf ein interaktives Konzept für Kinder und Erwachsene: Ein Audio-Reiseführer führt zu den Migrationsereignissen der Vergangenheit, großformatige Wimmelbilder bieten den bildlichen Überblick über die Menschen der jeweiligen Zeit und ihre Lebensweise. Auch Hands-On-Objekte laden zu einer interaktiven Spurensuche bis zu den eigenen Wurzeln ein. Die Exponate, darunter hochwertige Repliken und 3D-Drucke von Originalfunden wie Werkzeuge, Waffen, Schädelfragmente und Keramikgefäße sowie Karten, sind in Koffern, Boxen und Schubladen verborgen und laden zum Erforschen ein. Spezielle Informationsboxen bieten Einblicke in wissenschaftliche Forschungsfelder, wie die Paläogenetik oder Anthropologie.
Eingebunden in die Ausstellung ist auch das Fotoprojekt „Humanae“ von Angélica Dass: Ziel der Fotografin in dem fortlaufenden Projekt ist es, die farbliche Bandbreite menschlicher Hautfarbe zu erfassen. Für die Aufstellung greift sie das Format des Pantone © Guides auf, das den Bildern eine horizontale Hierarchie verleiht. Das Projekt zeigt eindrucksvoll die menschliche Vielfalt und soll dazu anregen, über die andere Bedeutung des Wortes „Identität“ nämlich „Gleichheit“ nachzudenken.

Die Wanderausstellung „2 Millionen Jahre Migration“ war erstmals 2017 im Neanderthal Museum zu sehen und ist im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Neanderthal Museum, der Universität Köln, dem Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte Jena und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften entstanden. Sie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Stiftung Mercator gefördert. Im Landesmuseum Natur und Mensch wird die Ausstellung vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Zugleich bietet die Wanderausstellung gute Anknüpfungspunkte für den aktuellen Öffnungsprozess, den das Landesmuseum Natur und Mensch in diesem Jahr begonnen hat. 

Ergänzend zur Wanderausstellung präsentiert das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg einige Fundstücke aus Alt- und Jungsteinzeit aus der eigenen Sammlung und hebt die regionalen Besonderheiten hervor. Darüber hinaus bietet es einen speziellen Bereich für Schulklassen aber auch Individualbesucher*innen. Im Experimentierfeld „Labor Humanevolution“ können verschiedene Vertreter*innen der Homininen erforscht werden. Ein „Skelett-Puzzle“ lädt dazu ein, sich spielerisch mit der menschlichen Evolution auseinanderzusetzen. 

Ein hochkarätiges, buchbares Programm für Gruppen oder Schulklassen ab der 5. Klasse zur Ausstellung wurde mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Kunst und Kultur der LzO verwirklicht: Im Podcast-Workshop setzen sich die Teilnehmenden selbstbestimmt mit dem Thema Migration in der Steinzeit auseinander, reflektieren ihre eigene, heutige Identität und stellen ihre Ergebnisse in einem selbstproduzierten Radio-Podcast dar. Eine Bildwerkstatt ebenfalls für Gruppen nutzt unter dem Motto „Wer bin ich und wie viele?“ moderne Bildsoftware, um sich mit dem Thema Anderssein und den Auswirkungen, die sich im Alltag daraus ergeben könnten, kritisch auseinanderzusetzen.
Darüber hinaus gibt es Angebote zu den Themen „Woher kommst du?“ „Multikulti in der Steinzeit“ (beide ab 1. Klasse), „Migration in der Steinzeit“ (ab 5. Klasse), „Wer sind wir? Die Evolution des Menschen“ (ab 8. Klasse).

Öffentliche Veranstaltungen wie Führungen, Workshops für Kinder, Vorträge sowie ein großer Familientag am 16.2.2020 werden die Ausstellung bis zu ihrem Ende am 22. März begleiten. Eine Kooperation mit dem Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven bietet darüber hinaus die Möglichkeit, sich auch über einen anderen Zeitraum der Migrationsgeschichte zu informieren: 300 Jahre Aus- und Einwanderungsgeschichte aus und nach Deutschland. Gäste der Ausstellung „2 Millionen Jahre Migration“ erhalten als Einzelperson 1 € und als Familie 2 € Rabatt auf den regulären Eintrittspreis im Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven, bei Vorlage der Eintrittskarte aus dem Landesmuseum.

Weitere Informationen zu öffentlichen und buchbaren Programmen unter www.naturundmensch.de
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