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Ulrike Meinhof – Intellektuelle und RAF-Terroristin

08.09.2019, 11:07 Uhr

Oldenburger Lebensläufe: Gespräch mit Wolfgang Kraushaar und Matthias Bormuth

Der RAF-Terrorismus hat in den 1970er- bis 90er-Jahren zur schwersten Staatskrise der Nachkriegszeit geführt. Die Oldenburgerin Ulrike Meinhof war eine der Mitbegründerinnen der Rote Armee Fraktion. Der Politikwissenschaftler Dr. Wolfgang Kraushaar und der Ideengeschichtler Professor Dr. Matthias Bormuth diskutieren am Mittwoch, 25. September, im Kulturzentrum PFL in der Reihe „Oldenburger Lebensläufe im Dialog“ über Ulrike Meinhof als Journalistin und Terroristin, die damalige Zeit und die Auswirkungen bis heute. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Ulrike Meinhof, Tochter eines Kunsthistorikerehepaars, wurde 1934 in gutbürgerlichen Verhältnissen in Oldenburg geboren. Ihr Vater, der als NSDAP-Mitglied Hunderte moderner Kunstwerke als „Entartete Kunst“ an das NS-Regime übergab, starb früh, wenige Jahre später gefolgt von ihrer Mutter, sodass Meinhof als Vollwaise bei einer Freundin der Mutter aufwuchs. Wichtige Gymnasialjahre absolvierte sie an der Oldenburger Liebfrauenschule. Das „protestantische Prinzip“, das zu ihrem ausgeprägt religiös-musischen Selbstverständnis gehörte, nahm in der Anti-Atomkraftbewegung eine immer politischere Gestalt an. Es erfuhr eine zunehmende Radikalisierung in ihrer Zeit der Berliner Außerparlamentarischen Opposition, bevor Meinhof als führender Kopf der RAF den gezielten Terror zum notwendigen Mittel gegen staatlich verantwortete Ungerechtigkeit erhob.

Professor Dr. Matthias Bormuth, Philosoph, Leiter des Karl-Jaspers Hauses und Autor zahlreicher geistesgeschichtlicher Arbeiten zu Philosophie und Literatur, skizziert zunächst die intellektuelle Entwicklung Meinhofs, wie sie die Akten der Studienstiftung des Deutschen Volkes neu sehen lassen. Dr. Wolfgang Kraushaar von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur, maßgeblicher Historiker der 1968er-Bewegung, ordnet Meinhofs Schlüsselstellung in der RAF in einen größeren Kontext ein. Der sich anschließende Dialog beleuchtet das spannungsvolle Verhältnis zwischen dem Selbstverständnis der intellektuellen christlichen Pazifistin und jenem der späteren Terroristin, das im Stammheimer Tod endete. Welche Einsichten für aktuelle Gefahren des Terrorismus‘ mit dem tragischen Lebenslauf der Oldenburgerin verbunden sind, wird am Ende auch mit dem Publikum diskutiert.

Die Reihe „Oldenburger Lebensläufe im Dialog“ wird von der Karl Jaspers Gesellschaft, Evangelischer Akademie, St. Lamberti-Kirche, Landesbibliothek und dem Kulturamt der Stadt Oldenburg veranstaltet. Karten sind an der Abendkasse für 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, erhältlich.
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