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Der letzte Rabbiner: Lesung zum Leben von Leo Trepp

08.10.2018, 20:29 Uhr

Das unorthodoxe Leben des Oldenburger Ehrenbürgers

Das Leben von Leo Trepp steht im Mittelpunkt einer Lesung am 18. Oktober, 19 Uhr, im Kuturzentrum PFL. Trepp war der letzte Landesrabbiner, der unter den Nationalsozialisten die Jüdische Gemeinde zu Oldenburg leitete. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde er gemeinsam mit den jüdischen Männern Oldenburgs in das Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht. Mit Hilfe des britischen Hauptrabbiners kam er frei und konnte über England in die USA emigrieren, wo er viele Jahre als Rabbiner und Professor tätig war. Zuletzt war er der letzte noch amtierende Rabbiner aus Deutschland vor dem Holocaust. Am Donnerstag, den 18. Oktober 2018, wird Gunda Trepp im Kulturzentrum PFL aus der Biografie über ihren Mann Leo Trepp, den Ehrenbürger der Stadt Oldenburg, lesen.

Nur zwei seiner Familienmitglieder überlebten die Schoah, und dennoch widmete sich Leo Trepp zeit seines Lebens seinem „unermüdlichen Versöhnungswerk“, wie Karl Kardinal Lehmann es nannte. Er war der festen Überzeugung, dass die Nachkommen der Täter keine Schuld am Holocaust trügen. Aber er wusste und lehrte ebenso, dass es ohne Erinnerung an diese Zeit keine Zukunft für Deutschland geben würde. Leo Trepp ist ein orthodox erzogener Rabbiner gewesen, jedoch ein gänzlich unorthodoxer Mensch. Er lehrte und publizierte, stand im engagierten Dialog mit Kirchenvertretern und Muslimen und half beim Aufbau neuer jüdischer Gemeinden.

In der Biographie erzählt Gunda Trepp, wie wichtig es ihrem Mann war, dass auch Nichtjuden seine Vorlesungen und Vorträge hörten und seine Bücher lasen und warum er trotz seiner Geschichte weiterhin auch in Deutschland lehrte. Es ist ihr ein Anliegen zu zeigen, dass es nicht ungewöhnlich war, sondern sich aus der Tradition des deutschen Judentums ergab, wenn ein orthodoxer Rabbiner für ein Judentum eintrat, das Veränderungen und Weiterentwicklungen begrüßte und Männer und Frauen als gleichberechtigt betrachtete. Leo Trepp hat stets als stolzer und religiöser Jude gesprochen, geschrieben und agiert. Und gleichzeitig hat er sich vehement dafür eingesetzt, dass Angehörige anderer Konfessionen und Kulturen das Gleiche tun konnten. Angesichts aktueller Diskussionen um Identität und Heimat vermag diese Einstellung wichtige Denkanstöße zu geben.

Gunda Trepp arbeitete nach dem Jurastudium und einer Ausbildung an der Henri-Nannen-Journalistenschule als Anwältin und als Journalistin für den Spiegel, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Berliner Zeitung. Heute lebt sie als Autorin in San Francisco. Der Eintritt zur Lesung ist frei.

Das Buch „Der letzte Rabbiner. Das unorthodoxe Leben des Leo Trepp“ erscheint bei wbg Theiss (Darmstadt) und ist an diesem Abend käuflich zu erwerben.

Darüber hinaus wird im Foyer des PFL eine Hörstation aufgebaut, in der bis zum 3. November ein 15-minütiges Porträt von Leo Trepp abgespielt werden kann. Anhand von Zitaten wird hier vom Leben des Leo Trepp und seine besondere Beziehung zu Oldenburg berichtet. Der Beitrag wurde von dem Oldenburger Medienkünstler Christian Gude erstellt, die künstlerische Umsetzung der Hörstation hat der Oldenburger Künstler Michael Olsen übernommen.
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