Rubrik Wissenschaft
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22.01.2022, 12:08 Uhr
Welche Rolle Holomedizin schon jetzt in Oldenburg spielt
Chirurg und Forscher Dirk Weyhe ist zu Gast im Podcast „Hirn gehört“
Prof. Dr. Dirk A. Weyhe ist Professor für Viszeralchirurgie an der Fakultät Medizin und Gesundheitswissenschaften der Universität Oldenburg, Direktor der gleichnamigen Universitätsklinik am Pius-Hospital und der erste Gast des Jahres im Podcast „Hirn gehört: Oldenburger Wissensschnack“. Die neue Folge ist ab 20. Januar auf allen gängigen Plattformen zu hören.

Zu Weyhes Beruf als Chirurg gehören insbesondere vielfältige Bauchoperationen. Moderne Technologien im OP-Saal hat er zu seiner Leidenschaft als Forscher gemacht. Bei beiden Themen steht die Patientinnen- und Patienten-Sicherheit im Mittelpunkt. Der Mediziner erklärt im Podcast, wie moderne Holomedizin aussieht. Mithilfe von speziellen Virtual-Reality-Brillen simuliert er Operationen zu Übungszwecken. Aber auch bei echten Operationen können Hologramme perspektivisch die Realität um virtuelle Elemente erweitern, sodass zum Beispiel die zu operierende Patientenleber auch als Hologramm über dem OP-Tisch schwebt.

Sich virtuelle Hilfsmittel für die Medizin zunutze zu machen – in dieser Hinsicht ist Weyhe ein Pionier. Seine Klinik wurde deshalb als „Center of Excellence in Holomedicine“ von der „Holomedicine Association“ zertifiziert. Oldenburg reiht sich damit in Standorte wie London, Singapur und Miami ein.

Einblicke in diese moderne Technik und in seine Arbeit garniert der Mediziner und Forscher in der neuen Folge von „Hirn gehört: Oldenburger Wissensschnack“ mit amüsanten Anekdoten aus seiner Anfangszeit als Arzt und sorgt damit für Erheiterung beim Moderations-Duo Bianca Brüggen und Jens-Steffen Scherer.

Weblink
hirnvomhahn.de/podcast/
11.01.2022, 17:23 Uhr
Online-Gruppenberatung zum Studium mit beruflicher Qualifikation
An Berufstätige oder Berufserfahrene, die ein Studium an der Universität Oldenburg erwägen, richtet sich die Online-Gruppenberatung zum Studium mit beruflicher Qualifikation. Am Mittwoch, 26. Januar, von 15.00 bis 16.30 Uhr erörtern Julia Mergner und Christa Funke von der Zentralen Studien- und Karriereberatung, welche Voraussetzungen beispielsweise nach einer Berufsausbildung für die Aufnahme eines Studiums an der Universität Oldenburg erfüllt sein müssen und welche Möglichkeiten es gibt.

Die Online-Veranstaltung soll es berufstätigen Personen ermöglichen, sich ortsunabhängig zu informieren. Die Teilnehmenden können vom eigenen Bildschirm aus individuelle Fragen per Chat stellen. Interessierte können sich näher informieren und anmelden unter:
https://uol.de/studium/gruppenberatung.
07.01.2022, 14:43 Uhr
Mikroben produzieren Sauerstoff im Dunkeln
Erstmals bei Archaeen nachgewiesene Fähigkeit
Nur wenige Mikroorganismen sind in der Lage, Sauerstoff in völliger Dunkelheit herzustellen. Ein neues Mitglied in diesem exklusiven Kreis ist der extrem kleine Einzeller Nitrosopumilus maritimus. Er kommt häufig in Meeresregionen mit sehr geringen Sauerstoffkonzentrationen vor und gehört zu den Archaeen. Diese bilden neben Eukaryoten, zu denen etwa Menschen und Tiere zählen, und Bakterien die dritte Domäne, in die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler alle Lebewesen der Erde einteilen. N. maritimus zählt dabei zu den Ammoniak-oxidierenden Archaeen, die Ammoniak zu Nitrit umwandeln können. Vermutlich nutzt der untersuchte Organismus einen bislang unbekannten Stoffwechselweg, um diesen biochemischen Prozess mit selbst produziertem Sauerstoff durchzuführen, berichten Forschende der Universität Oldenburg und der Syddansk Universiteit in Odense (Dänemark) jetzt im Fachmagazin „Science“.

An dieser Beobachtung hat unter anderem der Oldenburger Meeresmikrobiologe Prof. Dr. Martin Könneke mitgewirkt. Er stellte den Organismus N. maritimus zur Verfügung und plante die Versuche mit, die in Laboren der Syddansk Universiteit durchgeführt wurden. Dort forscht die Mikrobiologin und Absolventin der Universität Oldenburg, Prof. Dr. Beate Kraft, zur Bedeutung von Mikroorganismen für die marinen Stoffkreisläufen.

Bereits vor der aktuellen Entdeckung war bekannt, dass Ammoniak-oxidierende Archaeen – eine der häufigsten Lebensformen auf dem Planeten – eine wichtige Rolle im Stickstoffkreislauf spielen. Diese Organismen wandeln Ammoniak (NH3) zu Nitrit (NO2-) um und starten so einen wichtigen biologischen Prozess beim Abbau von Biomasse, die sogenannte Nitrifikation. Um Ammoniak zu Nitrit umwandeln zu können, benötigen die Mikroorganismen molekularen Sauerstoff. Umso erstaunlicher schien es, dass diese Lebewesen besonders in Gewässern ohne Sauerstoff zahlreich vertreten sind. Um dieses Rätsel zu lösen, legten die Forschenden entsprechende Kulturen mit sauerstoffarmem Wasser an. Was sie beobachteten, war erstaunlich: Nachdem die Mikroben den letzten Sauerstoff aufgebraucht hatten, stieg der Sauerstoffgehalt im Wasser sofort wieder an. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wiesen damit erstmals nach, dass ein Archaeon molekularen Sauerstoff produziert. Bisher war diese Fähigkeit nur bei Organismen der beiden anderen Domänen beobachtet worden. N. maritimus stellt zwar nicht genug Sauerstoff her, um das Vorkommen auf der Erde zu beeinflussen, aber doch etwas mehr, als es selbst braucht. Davon könnten andere Meeresorganismen in seiner direkten Umgebung profitieren.

Mehr noch: In sauerstoffarmer Umgebung produzieren die untersuchten Mikroben auch Stickstoff. Kraft will die Einzeller jetzt weiter untersuchen. Ihr Fokus liegt dabei auf dem beobachteten Zusammenspiel von Sauerstoff- und Stickstoffproduktion. „Sollte dieser Prozess in den Ozeanen weit verbreitet sein, müssen wir unser gegenwärtiges Verständnis des marinen Stickstoffkreislaufs überdenken“, sagt die Wissenschaftlerin.

Kraft studierte von 2003 bis 2009 an der Universität Oldenburg und schloss mit einem Diplom in Marinen Umweltwissenschaften ab. Ihre Abschlussarbeit schrieb sie bei Könneke in der damaligen Arbeitsgruppe Paläomikrobiologie am Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM). Beide blieben über die folgenden Jahre und verschiedene berufliche Stationen in Kontakt. Könneke ist im Sommer 2021 nach mehrjähriger Tätigkeit am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) der Universität Bremen nach Oldenburg zurückgekehrt. Dort leitet er am ICBM die Arbeitsgruppe Benthische Mikrobiologie und koordiniert das bundesweite Forschungsprojekt „Kultivierung von bisher unkultivierten Mikroorganismen aus verschiedenen aquatischen Lebensräumen“.

Originalveröffentlichung: Beate Kraft, Morten Larsen, Martin Könneke et al.: „Oxygen and nitrogen production by an ammonia-oxidizing archaeon“, Science (2022), doi.org/10.1126/science.abe6733

21.12.2021, 17:37 Uhr
Land, Universität und Krankenhäuser unterzeichnen Erklärung
Das Evangelische Krankenhaus Oldenburg, das Klinikum Oldenburg, das Pius-Hospital Oldenburg sowie die Karl-Jaspers-Klinik unterstützen den Ausbau des Medizinstudiengangs der Universität Oldenburg auf 120 Studienplätze pro Jahr ab dem Wintersemester 2022/23. Das besagt eine gemeinsame Erklärung, die die vier in der Oldenburger Universitätsmedizin partnerschaftlich verbundenen Krankenhäuser heute mit Wissenschaftsminister Björn Thümler und der Universität Oldenburg unterzeichneten. Damit werde „das Zusammenwirken in der deutschland- und europaweit modellgebenden, grenzüberschreitenden Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern künftig erweitert und vertieft“, heißt es in dem Papier. Die für den Ausbau von 80 auf 120 Studienplätze erforderlichen Finanzmittel von jährlich 10,8 Millionen Euro hatten die Regierungsfraktionen erst kürzlich im Doppelhaushalt 2022/23 verankert.

„Es freut mich, dass wir auch 2021 wichtige Meilensteine beim Aufbau des dritten Ausbildungsstandorts der Humanmedizin in Niedersachsen setzen konnten“, so Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler. „Dazu zählen sowohl die Planungen für das Forschungs- und Bürogebäude als auch der Aufwuchs der Medizinstudienplätze auf 120 zum Wintersemester 2022/23. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag dazu, die ärztliche Versorgung sicherzustellen.“

Für Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder hat die gemeinsame Erklärung ebenfalls eine hohe Bedeutung. Der Ausbau der Oldenburger Universitätsmedizin mit dem Ziel, Lehre und Forschung weiter voranzubringen, könne nur gemeinsam gelingen. „Die Universität und die vier Krankenhäuser haben gezeigt, dass sie bereit und in der Lage sind, gemeinsam hochqualifizierte Medizinerinnen und Mediziner auszubilden und damit Mitverantwortung für die künftige ärztliche Versorgung der Region zu übernehmen“, erklärt Bruder.

