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Geschichte

Erinnerung wachhalten: Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag

23.01.2019 22:10 Uhr
Anlässlich des Holocaust-Gedenktages am 27. Januar widmen sich verschiedene Veranstaltungen der Zeit des Nationalsozialismus und der Geschichte von Zeitzeugen, um die Erinnerung an dieses Kapitel deutscher Geschichte wachzuhalten. Die Veranstaltungen finden im Rahmen der Ausstellung „Erzählen gegen das Vergessen. Die Zukunft der Erinnerung“ im Stadtmuseum statt, die das Kulturbüro gemeinsam mit dem Verein Heimatsucher e.V. und mit Unterstützung der Landessparkasse zu Oldenburg ausrichtet.

Am Freitag, 25. Januar, wird von 10 bis 12 Uhr ein Philosophie-Kurs des Oldenburger Jaspers Clubs angeboten. Schulklassen der Jahrgänge 4 bis 10 sind eingeladen, über Themen der Ausstellung, wie Menschlichkeit, Erinnerung oder Gedenken, zu philosophieren. Um eine Anmeldung per E-Mail an jaspersclub.oldenburg@gmx.de wird gebeten.

Am Donnerstag, 31. Januar, 19.30 Uhr, berichtet der Wissenschaftshistoriker Udo Andraschke in seinem Vortrag „Geschichte ausstellen“ im Stadtmuseum von seinem Projekt mit Jugendlichen: Gemeinsam haben sie historische Objekte aus dem Schulalltag im Nationalsozialismus untersucht und Lernlabore für eine Ausstellung im Schulmuseum Nürnberg zum Thema „Schule im Nationalsozialismus“ entwickelt.

Zur Finissage der Ausstellung zeigen Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule für Gestaltung am Sonntag, 3. Februar, 11.30 Uhr, ihre Performance „Erinnerungen sind Leben“. Nach der Erforschung jüdischer Stadtgeschichte haben sie sich mit der Frage beschäftigt, wie es sein wird, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt, die ihre Geschichte selbst erzählen können.

Schulklassen ab Klasse 4 haben noch bis zum 1. Februar die Möglichkeit an Führungen und Workshops in der Ausstellung teilzunehmen. Ansprechpartnerin für Anmeldungen, Termine und Kosten ist Katharina Müller-Spirawski, per E-Mail an k.spirawski@heimatsucher.de.
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Verwahrt, vergessen, verstorben

22.11.2018 17:12 Uhr

Vortrag über die Oldenburgischen Krankenmorde

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung gibt es am Donnerstag, 29. November, 19 Uhr, im Stadtmuseum einen Vortrag über die Patientenmorde in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen zwischen 1936 und 1947: die Oldenburgischen Krankenmorde, die den „Euthanasie“-Verbrechen, die durch den Befehl Hitlers begannen, um Jahre vorausgingen. Der Medizinhistoriker Dr. habil. Ingo Harms rekonstruiert die Lebensbedingungen der Patienten und zeigt anhand von Forschungen an der Universität Oldenburg, wer von den damals veruntreuten Pflegegeldern profitierte und warum die Verantwortlichen unbehelligt blieben. Die Pflegegelder wurden damals aufgrund einer Einsparverordnung ohne Rücksicht auf Patientinnen und Patienten gekürzt. Hunger und medizinische Vernachlässigung führten zu einem steilen Anstieg der Sterblichkeit. Der Eintritt zum Vortrag ist frei.
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Schautafel beleuchtet dunkles Kapitel der Stadtgeschichte

24.01.2018 09:11 Uhr

Kulturbüro informiert am Prinzessinweg über Zwangsarbeit während der NS-Zeit

Ihre Geschichte gehört zu den dunkelsten Kapiteln der Stadthistorie: Tausende von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern waren zwischen 1940 und 1945 in Oldenburg eingesetzt. Über ihr Schicksal klärt eine Schautafel auf, die das Kulturbüro der Stadt Oldenburg jetzt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Living History – Ein öffentliches Verbrechen. Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“ in Höhe Prinzessinweg 48 aufgestellt hat. Die Schautafel informiert mit zahlreichen Fotos und einem von dem Oldenburger Historiker Dr. Ingo Harms verfassten Text über die Situation der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Oldenburg während des Nationalsozialismus. 

