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Grundstein gelegt für mehr Zeit & Raum

15.05.2019, 18:45 Uhr

Oldenburger Stiftung schafft zentralen Ort für Eltern und ihre Kleinkinder

Ein Kleinkind klettert selig auf einem Holzgerüst, ein anderes erforscht in Ruhe ein Spielzeug, drum herum sitzen entspannte Eltern. Alltagsstress, Multitasking und Leistungsdruck - alles scheint plötzlich vergessen. Was für manche Eltern wie eine Utopie klingen mag, ist im Oldenburger “Spiel- und Bewegungsraum” Realität geworden. 

Das Angebot der Stiftung Zeit und Raum besteht seit 2015 und orientiert sich an den anerkannten pädagogischen Ideen von Emmi Pikler und Elfriede Hengstenberg. “Wir möchten Kindern Zeit und Raum geben, sich in ihrem eigenen Tempo entwickeln zu können”, erklärt Stiftungsvorstand Karde Witz den Ansatz. „Emmi Pikler selbst sagte dazu: Es ist nicht wichtig, wann ein Kind etwas kann, sondern wie.“ 

Aktuell wird in insgesamt zehn Eltern-Kind-Gruppen gearbeitet. Das Angebot habe eine unheimlich gute Resonanz erfahren, mittlerweile gäbe es bereits eine Warteliste. “Einziger Wermutstropfen war bisher, dass die Spielraumgruppen seit Jahren schauen mussten, wo sie in anderen Einrichtungen unterkommen und dass insgesamt zu wenig Platz zur Verfügung stand”, schildert Ute Gerdes, Spielraumleiterin und Mitglied im Stiftungsvorstand.

Diesem Umstand wird die Stiftung nun Abhilfe verschaffen können, denn am vergangenen Samstag wurde im kleinen Rahmen feierlich der Grundstein für die eigenen Räume an der Alexanderstraße 9 gelegt. Das Haus entsteht als Bauherrengemeinschaft, im Obergeschoss wird es Wohnungen geben und im Erdgeschoss wird der “Spiel und Bewegungsraum” sein neues, zentrales Zuhause finden. Zusätzlich werden zwei Parkplätze für Cambio Carsharing freigegeben. Man wolle in Zukunft auch Platz für Lastenrad-Sharing bieten, kündigt Karde Wirtz an.   

Die neuen Räumlichkeiten sollen jedoch nicht nur ein zentraler Ort für die Eltern-Kind-Gruppen sein, sondern auch Raum für Fortbildungen und Vorträge bieten. “Im März 2020 werden wir hier bereits arbeiten”, freut sich Ute Gerdes, “Wir können hier selbst gestalten und mehr Gruppen anbieten. Das ist großartig.” 

Miriam Lorentzen, aktuell in der Ausbildung zur Pikler-Pädagogin und die Dritte im ehrenamtlichen Organisationsteam der Stiftung, blickt ebenfalls voller Freude auf die Zukunft des Hauses: “Bald können wir diesen Raum für Familien und Fachleute mit dem Geist der Ideen  von Pikler und Hengstenberg füllen.” Neben den geplanten Angeboten gibt es ein Highlight in dem künftigen Gebäude, auf das sich Lorentzen besonders freut: “Voraussichtlich ab 2020 wird die Pikler Gesellschaft Berlin erstmals in Oldenburg eine fundierte Weiterbildung zur Pikler-Pädagogin anbieten.” 

Bei der Grundsteinlegung war auch Gudrun Sahlender-Wulf anwesend, Kinder- und Jugendtherapeutin im Ruhestand und zusammen mit der verstorbenen Spielraumleiterin Karin Gottwald eine der Unterstützerinnen der ersten Stunde. “Kinder in vorbereiteter Umgebung einfühlsam zu begleiten und ihre eigenständige Entwicklung ohne Erwartungsdruck zu unterstützen, das ist das was mich bei Emmi Pikler immer begeistert hat”, sagt Sahlender-Wulf. “Es ist jetzt wirklich schön zu erleben, dass es nun nach all den Jahren der Vorbereitung ein Zentrum in dieser Stadt für die Pikler- und Hengstenbergarbeit geben wird.” 

Die Grundsteinlegung schließt mit dem Einmauern einer Zeitkapsel, darin enthalten ein Pikler-Ball, ein aktuelle Tageszeitung, die Pläne des Hauses, ein Flyer des Angebots und die Satzung der Stiftung. Bevor die Zeitkapsel im Mörtel verschwindet bittet Karde Wirtz die Runde nochmal um gute Wünsche für die Zukunft des Hauses. “Zeit und Raum für die Kleinen” sagt jemand. “Familien Ruhe geben”, wünscht ein anderer. “Und ich wünsche mir, dass hier ganz viele Kinder glücklich werden”, sagt die siebenjährige Mathilda zum Schluss und übergibt die Zeitkapsel dem Maurer.Der Grundstein dafür wurde heute gelegt. 

Über die Stiftung:
Auf der Grundlage der Erkenntnisse von Emmi Pikler und Elfriede Hengstenberg ermöglicht die Stiftung Zeit und Raum Menschen, die mit Säuglingen und Kindern zu tun haben, diese respektvoll in ihrer Entwicklung zu begleiten. Die Stiftung engagiert sich auch im Bereich der Kindertagespflege. Sie kooperiert hierfür mit der Evangelischen Familienbildungsstätte im Bereich der Fortbildung und unterstützt die pädagogische Beratung von Kindertagespflegepersonen. 
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