Mit der wachsenden Zahl der Studierenden kommen auch auf die Krankenhäuser und ihre Universitätskliniken neue Herausforderungen zu. Schließlich erwerben die angehenden Medizinerinnen und Mediziner hier ihre praktischen Fertigkeiten in den klinischen Fächern, etwa in der Inneren Medizin oder Chirurgie. Teil der heute unterzeichneten Vereinbarung ist daher das Ziel, dem Beitrag der Krankenhäuser zu Lehre und Forschung im Medizinstudiengang angemessen Rechnung zu tragen. „Eine der Herausforderungen wird natürlich sein, eine jederzeit sinnvolle Verteilung der Studierenden im Klinikum vorzunehmen. Das bedingt auch, dass wir unsere Mitarbeitenden noch deutlicher in die klinische Lehre einbinden müssen. Genau das möchten wir zukünftig und freuen uns sehr über die Entwicklung, weil wir auch davon ausgehen, dass wir danach hochqualifizierte Ärztinnen und Ärzte für uns gewinnen können“, sagt Rainer Schoppik, Kaufmännischer Vorstand des Klinikums Oldenburg.

Bekräftigt wird mit der Erklärung auch die gemeinsame Absicht, den Studiengang „European Medical School Oldenburg-Groningen“ mittelfristig auf 200 Studienanfängerinnen und -anfänger auszubauen. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann betont: „Durch das Vorhalten eines 22 Hektar großen Grundstücks in unmittelbarer Nähe zum Campus Wechloy und zum Campus Haarentor hat die Stadt die Voraussetzungen für die Erweiterung der European Medical School geschaffen. Der erste Bauabschnitt für die Medizinische Fakultät ist bereits genehmigt. Es ist wichtig, dass die Landesregierung die weiteren Schritte in der Finanzplanung absichert. Für die zusätzlichen Studienplätze werden dringend entsprechende Raumkapazitäten in Forschung und Lehre benötigt.“ 
21.12.2021, 17:15 Uhr
Berufsbegleitend zum Bachelor- oder Masterabschluss
Bewerbung ab sofort möglich
Die berufsbegleitenden Bachelor- und Masterstudiengänge am C3L – Center für lebenslanges Lernen der Universität Oldenburg starten in eine neue Runde: Ab sofort können sich Interessierte für das kommende Sommersemester bewerben. Insgesamt bietet das C3L sechs berufsbegleitende Studiengänge für Management und Recht an. Eine Bewerbung für die zwei Bachelorstudiengänge ist ab sofort bis zum 15. Februar, für die vier Masterstudiengänge bis zum 1. März möglich.

Einen Bachelorabschluss können Berufstätige in Business Administration in mittelständischen Unternehmen sowie in BWL für Leistungssportlerinnen und Leistungssportler erwerben. Masterabschlüsse werden in Bildungs- und Wissenschaftsmanagement, Risikomanagement für Finanzdienstleister, Informationsrecht sowie Innovationsmanagement und Entrepreneurship angeboten.

Die praxisnahen Studiengänge bereiten auf leitende Positionen vor, ermöglichen es, Fachkenntnisse zu vertiefen oder qualifizieren für den Einstieg in ein neues Berufsfeld. In die Lehrveranstaltungen können Problemstellungen aus dem eigenen Arbeitsleben integriert werden. Wer das berufsbegleitende Angebot testen will, kann ein Modul als Weiterbildung belegen und bei einem späteren Studium anrechnen lassen.

Das Studium am C3L ist überwiegend webbasiert. Pro Modul gibt es in der Regel eine oder zwei kompakte Präsenzveranstaltungen. Auf dem digitalen Campus lässt sich das Lernen flexibel mit Arbeit, Freizeit und Familie vereinbaren. Beruflich erworbene Kompetenzen sowie Leistungen aus einem vorherigen Studium oder einer Weiterbildung können angerechnet werden und die Studiendauer verkürzen.
17.12.2021, 14:59 Uhr
Warum Reparieren glücklich macht
Podcast mit Nachhaltigkeitspädagogin Katharina Dutz
Die Wiederbelebung der Reparaturkultur ist Thema der zwölften Folge des Wissenschafts-Podcasts „Hirn gehört: Oldenburger Wissensschnack“. Zu Gast ist Nachhaltigkeitspädagogin Dr. Katharina Dutz von der Universität Oldenburg. Sie ist in der Arbeitsgruppe Technische Bildung des Instituts für Physik tätig. Mit den Podcastern Dr. Bianca Brüggen und Jens-Steffen Scheerer spricht sie über das Reparieren im Allgemeinen und darüber, wie es auch dem Klima helfen kann, wenn Dinge wieder instand gebracht und nicht weggeschmissen werden. Der Podcast ist ab Donnerstag, 16. Dezember, auf den gängigen Plattformen abrufbar.

Die neueste Folge befasst sich mit den Folgen der Wegwerfgesellschaft und zeigt auf, wie man Rohstoffe in Kreisläufen halten kann. Außerdem sprechen Dutz, Brüggen und Scherer darüber, warum Reparieren glücklicher macht als Konsumieren und Wegwerfen. Dutz erklärt ihr Lieblingsfachwort und wie ein Repaircafé funktioniert. Außerdem erzählt die Wissenschaftlerin davon, wie das Reparieren geflüchteten Jugendlichen sogar dabei geholfen hat, die deutsche Sprache zu lernen.

Im Wissenschafts-Podcast „Hirn gehört: Oldenburger Wissensschnack“ sprechen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Region einmal im Monat über ihre Projekte, ihre Motivation, ihre beste Story, den größten Misserfolg oder ihr verrücktestes Lieblings-Fachwort. Neue Folgen erscheinen immer am dritten Donnerstag eines Monats. Der Podcast wird vom Oldenburger Netzwerk Wissenschaftskommunikation angeboten und finanziell von der Universitätsgesellschaft Oldenburg e.V. (UGO) sowie der Jade Hochschule unterstützt.
17.12.2021, 14:42 Uhr
Senat stellt Weichen für neue Hochschulleitung
Christiane Thiel und Karsten Speck sollen ab Januar dem Präsidium angehören / Zweite Amtszeit für Annett Thiele
Nach Vorschlag von Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder hat der Senat der Universität Oldenburg heute die Psychologin Prof. Dr. Christiane Thiel als neue Vizepräsidentin für Forschung und Transfer sowie den Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Karsten Speck als Vizepräsidenten für Studium, Lehre und Internationales bestätigt. Sonderpädagogin Prof. Dr. Annett Thiele bleibt nach Wiederwahl für weitere zwei Jahre Vizepräsidentin und bündelt in ihrem Ressort die Themen Wissenschaftlicher Nachwuchs, Gleichstellung und Diversität. Das Votum des Senats wird zusammen mit der Stellungnahme des Hochschulrats dem Niedersächsischen Wissenschaftsministerium (MWK) zur Entscheidung vorgelegt. Die zweijährige Amtszeit der nebenamtlichen Präsidiumsmitglieder beginnt voraussichtlich am 1. Januar 2022. Die achtjährige Amtszeit des hauptamtlichen Vizepräsidenten für Verwaltung und Finanzen, Jörg Stahlmann, läuft noch bis Ende 2027.

Universitätspräsident Bruder erklärte, er freue sich darauf, gemeinsam mit zwei bereits etablierten Präsidiumsmitgliedern sowie zwei weiteren ausgewiesenen Persönlichkeiten aus Forschung und Lehre die Universität für die Zukunft weiter zu entwickeln und – gemäß deren Motto – in den kommenden Jahren „gemeinsam neue Wege zu beschreiten“. Noch bis zum Jahresende währt die Amtszeit des amtierenden Präsidiums. Bruder dankte den beiden scheidenden Präsidiumsmitgliedern Prof. Dr. Martin Fränzle sowie Prof. Dr. Verena Pietzner, die als Präsidentin an die Universität Vechta wechselt, für ihren „hochengagierten Einsatz“.

Thiel, künftige Vizepräsidentin für Forschung und Transfer, unterstrich die Bedeutung von Verbundforschungsprojekten für die nationale und internationale Sichtbarkeit der Universität. Mit erfolgreicher Einwerbung – gemeinsam mit renommierten wissenschaftlichen Partnern – könne gleichzeitig die Infrastruktur für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler sowie im Bereich Gleichstellung weiterentwickelt werden. Thiel kündigte an, zudem Drittmitteleinwerbungen des wissenschaftlichen Mittelbaus aktiv zu unterstützen. Ebenso hob sie die Bedeutung von Open Science für die Qualität der Forschung hervor. Diese Praxis, in der wissenschaftliche Befunde frei zugänglich und nachnutzbar gemacht werden, wolle sie an der Universität Oldenburg weiter stärken.

Speck skizzierte im Bereich Studium und Lehre drei große Herausforderungen: die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die Digitalisierung und die geplante Systemakkreditierung von Studiengängen. Er unterstrich die Bedeutung des Lehrens und Lernens in Präsenz. Ein vitales Campusleben sei elementar wichtig für den akademischen Diskurs, den sozialen Austausch und die Begegnungen von Studierenden und Lehrenden. Trotzdem werde die Universität nach der Pandemie ein anderer Ort sein: Die Digitalisierung der Lehre könne auch künftig Lehr- und Lernprozesse bereichern. Im Zuge der Internationalisierung der Universität möchte Speck vor allem die strategischen Partnerschaften mit der Universität Groningen (Niederlande) und der Nelson Mandela University (Südafrika) ausbauen. Zudem spricht er sich für eine stärkere Internationalisierung in der Lehramtsausbildung aus, und die Situation von internationalen Studierenden und Lehrenden solle sich weiter verbessern. 