Insbesondere der als „kriegswichtig“ und daher mit „Dringlichkeitsstufe 1“ kategorisierte Bau einer Umgehungsstraße für Oldenburg wird thematisiert. Die Streckenführung entsprach der heutigen Autobahn von der Nadorster Straße bis zur Cloppenburger Straße. Dieses Bauvorhaben war das größte in Oldenburg während des Zweiten Weltkrieges. Die hier zur Arbeit gezwungenen Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiter und Gestapo-Häftlinge waren in zahlreichen Lagern entlang der Streckentrasse untergebracht. Allein in der Nähe des Prinzessinwegs gab es drei Lager: an der Gneisenaustraße, der Ofener Straße und auf der Dobbenwiese. Der Prinzessinweg ersetzte das einzige unvollendet gebliebene Teilstück der Umgehungsstraße zwischen der Ammerländer Heerstraße und der Hauptstraße. 

Am Mittwoch, 24. Januar, wird Dr. Harms ab 19 Uhr im Kulturzentrum PFL (Peterstraße 3) über die „Zwangsarbeit im Stadtbild“ referieren und unter anderem den Bau der Umgehungsstraße thematisieren. Anlässlich des nationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am Samstag, 27. Januar, bietet Dr. Harms einen geführten Rundgang zu historischen Orten der Zwangsarbeit an. Die Führung beginnt um 14.30 Uhr an der neu errichteten Schautafel. 
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Weimar in den Schlosshöfen

08.01.2018 22:51 Uhr
Vom 8. bis 22. Januar 2018 ist die Weimarer Republik zu Gast in den Schlosshöfen Oldenburg. Der Verein »Weimarer Republik e.V.« hat eine Wanderausstellung gezielt für Einkaufszentren konzipiert. Sie besteht aus vier Kinowürfeln, die an insgesamt 16 Medienstationen punktuelle Einblicke in die Zeit zwischen 1919 und 1933 bieten.

Zur Ausstellungseröffnung am 8. Januar konnten Bürgermeisterin Christine Wolff und Stephan Zänker, Geschäftsführer von Weimarer Republik e. V., unter anderem Thomas Kossendey und Dr. Michael Brandt von der Oldenburgischen Landschaft, MdB Dennis Rohde und Ratsfrau Rita Schilling begrüßen.

»Warum kommt eine politische Ausstellung in ein Einkaufszentrum?«, diese Frage stellte auch Christine Wolff bei der Eröffnung. Und sie gab ihren Zuhörer_innen auch gleich die Antwort: »Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg eben zum Propheten kommen: Hier werden Menschen mit dem Thema Weimar konfrontiert, die dafür eher nicht ins Museum gehen würden.«

Die erste Deutsche Republik, vor 99 Jahren gegründet, ist uns näher, als es auf den ersten Blick scheint. »Noch gibt es Zeitzeug_innen, die zumindest die letzten Jahre miterlebt haben«, sagt Wolff. Viel wichtiger aber sei die Erkenntnis aus der Geschichte, dass Demokratie verteidigt werden müsse, was den Einsatz und die Beteiligung aller Bürger_innen erfordere.

Oldenburg ist der 28. Standort für die Ausstellung. Hier entstand zur Weimarer Zeit ein Freistaat, der der Stadt den auch heute noch verwendeten Zusatz »in Oldenburg« eingebracht hat. »Gerade die Freistaaten halten viele interessante regionale Geschichten bereit«, erklärt Stephan Zänker. Darüber hinaus verdankten wir der ersten Deutschen Republik Errungenschaften wie Pressefreiheit oder Frauenwahlrecht. »Um den Zugang zu erleichtern, haben wir versucht, die Themen in die Gegenwart zu übersetzen«, so Zänker

Die Ausstellung wird aus Mitteln des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz gefördert. Der Eintritt ist frei.
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Gasse „Abraham“ erhält Informationstafel

