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Natur statt Medikamente

17.04.2018, 10:51 Uhr

Pilotstudie zur Stressbewältigung startet

Laut AOK-Fehlzeitenreport 2017 spielen psychische Probleme eine immer größere Rolle bei Krankmeldungen. Mit beruflichem oder privatem Stess fängt es an, und wenn nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen getroffen werden, kann es zu Depressionen führen. Die Betroffenen schieben das Problem oft zu lange vor sich her, und wenn sie medizinische Hilfe suchen, besteht diese meist im Verschreiben von Psychopharmaka.

»Dabei weiß eigentlich jeder, dass es bessere Möglichkeiten gibt, nur ist das bisher wissenschaftlich nicht belegbar«, sagt Dr. Bernd Becker von der comes Unternehmensberatung, und das möchte er jetzt ändern.

»Wir begleiten sehr viele Unternehmen und müssen feststellen, dass bezogen auf die Krankenstatistiken zunehmend mehr psychische Erkrankungen zu verzeichnen sind«, so Becker. »Hier ist es die Aufgabe der Geschäftsführung, frühzeitig Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten und die betroffenen Mitarbeiter bei den Wegen aus der Krise zu unterstützen.«

Vor dem Hintergrund von Stress und Medikamentenmissbrauch haben Dr. Helge Müller, bis 2017 Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, inzwischen Universität Bonn, und Silvia Braumandl von »GrenZENlos Naturseminare« ein Pilotprojekt ins Leben gerufen, das wissenschaftlich die These erhärten soll, dass mit Hilfe der Natur aktive Stressprophylaxe im betrieblichen und privaten Umfeld gelingen kann. 

»Prüfung der Wirksamkeit einer achtsamkeitsbasierten Naturerlebnisintervention in der beruflichen Stress-Prävention« lautet der sperrige Titel der Studie, oder kurz: »Natur statt Medikamente«. Sie soll bis Ende 2018 laufen, so dass die Ergebnisse spätestens im Frühjahr 2019 vorliegen. Teilnehmen kann jede Person mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung, die bereits Stress empfindet, aber (noch) nicht in Behandlung ist. 

»Die Gruppen treffen sich 14-täglich an verschiedenen Orten, meist in der Natur, zur Schärfung der eigenen Sinne, zu Mentalem Training und zu sanften Achtsamkeits- und Körperbewegungen sowie Atemtechniken«, erklärt Silvia Braumandl, die die Gruppen während der Studie anleitet. Die wissenschaftliche Auswertung erfolgt anhand von umfangreichen Fragebögen, die die Teilnehmer*innen jeweils zu Beginn, in der Mitte und am Ende der vier Monate ausfüllen, selbstverständlich anonym.

Für den Bereich Oldenburg werden noch Teilnehmer*innen gesucht. Der Kurs geht in mehreren Gruppen, die zu unterschiedlichen Zeiten starten, jeweils über vier Monate. Die Teilnahme ist kostenlos.

Anfragen und Anmeldungen können unter info@grenzenlos-naturseminare.de oder mobil 0160-812 80 59 erfolgen oder am 15.05.2018 um 19 Uhr beim Infoabend im Gasthaus Bümmersteder Krug in Oldenburg. 
Eine Anmeldung für den Infoabend ist erforderlich.

Die VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Norddeutschland fördert die Studie mit einer Sockelfinanzierung in Höhe von 10.000 Euro. »Wir freuen uns besonders, dass wir gemeinsam mit unserer VR-Stiftung jetzt die Umsetzung dieser wichtigen Pilotstudie zur Bekämpfung von Depressionen im Zuge einer Stress-Prävention unterstützen können«, unterstreicht Vorstandsvorsitzender Harald Lesch das Engagement der VR-Stiftung.

Der Förderverein Präventionsrat Oldenburg unterstützt die Realisierung der Studie ebenfalls. »Dass sich beruflicher Stress häufig auch in den familiären Beziehungen negativ niederschlägt, ist kein Geheimnis. Es ist darum aus unserer Sicht sehr zu begrüßen, dass hier Abhilfe geschaffen wird«, erläutert Geschäftsführerin Melanie Blinzler das Interesse des Präventionsrates an der Studie.

Seit kurzem im Boot ist auch die AOK. »Die Krankenkassen brauchen den wissenschaftlichen Nachweis, um gesundheitsfördernde Maßnahmen unterstützen zu können«, erläutert Frank Zechner von der AOK Oldenburg.

Silvia Braumandl ist davon überzeugt, »dass sich in den nächsten Jahren ein Achtsamkeitstraining als ganz selbstverständlich in unserer Gesellschaft etabliert so wie vor 30–40 Jahren ein Fitnessstudio. Angesichts der weiter wachsenden Vielfalt an Möglichkeiten, angesichts der Digitalisierung und Reizüberflutung, die uns auch ›leer‹ machen können, wird es immer wichtiger, eine Möglichkeit zu finden, um den eigenen Akku wieder auftanken zu können.«
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