Thiele hat sich zum Ziel gesetzt, das Bewusstsein für Diversität an der Universität zu fördern und weiterzuentwickeln. Dies sei eine wichtige Querschnittsaufgabe, die das Feld der Gleichstellung sinnvoll erweitere. In ihrer zweiten Amtszeit werde sie das von ihr initiierte „Diversity-Audit“ mit Zertifizierungen in acht Projekten zum Abschluss bringen; dies sei auch Grundlage für die erste Diversitätsstrategie der Universität. Weiterhin werde sie sich für die Umsetzung und Evaluation des Zentralen Gleichstellungsplans mit zahlreichen Maßnahmen stark machen; diese reichten vom Gewinn weiterer Wissenschaftlerinnen für MINT-Fächer über die Vermittlung von Genderperspektiven in der Lehre bis zum Aufbau einer gendersensibleren Hochschulkultur. In der Nachwuchsförderung will Thiele künftig stärker die Karriereübergänge in den Blick nehmen – sowohl innerhalb des Wissenschaftsbetriebs als auch in andere Bereiche hinein, wie beispielsweise in die Kultur oder Wirtschaft. Besonderes Augenmerk lege sie auch hier auf Gleichstellung und Diversität. Zudem wolle sie unter anderem die Internationalisierung im Bereich der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung stärker unterstützen und sich der Etablierung einer präventiven Gesundheitsförderung während der Qualifikationsphase widmen.

Zu den Personen:

Prof. Dr. Christiane Thiel forscht und lehrt seit 2005 in Oldenburg im Bereich Biologische Psychologie. Nach ihrem Studium der Psychologie und Neurowissenschaften in Koblenz-Landau, Düsseldorf und Sheffield (England) promovierte sie 1999 an der Universität Düsseldorf in biologischer Psychologie. Es folgten Stationen in London (England) und am Forschungszentrum Jülich, ehe sie dem Ruf an die Universität Oldenburg folgte. Thiel bringt – neben der eigenen Forschung – vielfältige Erfahrung für ihr Ressort mit, unter anderem als ehemalige Forschungsdekanin der Medizinischen Fakultät oder als Mitglied des Vorstands im Exzellenzcluster Hearing4all. Als Expertin für Forschungsethik gehört sie seit 2011 der Ethikkommission der Deutschen Gesellschaft für Psychologie an und stand drei Jahre lang zudem der unieigenen Senatskommission für Ethik und Forschungsfolgenabschätzung vor. Seit 2020 ist Thiel Mitglied im Fachkollegium Psychologie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Prof. Dr. Karsten Speck hat seit 2010 die Professur für Forschungsmethoden in den Erziehungs- und Bildungswissenschaften an der Universität inne und lehrt am Institut für Pädagogik sowie am Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik. Er studierte Erziehungswissenschaften an der Universität Halle-Wittenberg, wo er 2005 auch promovierte. Speck lehrte und forschte an der Universität Potsdam, ehe er dem Ruf nach Oldenburg folgte. Als ehemaliger Studiendekan und Dekan der Fakultät I Bildungs- und Sozialwissenschaften und Mitbegründer des deutsch-afrikanischen Zentrums für Bildungsforschung CERM-ESA verfügt Speck über einschlägige Erfahrungen für sein künftiges Ressort. Dazu passen auch die Hochschulforschung und das Forschende Lehren und Lernen sowie die Beratung von Kultusministerien als Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeiten. Speck forscht außerdem zur Kooperation unterschiedlicher Berufskulturen und Institutionen, zur Förderung von benachteiligten, beeinträchtigten und auffälligen Kindern und Jugendlichen sowie zur Wirkung von Bildungs- und Sozialprogrammen.

Prof. Dr. Annett Thiele ist seit 2017 Hochschullehrerin für Pädagogik und Didaktik bei Beeinträchtigungen der körperlichen und motorischen Entwicklung sowie bei chronischen und progredienten Erkrankungen. Sie war Prodekanin der Fakultät I und ist seit Januar 2020 Vizepräsidentin für Wissenschaftlichen Nachwuchs und Gleichstellung. Nach der Ausbildung zur Kinderkrankenschwester und dem Studium der Behindertenpädagogik in Bremen promovierte sie 2007 an der Universität Dortmund. Die Wissenschaftlerin forschte und lehrte als Gastprofessorin an der HU Berlin sowie an der Universität Leipzig, wo sie als Senatsbeauftragte für Studierende mit Beeinträchtigungen an einem Diversity-Konzept mitwirkte. In ihrer Forschung widmet sich Thiele unter anderem der Sicherung der Teilhabe von Schülerinnen und Schülern mit entweder körperlichen Beeinträchtigungen oder einer chronischen oder lebensbedrohlichen Erkrankung, beispielsweise im Krankenhausunterricht oder in inklusiven Settings. Ihr Fokus liegt dabei auf Kindern und Jugendlichen mit neurologisch bedingten Bewegungsstörungen und onkologischen Erkrankungen. 
14.12.2021, 15:29 Uhr
Erneuter Erfolg für Oldenburger Biodiversitätsforschung
DFG fördert Forschungsgruppe für weitere drei Jahre
Nahrungsnetze und die Biodiversität in Landschaften, die sich ständig ändern, stehen im Mittelpunkt der Forschungsgruppe „DynaCom“ an der Universität Oldenburg. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Anfang 2019 gestartete Vorhaben nun nach einhelliger positiver Begutachtung für drei weitere Jahre mit rund drei Millionen Euro. „Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg, der die tolle Zusammenarbeit der vergangenen Jahre belohnt“, sagt der Oldenburger Biodiversitätsexperte und Sprecher der Forschungsgruppe Prof. Dr. Helmut Hillebrand vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM). „In unserer Forschung verknüpfen wir gezielt ökologische Modellvorstellungen mit Beobachtung und Experimenten, um besser zu verstehen, wie sich Lebensgemeinschaften bilden und um ihre Entwicklung vorherzusagen.“

An dem Vorhaben sind neben Arbeitsgruppen des ICBM und des Instituts für Biologie und Umweltwissenschaften der Universität Forschende der Universität Göttingen, des  Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig, des Museums König Bonn, der TU München sowie der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Wilhelmshaven/Frankfurt und des Geomar – Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel beteiligt.

Die Forschungsgruppe DynaCom fußt auf einem der meistuntersuchten ökologischen Konzepte, der Theorie der Inselbiogeographie. Mit ihrer Hilfe können Forschende analysieren, welche Rolle das dynamische Gleichgewicht zwischen Einwandern und Aussterben von Arten für die Gesamtzahl der Arten auf einem inselartigen Ökosystem spielt. „Aber die Theorie sagt nicht voraus, welche Arten sich ansiedeln und welche Eigenschaften erfolgreiche Arten haben“, erläutert Hillebrand. DynaCom erweitere die Theorie der Inselbiogeographie damit um die Fragen, welche Arten sich auf Inseln etablieren und wodurch sich erfolgreiche Arten auszeichnen. 

Das Forschungsteam lotet dabei die Grenzen der Vorhersagbarkeit aus, indem es auf die höchst dynamischen Nahrungsnetze von marinen und terrestrischen Artengemeinschaften im Wattenmeer fokussiert. „Hier gibt es starke regelmäßige, aber auch zufällige Veränderungen der Umweltbedingungen“, erläutert Landschaftsökologe Prof. Dr. Michael Kleyer, der ebenfalls am Vorhaben beteiligt ist. Die Übergänge zwischen Land- und Meereslebensgemeinschaften seien zudem fließend. „Dies ermöglicht es uns, die verschiedenen Teile von Nahrungsnetzen und ihre Wechselwirkungen übergreifend zu analysieren.“

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen die biologischen Merkmale von Arten, auf Englisch „traits“, die das Vorkommen, Ausbreiten und Überleben in verschiedenen Lebensräumen ermöglichen. Dazu gehört etwa die Fähigkeit von Pflanzen, bestimmte Nährstoffe wie Stickstoff aufzunehmen. Die Forschungsgruppe untersucht, ob sich anhand dieser Charakteristika der Arten vorhersagen lässt, welche Organismen sich in einer Lebensgemeinschaft ansiedeln.

„Dies liefert uns nicht nur ein grundlegendes Verständnis davon, wie Lebensgemeinschaften entstehen, sondern auch Anwendungsinformation“, erläutert Hillebrand. Aus den Ergebnissen von Experimenten und ökologischen Modellierungen lasse sich etwa ableiten, mit welchen Maßnahmen sich Ökosysteme so wiederherstellen lassen könnten, dass sich die gewünschten Arten etablieren. Die entsprechenden Experimente führt die Forschungsgruppe vor allem auf den im Jahr 2014 im Rückseitenwatt vor Spiekeroog errichteten künstlichen Inseln durch. Kontrollexperimente finden in den Salzwiesen von Spiekeroog statt.