22.12.2017 21:37 Uhr

Stadtverwaltung folgt Schüler-Anregung – Erinnerung an NS-Vergangenheit

Aus der Geschichte lernen: Marcel Marx, Schüler im 9. Jahrgang der IGS Kreyenbrück, hat das getan. Auf seine Anregung hin hat das Kulturbüro der Stadt Oldenburg im Auftrag des Kulturausschusses in dieser Woche in der Innenstadt an der Ecke Abraham/Gaststraße eine Informationstafel anbringen lassen, die ein Kapitel Oldenburger NS-Vergangenheit beleuchtet. Der Text klärt über die Geschichte der von den Nationalsozialisten im Jahr 1942 verfügten Umbenennung des jüdisch klingenden Straßennamens „Abraham“ in „Winkelgang“ auf. Seit dem 1. Januar 2001 heißt die Gasse wieder „Abraham“. Der Stadtrat hatte die Rückbenennung in seiner Sitzung am 19. September 2000 einstimmig beschlossen.

Die Informationstafel wurde aus transparentem Plexiglas in den Maßen 60 mal 80 Zentimeter gefertigt und unter dem Straßenschild „Abraham“ seitlich am Gebäude Gaststraße Nummer 28 angebracht. 

In der schulischen Auseinandersetzung mit den Themen Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg hatte sich Marcel Marx mit den Hintergründen der Umbenennung der Gasse beschäftigt. Er wandte sich im August dieses Jahres an die politischen Gremien der Stadt und schlug eine Informationstafel an dem historischen Ort in der Innenstadt vor. Der Kulturausschuss zeigte sich sehr erfreut über das Engagement des Schülers und veranlasste das Installieren der Informationstafel. Auch der Eigentümer des Hauses an der Gaststraße stimmte dem Vorhaben zu.

Die Informationstafel trägt den folgenden Text:
„Der Straßenname Abraham wird auf einen 1626 erstmals erwähnten Oldenburger Bürger namens Abraham Arondeus zurückgeführt, der in der Nähe wohnte. 
Obwohl sich nicht belegen ließ, dass Abraham Arondeus jüdischen Glaubens war, benannten die Nationalsozialisten zu Beginn des Jahres 1942 den Abraham um in Winkelgang. Grundlage für diese Entscheidung war ein Runderlass des Reichsministeriums des Innern von 1938, in dem die Umbenennung von Straßennamen angeordnet wurde, wenn diese auf jüdische Namen verweisen.
Aufgrund bürgerschaftlichen Engagements und daraufhin erfolgten Ratsbeschlusses trägt der Abraham seit Januar 2001 wieder seinen ursprünglichen Namen.“
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Rund 1000 Menschen wollen Erinnerung festhalten

10.11.2017 22:55 Uhr

Erinnerungsgang 2017

von Carsten Lienemann

»Wir heute Lebenden sind verantwortlich dafür, dass in 50 oder 100 Jahren nicht ein weiteres Ereignis wie die Reichsprogromnacht oder die Judenverfolgung in den Geschichtsbüchern steht«. So begann die Botschaft, die die Schüler_innen der IGS Kreyenbrück den Teilnehmer_innen des Erinnerungsgangs 2017 mit auf den Weg gaben. »Wir sind jung oder alt, kommen von hier oder vom anderen Ende der Welt, aber eines haben wir alle gemeisam: Wir sind heute alle hier, um zu zeigen, dass wir die Erinnerung festhalten wollen«, so der Text weiter.

Rund 1000 Menschen hatten sich an diesem 10. November auf den Weg von der Landesbibliothek, die 1938 Polizeikaserne war, zur ehemaligen Justizvollzugsanstalt im Gerichtsviertel gemacht, vorbei am Denkmal für die ehemalige Synagoge in der Peterstraße, wo der Gang wie immer anhielt, um Kränze und Rosen niederzulegen und das Kaddisch zu beten.

Während des Ganges verteilten die Schüler_innen kleine Holzwürfel, die man an den Schlüsselbund hängen kann. Sie sollen Denkmäler im Hosentaschenformat sein, die im Alltag an das Unbegreifliche erinnern und dem Vergessen vorbeugen helfen.

