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Die Welt ohne Drogen ist der größte Kick

07.03.2018, 10:39 Uhr

Aleksander T. erzählt von seinem Weg aus der Sucht – Praktikumsplatz ein wichtiger Schritt

Manchmal ist es der größte Kick, die Welt wieder ohne Drogen zu sehen. Diese Erfahrung macht auch Aleksander T. Mit 15 Jahren kam der heute 22-Jährige über Freunde das erste Mal in Kontakt mit Cannabis. Er wurde süchtig. Nicht nur nach Cannabis, sondern auch nach Glücksspiel. Wenn Aleksander T. heute über die vergangenen sieben Jahre spricht, hat er einen sehr klaren Blick auf diese Zeit. „Ich war damals sehr unzuverlässig, habe Autounfälle gebaut und meine Eltern sehr unglücklich gemacht.“ Aber auch er selbst fühlte sich nicht wohl. „Ich war abgemagert, überhaupt nicht mehr fit.“ Deshalb fasste der junge Mann den Entschluss, etwas zu ändern. Und das tat er auch. Die Hausärztin seiner Mutter schickte ihn sofort zur Entgiftung. Und seit Mitte November ist Aleksander T. zur weiteren Therapie in der Fachklinik Weser-Ems.

. In der Fachklinik setzt sich Aleksander T. nicht nur mit den Gründen für seine Sucht auseinander. Gemeinsam mit seinen Ärzten und Therapeuten sucht er auch Perspektiven für seine Zukunft. „Aleksander war von Anfang an sehr motiviert, einen Ausbildungsplatz zu finden“, erzählt Henning Frenzel, der in der Fachklinik die Arbeitstherapie koordiniert. In der Arbeitstherapie zeigte sich schnell, dass der 22-Jährige ein großes Talent für praktische Arbeit mitbringt. Und dazu viel Eigeninitiative: „An den Nachmittagen war mir manchmal langweilig, also habe ich mich nach einem Praktikumsplatz umgesehen“, erzählt er. Und er wurde fündig. Im Auto Service Dienst Oldenburg direkt gegenüber der Fachklinik gab man Aleksander eine Chance. Seit vier Wochen arbeitet er von 13 bis 17 Uhr in der Werkstatt. Ölwechsel, Reifenwechsel und auch Inspektionen, er kann mit anpacken und auch schon viele Aufgaben alleine erledigen. Die positiven Erlebnisse motivieren und Chefin Conny Eiting lobt: „Wir sind sehr zufrieden.“ Als Aleksander sich bei ihr um den Praktikumsplatz bewarb, hörte sie auf ihr Bauchgefühl und hat das nicht bereut.

„Die externen Praktika sind für uns sehr wichtig“, sagt Frenzel. Sie sind eine wichtige Vorbereitung auf das Leben nach der Therapie. „Wir sind derzeit dabei Kontakt zu den Firmen im Umkreis der Klinik aufzunehmen, um mehr solcher Praktika möglich zu machen“, sagt Frenzel. Für Aleksander T. gibt es sogar schon einen konkreten Ausbildungsplatz in Aussicht. Den hat er gemeinsam mit Henning Frenzel gesucht. Im Sommer will er beim Berufsbildungswerk Stendal eine Ausbildung zum Autofachwerker beginnen.

Geschafft hat Aleksander T. diesen Weg auch, weil seine Familie immer hinter ihm Stand. Aber auch das Miteinander in der Fachklinik war sehr wichtig. „In unseren Gruppen treffen junge und alte Menschen mit unterschiedlichen Abhängigkeiten aufeinander. Aber sie haben alle das gleiche Grundproblem“, sagt Dr. Steffen Hanle, der behandelnde Arzt von Aleksander T. Hanle erlebt immer wieder, wie seine Patienten die Welt ohne Drogen ganz neu wahrnehmen. „Es ist manchmal der größte Kick die Welt nüchtern zu erleben", so fasst er es zusammen. Aleksander T. geht es genau so. „Alles ist so neu. Ich habe wieder Lust auf Hobbys." Der 22-Jährige strahlt richtig, wenn er vom Bowlen mit seinem Bruder oder von seinen Plänen für die Ausbildung erzählt. Einen Teil seiner Jugend hat er durch die Drogen verpasst, aber seine Zukunft hat er nun wieder fest im Blick.
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