In der ersten Projektphase haben die Forschenden bereits die Komponenten des Nahrungsnetzes auf Grundlage der Traits beschrieben. Dies erlaubt dem Team für verschiedene Organismen – von Einzellern bis Vögeln – zu verstehen, wieviel Ressourcen diese in Ausbreitung, Wechselwirkung mit anderen Arten und Toleranz gegenüber Umweltbedingungen investieren. „Es kann gar nicht genug gelobt werden, wie sehr das Team, vor allem die Promovenden und Postdocs, unter den Pandemiebedingungen die Experimente, Felduntersuchungen und Modellierungen vorangetrieben hat“, betont Hillebrand.

In der anstehenden zweiten Förderphase testen die Forschenden auf dieser Basis nun, wie sich rasch ändernde Umweltbedingungen und Störungen wie Stürme auf die Zusammensetzung der Merkmale in den Artengemeinschaften auswirken. Damit trage das Projekt zentral zur übergeordneten Frage bei, wie stabil Ökosysteme im Angesicht natürlicher und menschengemachter Änderungen sind, sagt Hillebrand. Denn das Funktionieren von Ökosystemen beruht auf der Fähigkeit von Organismen, Änderungen zu tolerieren oder sich danach rasch zu erholen. Den Weg in die neue Förderphase hat das Forschungsteam bereits durch erste grundlegende Arbeiten beschritten. Diese zeigen: Als zentral für die funktionelle Stabilität eines Ökosystems erweist sich, wie anpassungs- und erholungsfähig die Zusammensetzung der Arten ist. 
30.11.2021, 18:40 Uhr
„Preis der Lehre“ verliehen
Sechs Lehrende der Universität Oldenburg ausgezeichnet
Sechs Lehrende der Universität Oldenburg sind für ihre Leistungen in der Hochschullehre mit dem „Preis der Lehre“ ausgezeichnet worden. Die Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Internationales, Prof. Dr. Verena Pietzner, würdigte die Meeresforscher Dr. Sara Billerbeck, Prof. Dr. Meinhard Simon und Dr. Helge-Ansgar Giebel, den Literaturwissenschaftler Dr. Christian Schmitt, den Informatiker Dr. Nils Pancratz sowie den Sprachwissenschaftler Nils Rademacher. Die Ausgezeichneten erhalten jeweils 1.000 Euro Preisgeld für die Lehre.

Mit dem Preis der Lehre zeichnet die Universität seit 1998 hervorragende Hochschullehre aus. Auch im Studienjahr 2020/21 waren Studierende dazu aufgerufen, auszeichnungswürdige Lehrveranstaltungen vorzuschlagen. Die Einreichungen zeigten anschaulich, dass die Lehrenden in der vergangenen Zeit viel Erfahrung mit dem Einsatz digitaler Werkzeuge gesammelt haben. „Nun gilt es, diese Erfahrungen zu reflektieren und bewährte Vorgehensweisen nachhaltig zu etablieren“, betont Pietzner.

Der Preis in der Kategorie „Beste Veranstaltung“ ging in diesem Jahr an Dr. Sara Billerbeck, Prof. Dr. Meinhard Simon und Dr. Helge-Ansgar Giebel vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres. Die Lehrenden ermöglichten mit dem „Praktikum Biologische Meereskunde“ mithilfe digitaler Werkzeuge ihren Studierenden den Zugang zur wissenschaftlichen Arbeit auf einem Forschungsschiff.

Dr. Christian Schmitt vom Institut für Germanistik wurde in der Kategorie „Forschendes Lernen“ für sein Lehrkonzept ausgezeichnet. Im Seminar „Kolportage/Literatur. Populäre Lesestoffe des 19. Jahrhunderts“ forschten Studierende weitgehend eigenständig zu einer bisher eher wenig beachteten Literaturform. Die Studierenden erarbeiteten für den Forschungsdiskurs neue Ergebnisse, die durch einen Blog auch der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Für die Auszeichnung „Beste Lehrveranstaltungsevaluation“ konnten sich Lehrende mit dem Ergebnis ihrer Lehrveranstaltungsevaluation selbst bewerben. Dabei schnitten Dr. Nils Pancratz vom Department für Informatik mit seiner Vorlesung „Didaktik der Informatik I“ sowie Nils Rademacher vom Institut für Anglistik und Amerikanistik mit dem Seminar „History of the English Language“ am besten ab.

Der Preis der Lehre wird von der Universitätsgesellschaft e.V. (UGO) gefördert. In diesem Jahr bildete die Preisverleihung den feierlichen Abschluss des digitalen „Tag des Lehrens und Lernens“ an der Universität. Im Mittelpunkt stand das Thema Prüfungen. Das Programm bot sowohl theoretische Ansätze und Denkanstöße als auch praktische Impulse zur Gestaltung von Prüfungen sowie den Austausch unterschiedlicher Perspektiven auf Prüfungen.
19.11.2021, 12:50 Uhr
3D-Druck nähert sich atomaren Dimensionen
Neue Technologie ermöglicht die Herstellung komplexer metallischer Objekte auf der Nanoskala
Der 3D-Druck – auch additive Fertigung genannt – hat sich in den vergangenen Jahren als vielversprechendes neues Herstellungsverfahren für verschiedenste Bauteile etabliert. Dem Oldenburger Chemiker Dr. Dmitry Momotenko ist es nun gelungen, mit einer neuen 3D-Drucktechnik extrem kleine Metallobjekte zu erzeugen. Mögliche Anwendungen könnten in der Mikroelektronik, der Sensorik oder der Batterietechnik liegen, berichtet Momotenko gemeinsam mit einem Team aus Forscherinnen und Forschern der ETH Zürich (Schweiz) und der Nanyang Technological University in Singapur in der Zeitschrift Nano Letters. Das Team entwickelte ein elektrochemisches Verfahren, mit dem sich Objekte aus Kupfer mit einem Durchmesser von 25 Milliardstel Metern (also 25 Nanometern) herstellen lassen. Ein menschliches Haar ist etwa 3000-mal so dick wie die filigranen Nanodrucke.

Das Druckverfahren beruht auf dem vergleichsweiseeinfachen und altbekannten Prozess der Galvanik. Dabei befinden sich positiv geladene Metallionen in einer Lösung. Wenn die Flüssigkeit in Kontakt mit einer negativ geladenen Elektrode kommt, verbinden sich die Metallionen mit den dort vorhandenen Elektronen zu einem neutralen Metallatom, das sich auf der Elektrode absetzt. So bildet sich nach und nach eine feste Metallschicht. „Bei diesem Verfahren wird aus einer flüssigen Salzlösung ein festes Metall hergestellt – ein Prozess, den wir Elektrochemiker sehr gut kontrollieren können“, sagt Momotenko. Für sein Nanodruckverfahren verwendet er eine Lösung mit positiv geladenen Kupferionen, die sich in einer winzigen Pipette befinden. Die Flüssigkeit tritt am Ende der Pipette tropfenweise durch eine Druckdüse aus. In den Experimenten des Teams hatte diese Öffnung einen Durchmesser zwischen 253 und 1,6 Nanometern. Ein derart winziges Loch können gleichzeitig nur zwei Kupferionen passieren.

Die größte Herausforderung bestand darin, dass die wachsende Metallschicht die Öffnung der Druckdüse sehr schnell verstopfen kann. Das Team entwickelte daher eine Technik, um den Druckfortschritt zu überwachen. Sie registrierten dafür den elektrischen Strom zwischen der negativen Elektrode und einer positiven Elektrode innerhalb der Pipette und stimmten die Bewegung der Düse automatisch darauf ab: Die Düse näherte sich der Elektrode immer nur für kurze Zeit und zog sich zurück, sobald die Metallschicht eine bestimmte Dicke überschritten hatte. So brachten die Forschenden nach und nach immer neue Kupferschichten auf der Elektrodenoberfläche auf. Durch eine präzise Positionierung der Düse gelang es ihnen, sowohl senkrechte Säulen als auch geneigte oder spiralförmige Gebilde zu drucken. Selbst waagerechte Strukturen konnten die Chemikerinnen und Chemiker herstellen, indem sie einfach die die Druckrichtung änderten.

Auch der Durchmesser der Gebilde ließ sich steuern – zum einen durch die Größe der Druckdüsen, zum anderen sogar während des Druckvorgangs anhand elektrochemischer Parameter. Die kleinstmöglichen Objekte, die mit dem Verfahren druckbar sind, haben nach Angaben des Teams einen Durchmesser von etwa 25 Nanometern. Das entspricht 195 Kupferatomen in einer Reihe.

Damit erlaubt es das neue elektrochemische Verfahren, deutlich kleinere Metallobjekte zu drucken als dies bislang möglich war.  Durch Verarbeitung von Metallpulvern – ein typisches Verfahren zum 3D-Druck von Metallen – lässt sich derzeit beispielsweise eine Auflösung von etwa 100 Mikrometern erreichen. Die kleinsten herstellbaren Objekte sind also 4.000-mal so groß wie in der aktuellen Studie. Zwar lassen sich mit anderen Verfahren noch kleinere Strukturen herstellen, doch die Auswahl möglicher Materialien ist dabei begrenzt. „Die Technologie, an der wir arbeiten, kombiniert beide Welten – Metalldruck und nanoskalige Präzision“, sagt Momotenko. Ähnlich wie der 3D-Druck eine Revolution bei der Produktion komplexer größerer Bauteile ausgelöst habe, könnte es die additive Fertigung auf der Mikro- und Nanoskala ermöglichen, völlig neuartige Objekte in sehr kleinen Dimensionen herzustellen.