Erwartungsgemäß waren unter den Schüler_innen viele mit Migrationshintergrund, bei den Erwachsenen sah das leider ganz anders aus. An dieser Stelle kann und darf, ja muss sich sehr wahrscheinlich sogar etwas ändern, wenn der Erinnerungsgang auch eine Zukunftsperspektive bieten soll. Zwar bringen die Schüler_innen immer wieder kreative Ideen ein, zwar nimmt das Begleitprogramm immer wieder auch aktuelle Themen auf, aber auch bei der Kernveranstaltung sollten Menschen aller Altersgruppen und Kulturen beteiligt sein, die es in Oldenburg gibt, sonst wird der Gang irgendwann zum reinen Selbstzweck.

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»Erinnerung festhalten« ist mehr als ein Arbeitstitel

08.11.2017 23:17 Uhr

Begleitende Ausstellung zum Erinnerungsgang eröffnet

von Carsten Lienemann

„Trennungen“ heißt die Kunstausstellung, die am Dienstag, 8. November, im Eingangsbereich der Landesbibliothek eröffnet wurde. Sie ist Teil des Begleitprogramms zum Erinnerungsgang, der jedes Jahr am 10. November im Innenhof der Landesbibliothek beginnt. Die Schüler_innen der Klasse 10b der IGS Kreyenbrück haben 18 Fotos jüdischer Männer einem Tontrennungsverfahren unterzogen und in großformatige Portraits übertragen. 

Das Anliegen der Ausstellung ist die würdevolle Erinnerung an die Menschen, die in Olden­burg lebten und die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Schülerin­nen und Schüler der Klasse 10b der IGS Kreyenbrück haben sich künstlerisch mit diesen Opfern auseinandergesetzt und dies in großformatigen Porträtmalereien umgesetzt. Die Schülerinnen und Schüler wollen den jüdischen Männern, die den Gang von der Polizeika­serne am Pferdemarkt zum Gerichtsgefängnis antreten mussten, um anschließend depor­tiert zu werden, ein Gesicht geben. Sie wollen somit verdeutlichen, dass es sich nicht um namenlose Opfer handelt. Die Männer hatten in dieser Stadt Familie, Berufe und Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft. Überlieferte Porträtfotos zeigen Männer, die fest im Leben ste­hen. Gut gekleidet, zuversichtlich und ernst bis freundlich dreinschauend vermitteln sie das Bild von Personen, die viele persönliche Ziele schon erreicht haben. Ihr Leben - und das ihrer Angehörigen - hätte anders enden müssen und sollen.


»Durch das aufwendige Verfahren bekamen die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, sich intensiv nicht nur mit der NS-Zeit, sondern mit realen Personen zu beschäftigen«, sagte der Stellvertrende Schulleiter der IGS Kreyenbrück, Heiko Weber. Die Gesellschaft und insbesondere die Schule habe die Aufgabe, Jugendliche zu selbstsicheren, kritischen Menschen werden zu lassen. »Ich glaube, dass man selbstsichere Menschen nicht so leicht verführen kann«, so Weber.

Corinna Roeder, Direktorin der Landesbibliothek, dankte Schüler_innen und Lehrer_innen der IGS Kreyenbrück für ihr Engagement und ihre Kreativität. »Sie haben sich mit kritischer Distanz mit der NS-Zeit in Oldenburg und der Judenverfolgung beschäftigt und durch die Portraits einen persönlichen Bezug hergestellt. Engagement in diesem Zusammenhang muss wissenschaftlich fundiert sein, um sich nicht für beliebige Zwecke vereinnahmen zu lassen«, sagte Roeder und ließ offen, ob sie auf umstrittene  angekündigte Aktionen für den eigentlichen Erinnerungsgang anspielen wollte.

»Ich bin beeindruckt von der Präsentation, sowohl der Bilder als auch des musikalischen Beitrags der Schulband«, erklärte Fredo Behrens, Sprecher des Arbeitskreises Erinnerungsgang. »Die Schülerinnen und Schüler der IGS Kreyenbrück, die in diesem Jahr gemeinsam mit dem Arbeitskreis den Erinnerungsgang und das Begleitprogramm gestalten, haben das Motto ›Erinnerung festhalten‹ gewählt«. Zuerst sei es nur ein Arbeitstitel gewesen, aber recht bald sei klar geworden, dass es genau darum gehe. Wir Nachgeborenen seien in der Pflicht, uns der Vergangenheit mit allen Konsequenzen zu stellen. »Für Demokratie muss immer wieder gekämpft werden«, so Behrens.

