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Gegen Hass hilft nur Sachlichkeit

13.09.2017, 14:42 Uhr

Lesung »Gegen den Hass« mit Schauspielerin Franziska Werner

Hass kann man nicht mit Hass beseitigen, sondern nur mit offener Gegenrede und Argumenten.  
Jeder Mensch ist anders, aber alle Menschen sind unabhängig von ihren Eigenschaften gleichwertig und müssen auch so behandelt werden. Eine vielfältige Gesellschaft ist der beste Schutz für jeden Menschen, weil sie jeder Person erlaubt, ihre Eigenheiten und Abweichungen von der Norm auszuleben.

Das sind die wichtigsten Thesen der Textauswahl, die Franziska Werner am Dienstag, 12. September, bei der Lesung aus dem Buch »Gegen den Hass« von Carolin Emcke im Elisabeth-Anna-Palais vortrug. Der Arbeitskreis Zivilcourage des Präventionsrates hatte zu der Lesung geladen und durfte sich über einen komplett gefüllten Saal freuen. 

In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es um Rezepte und Umsetzungen, die es in unserer Gesellschaft gibt, um dem Hass zu begegnen. Dafür standen der Hausherr des Abends, Sozialgerichtsdirektor Wulf Sonnemann, der Präventionsratsvorsitzende und Leiter der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt-Ammerland Eckhard Wache, Franziska Werner sowie das Publikum als Vertretung der Zivilgesellschaft Rede und Antwort.

Bei der Polizei und in der Rechtsprechung gibt es inzwischen viele Mitarbeiter_innen, deren Wurzeln in anderen Kulturen liegen. »Das ermöglicht uns neue Einblicke und entsprechendes Einordnen kultureller und religiöser Unterschiede«, sagte Wulf Sonnemann. Eckhard Wache erläuterte die Diskussion um das Thema »Hasskriminalität«, wobei er sich skeptisch zeigte, was die Einführung eines neuen Straftatbestandes betrifft.

Die Kunst im Allgemeinen und das Theater im Besonderen müsse immer wieder auch kritisch auf aktuelle Vorgänge reagieren, findet Franziska Werner. »Wir müssen die Geschichten derer sichtbar machen, die sonst nicht zu sehen sind, damit das Publikum seine Vorurteile hinterfragt. Kultur muss sich immer auch politisch engagieren«, so Werner.

In einer längeren Diskussion mit intensiver Beteiligung des Publikums wurde der von Carolin Emcke verwendete Begriff der »Lernenden Gesellschaft« eingegrenzt. Ein Problem hat damit vorwiegend die heutige Erwachsenengeneration, wie sich zeigte. Eine Schüler_innengruppe der IGS Kreyenbrück von der AG Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage), die mit ihrer Lehrkraft gekommen war, berichtete, dass die Schüler_innen zwar aus ganz unterschiedlichen Kulturen kämen, dass sie diese Unterschiede aber gar nicht wahr nähmen. »Die kulturelle oder auch soziale Herkunft spielt keine Rolle, zudem ist die Gemeinschaft über mehrere Schuljahre gewachsen. Gruppen bestehen natürlich, aber die Verbindungen sind ganz andere.«

Lesungstext und Diskussion waren durchaus auf anspruchsvollem Niveau und verlangten hohe Aufmerksamkeit von allen Beteiligten. Die Sorge aber, dass die Zuhörer_innen und insbesondere die Schüler_innen nicht folgen könnten, erwies sich als unbegründet. In ersten Reaktionen zeigten sich die Befragten sehr zufrieden mit dem Verlauf des Abends.
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