„Mit 3D-Druck bearbeitete Grenzflächen könnten beispielsweise als Katalysatoren zur Herstellung komplexer Chemikalien genutzt werden“, sagt Momotenko. Dreidimensional strukturierte Elektroden könnten dazu beitragen, elektrische Energie effizienter zu speichern. An dieser Aufgabe arbeiten der Chemiker und sein Team derzeit: Im Vorhaben NANO-3D-LION wollen die Forschenden die Oberfläche von Elektroden in Lithium-Ionen-Batterien per 3D-Druck drastisch vergrößern, um dadurch den Ladeprozess zu beschleunigen. Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) fördert das Vorhaben seit März 2021 mit einem sogenannten „Starting Grant“.

Originalveröffentlichung: Julian Hengsteler, Barnik Mandal, Cathelijn van Nisselroy, Genevieve P. S. Lau, Tilman Schlotter, Tomaso Zambelli und Dmitry Momotenko: “Bringing Electrochemical Three-Dimensional Printing to the Nanoscale” Nano Letters (2021), doi.org/10.1021/acs.nanolett.1c02847.


Weblinks
uol.de/momotenko
19.11.2021, 12:20 Uhr
„Karrieremotor“ für Nachwuchsforschende
Graduiertenakademie feiert zehnjähriges Bestehen
Jungen Forschenden das nötige Rüstzeug an die Hand zu geben, um innerhalb und außerhalb der Wissenschaftswelt beruflich Fuß zu fassen – das ist seit 2011 Aufgabe der Graduiertenakademie der Universität Oldenburg.

„Die Graduiertenakademie hat in den zehn Jahren ihres Bestehens als echter Karrieremotor für zahlreiche unserer Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler gewirkt“, betont Prof. Dr. Annett Thiele, Direktorin der Graduiertenakademie und Vizepräsidentin für Wissenschaftlichen Nachwuchs und Gleichstellung. Die Qualifizierungseinrichtung der Universität Oldenburg bietet ein breites Workshop-Programm für den gesamten wissenschaftlichen Nachwuchs: Promovierende, Postdoktorandinnen und Postdoktoranden, Nachwuchsgruppenleitende sowie Juniorprofessorinnen und -professoren. Die Graduiertenakademie arbeitet eng mit den beiden Graduiertenschulen für Gesellschafts- und Geisteswissenschaften (3GO) beziehungsweise für Naturwissenschaft, Medizin und Technik (OLTECH) zusammen. Während die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in den Graduiertenschulen fachnahe Qualifizierungsangebote erhalten, können sie an der Graduiertenakademie überfachliche Kompetenzen erwerben und so ihr persönliches Profil entwickeln. In den angebotenen Workshops geht es unter anderem um Themen wie Karriereplanung, Führungskompetenzen, Konfliktmanagement und Wissenschaftskommunikation.

Dabei passt die Graduiertenakademie ihr Programm immer wieder an die sich verändernden Bedürfnisse junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an. „So ist beispielsweise mentale Gesundheit unlängst zu einem wichtigen Thema unseres Programms geworden – unter anderem mit dem Workshopangebot ,Mental Health of Doctoral Candidates‘“, sagt Thiele. Dass diese Kursreihe wie viele andere in englischer Sprache stattfindet, ist ebenfalls eine Entwicklung der vergangenen Jahre.

Auch zur Chancengleichheit in der Wissenschaft will die Akademie gezielt beitragen: etwa durch spezielle Angebote für Frauen, ausdrücklich auch solche, die als erste in ihrer Familie eine akademische Laufbahn einschlagen, oder Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.

Weblinks
uol.de/graduiertenakademie
16.11.2021, 17:27 Uhr
40 weitere Medizinstudienplätze für Oldenburger Universitätsmedizin
Niedersachsen verankert Finanzierung nun doch im Doppelhaushalt
„Die heutige Entscheidung der Regierungsfraktionen nehmen wir mir Freude zur Kenntnis. Sie ist sowohl ein klares Bekenntnis zur Oldenburger Universitätsmedizin als auch ein klares Bekenntnis, dem Ärztemangel in einem medizinisch unterversorgten Bundesland mit konkreten Schritten zu begegnen,“ erklärte Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder, nachdem die Regierungsfraktionen SPD und CDU am Mittag die Ergebnisse der Haushaltsklausuren vorgestellt hatten. Demnach werden zum Wintersemester 2022/23 weitere 40 Medizinstudienplätze an der Universität Oldenburg geschaffen; die Gesamtzahl erhöht sich damit auf 120. Die erforderlichen Finanzmittel von jährlich 10,8 Millionen Euro werden im Doppelhaushalt 2022/23 verankert. Vorangegangen war ein längeres Ringen um die Aufstockung der Studienplätze, die ursprünglich bereits für das Jahr 2020 vorgesehen war.

Die erneute Verzögerung beim Ausbau der Oldenburger Universitätsmedizin hatte – nicht zum ersten Mal – für Empörung in der Region gesorgt. Viele Unterstützer stellten sich an die Seite der Universität. Dazu gehörten beispielsweise die Stadt Oldenburg, der Arbeitgeberverband Oldenburg, die Oldenburgische IHK, die IHK für Ostfriesland und Papenburg, die Arbeitsgemeinschaft der Landkreise und kreisfreien Städte in Weser-Ems, der Niedersächsische LandFrauenverband Weser-Ems, die Wirtschaftliche Vereinigung Oldenburg – DER KLEINE KREIS, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die Handwerkskammer Niedersachsen, die Freunde und Förderer der Universitätsmedizin Nordwest, der Marburger Bund Niedersachsen, die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen, der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund und der Landesverband Oldenburg des Deutschen Roten Kreuzes. „Der Rückhalt, den wir in der Nordwestregion bereits seit Gründung der Oldenburger Universitätsmedizin vor neun Jahren erleben, ist beispiellos. Wir danken allen Unterstützerinnen und Unterstützern – auch aus der Landespolitik – für ihren vehementen Einsatz. Ohne sie alle, da bin ich mir sicher, hätten wir die Finanzierung 40 weiterer Studienplätze ab dem kommenden Jahr jetzt nicht erreicht,“ betonte Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang, Dekan der Fakultät Medizin und Gesundheitswissenschaften. Sein Dank gelte aber auch allen Akteurinnen und Akteuren der Universitätsmedizin selbst, sei es in der Fakultät, den beteiligten Krankenhäusern, Lehrkrankenhäusern oder Lehrpraxen wie auch den Partnern in Groningen. Sie alle setzten sich trotz der nicht immer einfachen Umstände dafür ein, herausragende Ärztinnen und Ärzte auszubilden – auch für diese Region.

Hintergrund
Unter den großen Flächenländern weist Niedersachsen die niedrigste Zahl an Humanmedizin-Studienplätzen pro Einwohner auf. Gerade im Nordwesten ist die Lage alarmierend: Laut Prognose der Kassenärztlichen Vereinigung werden bis zum Jahr 2030 rund 1.400 Hausärztinnen und -ärzte und über 1.000 weitere niedergelassene Fachärztinnen und -ärzte benötigt. Hinzu kommt ein Bedarf von über 3.000 Ärztinnen und Ärzten in den Krankenhäusern und Gesundheitsämtern.
11.11.2021, 23:13 Uhr
Alltagsgeräusche, sozial verträgliche Kameras und komplexe Zahlenreihen
Universitätsgesellschaft Oldenburg vergibt Preise für herausragende Forschung und Promotionen
Die Universitätsgesellschaft Oldenburg e. V. (UGO) hat ihren mit 5.000 Euro dotierten „Preis für exzellente Forschung“ in diesem Jahr an den Neurowissenschaftler Dr. Martin Bleichner verliehen. Die Informatikerin Dr. Marion Koelle und der Mathematiker Dr. Ingo Schoolmann erhalten den mit jeweils 2.000 Euro dotierten „Preis für herausragende Promotion in Gedenken an Gerhard Wachsmann“.

„Unsere Preisträger sind ausdauernd und beweisen Weitblick. Alle drei erschaffen durch die Kombination verschiedener wissenschaftlicher Felder etwas ganz Neues. Martin Bleichner hat eine Methode entwickelt, um Geräusche und deren Wahrnehmung im Alltag per Hirnstrommessung und Smartphone aufzuzeichnen. Marion Koelle beschäftigte sich in ihrer Dissertation mit der Frage, wie am Körper getragene Kameras so gestaltet werden können, dass sie gesellschaftlich akzeptabel werden, und Ingo Schoolmann hat aus einem mehr als 100 Jahre alten mathematischen Gebiet entgegen aller Erwartungen eine moderne Theorie entstehen lassen“, erklärte der UGO-Vorsitzende Hon.-Prof. Dr. Werner Brinker. Er freue sich, mit den Preisen der Universitätsgesellschaft diese herausragenden Forscherpersönlichkeiten würdigen zu dürfen. „Ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.“  

UGO-Preis für exzellente Forschung
Dr. Martin Bleichner lehrt und forscht seit acht Jahren am Department für Psychologie der Universität Oldenburg. Seit zwei Jahren leitet der 40-Jährige im Rahmen des Emmy Noether-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die Forschungsgruppe „Neurophysiologie im Alltag“. Ziel des Projekts ist es, die Gehirnaktivität bei Alltagsgeräuschen zu erforschen und so die daraus entstehende subjektive Belastung zu objektivieren. Dafür misst Bleichners Team die elektrische Gehirnaktivität (EEG) mithilfe von Sensoren, die um das Ohr platziert werden, sowie eines mobilen Signalverstärkers. Diese Daten werden anschließend mit den parallel per Smartphone aufgezeichneten Geräuschen kombiniert.

Bleichner studierte Kognitionswissenschaften in Osnabrück und Kognitive Neurowissenschaften in Utrecht in den Niederlanden, wo er auch promovierte.

UGO-Preise für herausragende Promotionen
Die Informatikerin Dr. Marion Koelle verbindet in ihrer mit „summa cum laude“ ausgezeichneten Dissertation „Designing socially acceptable body-worn cameras“ empirische Nutzerforschung, Design, Software- und Hardware-Prototyping von Kameras mit Aspekten der Künstlichen Intelligenz. Dabei geht es ihr um die soziale Komponente bei Mensch-Maschine-Interaktionen. Ihr Ziel ist es, Technologien so zu gestalten, dass diese sich nahtlos in das gesellschaftliche Miteinander einfügen. Für ihre Arbeit erhielt sie mehrere Auszeichnungen, unter anderem 2020 den Helene-Lange-Preis, den die EWE Stiftung zusammen mit dem OFFIS -Institut für Informatik und der Stadt Oldenburg an Nachwuchswissenschaftlerinnen für Arbeiten zur Digitalisierung vergibt.

Koelle absolvierte ein Masterstudium in Medieninformatik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2016 wechselte sie an die Universität Oldenburg und promovierte bei der Medieninformatikerin Prof. Dr. Susanne Boll. Zuletzt forschte Koelle an der Universität des Saarlandes an Technologien, die direkt auf der Haut getragen werden und dabei sowohl nachhaltig als auch ästhetisch und nicht-stigmatisierend sind.

Der Mathematiker Dr. Ingo Schoolmann widmet sich dem Bearbeiten von lang bestehenden mathematischen Fragestellungen. Seine Promotion mit dem Titel „Hardy spaces of general Dirichlet series and their maximal inequalities“ sorgte in der Fachwelt für Aufsehen. In herausragender Weise kombinierte er unterschiedlichste Teilgebiete der Analysis - wie Funktionsanalysis, Fourier-Analysis, abstrakte harmonische oder komplexe Analysis - und „öffnete so ein jahrzehntelang verschlossenes Fenster“ zur alten Theorie allgemeiner Dirichlet-Reihen, wie sein Doktorvater Prof. Dr. Andreas Defant betonte.  

Schoolmann absolvierte in Oldenburg zunächst ein Lehramtsstudium mit den Fächern Mathematik, Politik und Wirtschaft. Den Masterabschluss erlangte er 2016 im Fach Mathematik. Seine von der DFG geförderte Promotion zu allgemeinen Dirichlet-Reihen schloss er im Februar 2021 mit der Note „summa cum laude“ ab. Derzeit ist der 30-Jährige bei der OHB Digital Services GmbH als Softwareentwickler tätig.

Videos zu den drei Ausgezeichneten finden sich auf dem Youtube-Kanal der Universität unter www.youtube.com/user/UniversityOldenburg/videos. 
09.11.2021, 13:53 Uhr
Bewegungen in der Nanowelt sichtbar machen
Experimentalphysiker Jan Vogelsang in Emmy Noether-Programm aufgenommen
Der Oldenburger Physiker Dr. Jan Vogelsang ist in das renommierte Emmy Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aufgenommen worden. Vogelsang kann somit eine eigene Nachwuchsforschungsgruppe aufbauen, die die DFG mit bis zu 2,5 Millionen Euro fördert. Mit seinem Projekt „Attosekunden-Ladungsträgerdynamik an nanoskaligen Grenzflächen“ macht er Prozesse sichtbar, die zu klein sind und zu schnell ablaufen, um für das menschliche Auge erkennbar zu sein.

„Unsere Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler gezielt und individuell zu fördern, ist ein zentrales Anliegen unserer Universität. Jan Vogelsang ist ein herausragender Forscher, seine Aufnahme in das Emmy Noether-Programm eine hohe Anerkennung seiner Leistungen“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Ralph Bruder.  

„Jan Vogelsang ist sehr neugierig, gut strukturiert und sehr zielstrebig“, sagt Prof. Dr. Christoph Lienau, in dessen Arbeitsgruppe „Ultraschnelle Nano-Optik“ Vogelsang promovierte. Der Nachwuchswissenschaftler habe nicht nur hohe intellektuelle Fähigkeiten, sondern auch ein großes experimentelles Geschick und die Fähigkeit, beides in herausragender Art und Weise zu kombinieren.

Ob Smartphone-Display, Leuchtdiode oder Glasfaseranschluss: Die Umwandlung von elektrischer Energie in Licht – und umgekehrt die Umwandlung von Licht in Solarstrom – kommt ohne sogenannte optoelektronische Bauelemente nicht aus. Sie sind die Schnittstelle zwischen elektrischen und optischen Komponenten, und sie werden immer kleiner. Mit den Prozessen, die in solchen Bauteilen ablaufen, befasst sich Vogelsang: Der Forscher arbeitet daran, die physikalischen Mechanismen im Nanobereich sichtbar zu machen.

Mit seiner Nachwuchsforschungsgruppe will er jetzt untersuchen, welchen Weg Elektronen wählen, nachdem sie durch einen kurzen Laserimpuls angeregt wurden. Mit den experimentellen Mitteln, die Vogelsang bisher zur Verfügung standen, konnte er bereits die Bewegungsrichtung dieser Teilchen erfassen. Es fehlte aber die Möglichkeit, ihren Aufenthaltsort genau zu bestimmen. Bei seinem neuen Verfahren setzt Vogelsang einen zweiten, nur wenige Attosekunden langen Laserimpuls ein, wobei eine Attosekunde dem Milliardstel Teil einer Milliardstel Sekunde entspricht. Dieser zweite Impuls löst die angeregten Elektronen aus der untersuchten Materie heraus, zum Beispiel aus dem Leitungsband eines Halbleiters. „Gerade diese Elektronen tragen die Informationen, die wir benötigen, und wir werden sie nun mit unserem neuen Elektronenmikroskop genauestens untersuchen“, erklärt Vogelsang. Die Laserblitze sind so kurz, dass die Elektronen im Moment der Belichtung stillzustehen scheinen, so dass Vogelsang sich mit diesem Verfahren quasi an die Fersen der gleichzeitig extrem schnellen und kleinen Ladungsträger heften kann. Das Verfahren ermöglicht außerdem, diese Bewegungen nicht nur zu beobachten, sondern wie in einem Film sichtbar zu machen.

Ermöglicht wird die Forschung auch durch neue Geräte, die Vogelsang dank der Förderung beschaffen kann. Herzstück der Arbeit seiner Forschungsgruppe wird ein Photoemissions-Elektronenmikroskop sein. Dieses Gerät ermöglicht es, die beschriebenen Aufenthaltsorte von Elektronen mit einer Auflösung besser als 50 Nanometer, also 50 Milliardstel Meter, abzubilden. Ergänzt durch Laser, die wie beschrieben dafür sorgen, mit der Schnelligkeit der Elektronen mithalten zu können, und ein Flugzeitspektrometer, mit dem die Bewegungsenergie der Elektronen bestimmt werden kann, entsteht ein Versuchsaufbau im Wert von rund 750.000 Euro.

Vogelsang nimmt an, dass sein Verfahren perspektivisch Kolleginnen und Kollegen ganz unterschiedlicher Forschungsgebiete dabei helfen kann, Antworten auf Fragen zu finden, die sie bisher nur durch Ausprobieren lösen konnten. Angewendet werden könnte seine Methode beispielsweise bei Ladungstransferprozessen in Solarzellen, um den winzigen Elektronen auf ihrem Weg über Materialgrenzen hinweg zu folgen. Mit diesen Einblicken in die Nanowelt kann die Wissenschaft dann Stromerzeugung gezielt dort optimieren, wo sie ihren Anfang nimmt.

Vogelsang studierte Physik in Oldenburg und München und promovierte an der Universität Oldenburg. In der Arbeitsgruppe Ultraschnelle Nano-Optik unter Leitung von Prof. Dr. Christoph Lienau entwickelte er ein neuartiges Elektronenmikroskop, das die Ausbreitung einer Wolke aus Ladungsträgern mit einer bis dahin unerreichten Auflösung aufnehmen kann. Hierfür erhielt er den Friedrich Hirzebruch-Promotionspreis der Studienstiftung des Deutschen Volkes sowie den „Preis für herausragende Promotion“ der Universitätsgesellschaft Oldenburg e.V. Ende 2020 erhielt Vogelsang ein „Carl von Ossietzky Young Researchers‘ Fellowship“ der Universität und kehrte damit nach einem dreijährigen, von der Europäischen Union geförderten Forschungsaufenthalt in Lund (Schweden) nach Oldenburg zurück.

Das Emmy Noether-Programm der DFG will herausragenden Nachwuchswissenschaftlern einen Weg zu früher wissenschaftlicher Selbständigkeit eröffnen. Promovierte Forschende mit substanzieller internationaler Erfahrung erwerben durch eine in der Regel sechsjährige Förderung die Befähigung zum Hochschullehrer oder zur Hochschullehrerin durch die Leitung einer eigenen Nachwuchsgruppe. Namensgeberin ist die deutsche Mathematikerin Emmy Noether, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter anderem die abstrakte Algebra und die theoretische Physik entscheidend vorangebracht hat.

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uol.de/atto
05.11.2021, 19:47 Uhr
Extrem dünne Kristalle als Laser-Lichtquellen
Laser-Emission bei Raumtemperatur nachgewiesen: Halbleiter aus drei Atomschichten könnten Basis für neuartige Laser bilden
Kristalle, die nur aus drei Lagen von Atomen bestehen, können bei Raumtemperatur Licht abstrahlen, das dem eines Lasers gleicht. Diese neuartigen Materialien haben damit das Potenzial, als Lichtquellen in miniaturisierten Schaltkreisen oder auch in zukünftigen Quanten-Anwendungen zum Einsatz zu kommen. Das berichtet ein internationales Team um die Oldenburger Physiker Dr. Hangyon Shan, Prof. Dr. Christian Schneider und Dr. Carlos Anton-Solanas in der Zeitschrift Nature Communications. Bislang ließen sich vergleichbare Effekte nur im Vakuum und bei Temperaturen kurz über dem absoluten Temperaturnullpunkt erzeugen. „Der Übergang von diesen kryogenen Temperaturen zu Raumtemperatur bedeutet, dass diese zweidimensionalen Materialien viel interessanter für Anwendungen werden“, sagt Schneider, der an der Universität Oldenburg die Arbeitsgruppe Quantenmaterialien leitet.

Das Team nutzte für die Untersuchungen die Verbindung Wolframdiselenid. Dieser Stoff gehört zu einer Klasse von Halbleitern, die aus einem Übergangsmetall und einem der Elemente Schwefel, Selen oder Tellur bestehen. „Einlagige Kristalle dieser Halbleiter interagieren sehr stark mit Licht und gelten seit einiger Zeit als mögliche Basis für Mikro- und Nanolaser“, erläutert Anton-Solanas. Erst im Mai hatte dasselbe Team in der Zeitschrift Nature Materials berichtet, dass eine Schicht des Materials Molybdän-Diselenid bei tiefen Temperaturen Laser-Licht erzeugt.

Nun haben die Forscher den nächsten Meilenstein erreicht und den gleichen Effekt bei Raumtemperatur erzeugt. Die Laser-Emission beruht auf physikalischen Objekten, die gleichzeitig aus Materie und Licht bestehen – sogenannte Exziton-Polaritonen. Dabei handelt es sich um eine Kopplung zwischen Lichtteilchen und angeregten Elektronen. Diese Objekte entstehen, wenn Elektronen in Festkörpern in einen Zustand höherer Energie versetzt werden, zum Beispiel durch Laserlicht. Nach Bruchteilen einer Sekunde geben sie wieder ein Lichtteilchen ab. Wenn dieses zwischen zwei Spiegeln gefangen wird, kann es wiederum ein neues Elektron anregen – ein Zyklus, der sich fortsetzt, bis ein Lichtteilchen aus der Falle entkommt. Die so entstandenen Exziton-Polaritonen kombinieren interessante Eigenschaften von Elektronen und Lichtteilchen (Photonen).  

Besonders interessant dabei: Wird die Anzahl der Exziton-Polaritonen groß genug, verhalten sie sich nicht länger als einzelne Teilchen, sondern verschmelzen zu einem makroskopischen Quantenzustand. Diese Verwandlung lässt sich anhand plötzlich ansteigender Lichtemission aus einer Probe nachweisen. Die erzeugte Strahlung hat wie das Licht eines Lasers nur eine einzige Wellenlänge, sie ist sozusagen einfarbig. Sie breitet sich zudem in eine bestimmte Richtung aus und ist in der Lage, so genannte Interferenzen auszubilden, eine Eigenschaft, die in der Physik Kohärenz genannt wird.   

Um diesen Effekt für Wolframdiselenid nachzuweisen, stellte das Team zunächst weniger als einen Milliardstel Meter (Nanometer) dicke Proben des Halbleiters her und platzierte diese zwischen geeigneten Spiegeln. Anschließend stimulierten die Physiker die Kristalle mit Laserlicht und untersuchten die entstehenden Emissionen mit verschiedenen Verfahren. Dabei fanden sie starke Hinweise darauf, dass die Strahlung von Objekten stammen muss, die sowohl Eigenschaften von Licht als auch von Materie aufweisen. Sie schließen daraus, dass sich in dem Halbleiter tatsächlich Exziton-Polaritonen gebildet hatten. Zudem fanden die Forschenden Anzeichen dafür, dass diese Teilchen zu einem gemeinsamen makroskopischen Quantenzustand verschmolzen waren.

„Unsere Ergebnisse stützen die Hoffnung, dass zweidimensionale Materialien als Plattform für neuartige Nanolaser geeignet sind, die auch bei Raumtemperatur funktionieren – ein Ziel, das verschiedene Gruppen weltweit seit rund zehn Jahren verfolgen“, erläutert Schneider. Im Mai dieses Jahres hatte ein anderes Team ebenfalls Hinweise für kohärente Laser-Emissionen von Exziton-Polaritonen in einlagigen Kristallen bei Raumtemperatur entdeckt. „Das bestärkt uns darin, dass unsere Resultate korrekt sind“, sagt Anton-Solanas. Die starke Wechselwirkung zwischen Licht und zweidimensionalen Materialien hat überdies besondere Eigenschaften, die sie interessant für Schaltkreise macht, in denen Licht elektrische Ströme kontrollieren könnte.

Die aktuelle Arbeit ist das Resultat einer Kooperation der Oldenburger Forscher mit Kollegen von der Universität Jena, der Universität Würzburg, der Arizona State University (USA), der Westlake University (China) und des Nationalinstituts für Materialwissenschaften in Tsukuba (Japan).

Originalveröffentlichung: Hangyong Shan et al: „Spatial coherence of room-temperature monolayer WSe2 exciton-polaritons in a trap”, Nature Communications 2021, DOI: 10.1038/s41467-021-26715-9

Weblinks
uol.de/quantenmaterialien

26.10.2021, 17:31 Uhr
„Fachtag am Samstag“
Neues Tagungsformat für Lehrkräfte startet mit Mathematik
Wie können digitale Medien langfristig, nachhaltig und gewinnbringend im Mathematik-Unterricht eingesetzt werden? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Tagung „Mathematik digital“. Am Samstag, 13. November, ab 9.00 Uhr lädt das Institut für Mathematik der Universität Oldenburg Lehrkräfte aus Grundschulen und der Sekundarstufe I ein, digital teilzunehmen. Fachdidaktiker aus verschiedenen Bundesländern stellen in einem Hauptvortrag und unterschiedlichen Workshops vor, wie Erklärvideos, 3D-Drucker oder Geometrie-Software in verschiedenen Klassenstufen eingesetzt werden können. Die Teilnahme kostet 20 Euro. Eine Anmeldung unter uol.de/ofz/fachtage-am-samstag/mathematik ist erforderlich.

Die Veranstaltung bildet den Auftakt des Tagungsformats „Fachtag am Samstag“ der Universität Oldenburg und wird von Dozentinnen und Dozenten der Unterrichtsfächer in Kooperation mit dem Oldenburger Fortbildungszentrum (OFZ) und dem Zentrum für Lehrkräftebildung – Didaktisches Zentrum (DiZ) veranstaltet. Jeder Fachtag hat einen thematischen Schwerpunkt und kann verschiedene Inhalte haben – von rein fachlicher Fortbildung über fachdidaktische Inhalte und Austauschmöglichkeiten bis hin zu Methodentraining.

Der „Fachtag am Samstag“ ist eine Initiative des Projekts „Biographieorientierte und Phasenübergreifende Lehrerbildung in Oldenburg (OLE+)“ der Qualitätsoffensive Lehrerbildung.
22.10.2021, 13:04 Uhr
Podcast-Thema: Wie Popkultur Zukunft entwirft
Zehnte Folge „Hirn gehört – Oldenburger Wissensschnack“ mit Prof. Dr. Martin Butler ist abrufbar
Populäre Kultur ist mehr als nur Unterhaltung – das weiß Prof. Dr. Martin Butler, Professor für Amerikanistik an der Universität Oldenburg. In der zehnten und neuesten Folge des Wissenschafts-Podcasts „Hirn gehört: Oldenburger Wissensschnack“ spricht er mit den Moderatoren Dr. Bianca Brüggen und Jens-Steffen Scherer über den Einfluss populärkultureller Medien. Es geht um Woody Guthrie, der als US-amerikanischer und gewerkschaftsnaher Singer-Songwriter Mitte des 20. Jahrhunderts die Folkmusik maßgeblich mitprägte, aber auch um Popmusik und Science-Fiction-Filme sowie die Frage, wie sich die in solchen Filmen entworfenen Bilder von Zukunft auf gegenwärtiges Denken und Handeln auswirken. Mit der Entstehung und Wirkung solcher Zukunftsentwürfe beschäftigt sich auch das interdisziplinäre, am Wissenschaftlichen Zentrum „Genealogie der Gegenwart“ angesiedelte Promotionsprogramm „Gestalten der Zukunft“, dessen Co-Sprecher Butler ist.

In dem Wissenschafts-Podcast „Hirn gehört: Oldenburger Wissensschnack“ sprechen einmal im Monat Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Region über ihre Projekte, ihre Motivation, ihre beste Story, den größten Misserfolg oder ihr verrücktestes Lieblings-Fachwort. Neue Folgen erscheinen immer am dritten Donnerstag eines Monats auf allen gängigen Plattformen. Der Podcast wird vom Oldenburger Netzwerk Wissenschaftskommunikation angeboten und finanziell von der Universitätsgesellschaft Oldenburg e.V. (UGO) sowie der Jade Hochschule unterstützt.


Weblinks
hirnvomhahn.de/podcast
uol.de/wizegg
19.10.2021, 17:35 Uhr
Von Aerosolfiltern, Bio-Kunststoffen und Polarlichtern
Niedersächsische Schülerinnen und Schüler für herausragende Facharbeiten ausgezeichnet
Sie experimentierten mit Mund-Nasen-Schutzmasken, synthetisierten Bio-Kunststoffe aus Mehlwürmern, programmierten Zufallsgeneratoren, beschäftigten sich mit Polarlichtern und analysierten das Brettspiel „Spiel des Lebens“: 16 Schülerinnen und Schüler aus Niedersachsen sind am Freitag, 15. Oktober, an der Universität Oldenburg für ihre herausragenden Facharbeiten ausgezeichnet worden. Zum zehnten Mal vergab die Universität den Dr. Hans Riegel-Fachpreis gemeinsam mit der gleichnamigen Bonner Stiftung in den Fächern Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik und Physik.

Acht Schülerinnen und acht Schüler überzeugten in diesem Jahr mit ihren Arbeiten. Der Studiendekan der Fakultät V – Mathematik und Naturwissenschaften, Prof. Dr. Gerhard Zotz, lobte deren hohe Qualität und Originalität. Eine Fachjury aus Professorinnen, Professoren und anderen Lehrenden hatte insgesamt 87 eingereichte Facharbeiten begutachtet und neben der kreativen Themenwahl insbesondere eigene Experimente honoriert.

Das Ziel des Dr. Hans Riegel-Fachpreises sei es, junge Talente auf ihrem Weg in ein naturwissenschaftliches Studium oder einen technischen Beruf zu begleiten, sagte Dr. Reinhard Schneider, Vorstandsvorsitzender der Stiftung. Deutschland benötige diese Talente in Zukunft als gut ausgebildete Fachkräfte. Der Fachpreis ist mit jeweils 600 Euro für einen ersten Platz, 400 Euro für einen zweiten Platz und 200 Euro für einen dritten Platz dotiert, zusätzlich erhalten die Schulen der Erstplatzierten jeweils einen Sachpreis im Wert von 250 Euro.

Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger:


Biologie:

1. Platz: Ines Kleinehollenhorst (Windthorst-Gymnasium Meppen): „Palmöl: Nützlich, aber nicht nachhaltig? Umfrage zum Bewusstsein in der Bevölkerung“

2. Platz: Finn Lubienski (Gymnasium Eversten Oldenburg): „Muskuläre Dysbalancen als potentieller Risikofaktor für Rückenschmerzen: Untersuchung muskulärer Dysbalancen der Rumpfmuskulatur bei Feldhockeyspielern“

3. Platz: Bent Wübben (Gymnasium Eversten Oldenburg): „Untersuchung der Effektivität von Mund-Nasen-Schutzmasken – Experiment zur Aerosolfilterung“


Chemie

1. Platz: Kim Denis Wiese, Lisa Marit Albertsen (Gymnasium Ritterhude): „Mikroplastik in alltäglichen Produkten und mögliche Filtermethoden“

2. Platz: Charlotte Keyßler (Gymnasium Eversten Oldenburg): „Synthese des Bio-Kunststoffs Chitosan aus Mehlwürmern, Champignons und Krabbenschalen im Vergleich“


Informatik

1. Platz: Jan Hovenga (Gymnasium Rhauderfehn): „Maschinelles Aussortieren von Saatgut mithilfe von künstlicher Intelligenz“

2. Platz: Anna-Lena Janßen (Ubbo-Emmius Gymnasium Leer): „Künstliche Intelligenz in Bildungsprozessen – Möglichkeiten und Grenzen“

3. Platz: Julius Czirjak (Graf-Friedrich-Schule Gymnasium Diepholz): „Ein selbst programmierter Zufallsgenerator“


Mathematik

1. Platz: Tabitha Bode (Cäcilienschule Oldenburg): „Die Mathematik hinter dem Spiel Dobble“

2. Platz: Nele Themann (Gymnasium Damme): „Mathematisches Modellieren – Kubische Splinefunktionen und ihre Anwendung“

3. Platz: Len Gustav Witte (Cäcilienschule Oldenburg): „Das Spiel des Lebens - Analysen und Anwendungen“


Physik

1. Platz: Finn Miebach, Laura Kuhrt (Gymnasium Ritterhude): „Integration gestengesteuerter Sensoren zur Minimierung von pathogener Verbreitung im öffentlichen Raum“

2. Platz: Mattes Brinkmann  (Gymnasium Eversten Oldenburg): „Systematische Untersuchung der Feinstaubbelastung in Ballungsräumen“

3. Platz: Ng?c Ánh Nguy?n Tô th? (Gymnasium Westerstede – Europaschule): „Entwicklung und Analyse eines Modells zur Darstellung von Polarlichtern“
19.10.2021, 17:28 Uhr
Chemikerinnen geben Karrieretipps
Kostenlose Online-Veranstaltung „Women in Science and Industry“
Einblicke in verschiedene Berufszweige der Chemie und Anregungen für den eigenen Karriereweg erhalten Interessierte bei der Online-Veranstaltung „Women in Science and Industry“ am Mittwoch, 27. Oktober, an der Universität Oldenburg. Zwischen 9.00 und 17.00 Uhr stellen sieben Frauen sich und ihr Arbeitsumfeld vor, beantworten Fragen und geben Tipps etwa zu Berufseinstieg und Karriereoptionen. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Registrierung auch noch am Veranstaltungstag möglich unter uol.de/en/grk-2226/wsi2021.

Zu den Referentinnen gehören Prof. Dr. Thisbe K. Lindhorst, Leiterin der Arbeitsgruppe für Organische und Biologische Chemie an der Universität Kiel, die Patentanwältin Dr. Kathrin Füchsle und Dr. Sandra Bertermann, tätig als Koordinatorin für Projekte in Forschung und Entwicklung. Die Referentinnen werden jeweils 30 Minuten über ihren jeweiligen Werdegang berichten und Tipps geben, im Anschluss sind je 15 Minuten für die Diskussion und Fragen eingeplant.

Ein Ziel der Veranstaltung ist es, jungen Frauen mit Interesse an einer Karriere in der Chemie Rollenvorbilder zu bieten; die Teilnahme steht aber Menschen aller Geschlechter offen. Im vergangenen Jahr stieß das Angebot mit fast 120 Teilnehmenden auf rege Resonanz bei Studierenden, Schülerinnen und Schülern. Veranstalter ist das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Graduiertenkolleg „Aktivierung chemischer Bindungen“ am Institut für Chemie der Universität Oldenburg.
01.10.2021, 15:21 Uhr
Deutsch-Lehrkräfte in der Pandemie
Studie untersucht Verhältnis von Lehrerinnen und Lehrern zu digitalen Medien
Wie vertraut sind Deutsch-Lehrkräfte mit digitalen Medien, und wie hat sich die Corona-Pandemie auf ihre fachspezifische Nutzung dieser Medien ausgewirkt? Diese Frage untersucht ein Forschungsteam um den Literaturdidaktiker Prof. Dr. Jörn Brüggemann von der Universität Oldenburg im Projekt GETDIME. An dem Projekt, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vom 1. Oktober an für ein Jahr mit rund 50.000 Euro fördert, sind neben Brüggemann der Literaturdidaktiker Prof. Dr. Volker Frederking von der Universität Erlangen-Nürnberg sowie die Bildungsforscher Prof. Dr. Benjamin Nagengast und Prof. Dr. Ulrich Trautwein von der Universität Tübingen beteiligt.

Ziel des Projekts ist es, erstmals konkrete Daten dazu zu sammeln, wie Deutsch-Lehrkräfte hierzulande digitale Medien fachspezifisch nutzen, welche Einstellungsmuster sie gegenüber den Optionen eines digitalen Deutschunterrichts kultiviert haben und unter welchen Bedingungen sich diese Muster verändern. Das Forschungsteam möchte in zwei Studien ermitteln, wie die Ausgangslage vor der Pandemie war und was sich durch das Distanzlernen während der Coronakrise verändert hat. GETDIME steht für „Effects of the Covid Pandemic on German Langage and Literature Teachers and their Familiarity with, Use of and Views on Digital Media“.

Für den ersten Teil ihres Vorhabens greifen die Forschenden auf bislang nicht ausgewertete Daten der internationalen Schulleistungsstudie ICILS 2018 („International Computer and Information Literacy Study“) zurück. Diese Untersuchung ermittelte 2018, wie gut die Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern der achten Jahrgangsstufe in verschiedenen Ländern im Umgang mit Computern und Informationen waren, auch Lehrkräfte wurden befragt. Das Team um Brüggemann will mit Hilfe dieser Daten etwa herausfinden, wie sich die Einstellungs- und Nutzungsmuster der Deutsch-Lehrkräfte zu digitalen Medien von anderen Fachlehrinnen und Fachlehrern in Deutschland sowie von Lehrkräften für die jeweilige Muttersprache in anderen Ländern unterschieden.

Im zweiten Teil des Projekts analysieren die Forschenden Daten, die sie in einer Online-Fragebogenstudie zum digitalen Distanzlernen im Deutschunterricht selbst erhoben haben. Daran hatten während des ersten sogenannten Lockdowns im Frühjahr 2020 und während des zweiten Lockdowns ab Mitte Dezember 2020 rund 2.000 Deutschlehrkräfte aus mehreren Bundesländern teilgenommen. Die erhobenen Einstellungs- und Nutzungsmuster vergleicht das Team mit denen des ersten Projektteils. Darüber hinaus wollen Brüggemann und seine Kollegen herausfinden, unter welchen Bedingungen die Bereitschaft von Lehrkräften steigt, digitale Unterrichtsoptionen für das Fach Deutsch zu nutzen. „Fachspezifische Kompetenzen wie digitales Lesen und Schreiben, digitales Erzählen, digitales Gestalten oder Interpretieren gehören – neben den analogen Formen – zum Profil eines zeitgemäßen Deutschunterrichts“, betont Brüggemann.