Die Ausstellung ist noch bis zum 18.11.2017 im Foyer der Landesbibliothek zu sehen.
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Beat oder Bieder – Oldenburg und das Jahr 1967

30.07.2017 19:46 Uhr

Ausstellung im Stadtmuseum Oldenburg vom 30. Juli bis 1. Oktober

Vor 50 Jahren, am 1. August 1967, wurden in Oldenburg die wichtigsten Straßen des historischen Stadtkerns für den Autoverkehr gesperrt: Die Fußgängerzone entstand. Das Stadtmuseum Oldenburg feiert dieses Jubiläum mit einer besonderen Ausstellung. Unter dem Titel „Beat oder Bieder – Oldenburg und das Jahr 1967“ können sich die Besucher auf eine gleichermaßen unterhaltsame wie informative Zeitreise in das Jahr der Entstehung der Fußgängerzone begeben. Die Ausstellungseröffnung findet am Sonntag, 30. Juli, um 11 Uhr statt. Für musikalische Unterhaltung sorgt die Band „Heart of Gold“ mit Songs aus den 1960er-Jahren und vor dem Museum zeigt der Motor-Sport-Club Oldenburg von 10 bis 14 Uhr Oldtimer aus dieser Zeit.

 

„Die Oldenburger Fußgängerzone war zwar nicht die erste ihrer Art, aber erstmals in Deutschland wurde eine solche Maßnahme in einem weitgehend geschlossenen Stadtkern durchgeführt“, weiß Dr. Andreas von Seggern, Leiter des Stadtmuseums. Nach anfänglicher Skepsis insbesondere bei vielen Geschäftsinhabern der Innenstadt, hat sich die Oldenburger Fußgängerzone in den folgenden Jahrzehnten zu einem Erfolgsmodell entwickelt und prägt bis heute das Stadtbild.

 

Doch das Jahr 1967 hielt noch viele andere Ereignisse bereit: Weltweite Krisenherde, innenpolitische Konflikte, aber auch ein bis heute faszinierender Aufbruchsgeist in Politik, Gesellschaft und Kultur gehören zu den Facetten dieses spannungsreichen Jahres. Ob eine Jacke von Mitch Mitchell, dem Schlagzeuger der Jimi Hendrix Experience, der Schreibtischstuhl des damaligen Bundeskanzlers Kiesinger aus dem Kanzleramt oder auch prägende Bildikonen der Zeit – viele ausgewählte Objekte, Bilder und Dokumente lokaler und nationaler Leihgeber bieten einen Einblick in jene zwölf Monate, in denen sich viel von dem andeutete, was heute mit den ‚68ern‘ verbunden wird.

 

Und natürlich schaut die Ausstellung insbesondere auf Oldenburg: Hatten internationale Entwicklungen und nationale Ereignisse einen Einfluss auf den Alltag der Menschen vor Ort? Was bewegte die Oldenburger, in welchem Rhythmus schlug der Puls der Stadt, eben: BEAT oder BIEDER? „Wir gehen diesen Fragen in ausgewählten Schlaglichtern nach“, berichtet Franziska Boegehold, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Stadtmuseum. „Die Besucher dürfen gespannt sein auf zahlreiche, zum Teil erstmals gezeigte Fotografien, vor allem des Oldenburger Bildreporters Günter Nordhausen, und auf einen Zusammenschnitt zeitgenössischer Filmaufnahmen aus der Stadt.“ Zudem gibt es eine Hörstation mit den 20 beliebtesten Hits aus dem Jahr 1967, ausgewählt in einer Zufallsumfrage unter 200 Oldenburgerinnen und Oldenburgern.

 

Die Ausstellung gleicht einer Entdeckungsreise, erstreckt sie sich doch über 18 Räume: „Für ‚Beat oder Bieder‘ öffnen wir erstmals – als zeitlich begrenzte ‚Intervention‘ – die historischen Francksen-Villen für ein neues Publikum“, sagt Andreas von Seggern. Dafür wurden besondere, flexibel nutzbare Stellwände angefertigt, die sich in die historischen Räumlichkeiten integrieren lassen. „Ihren überlieferten Grundcharakter werden die Räume natürlich auch während dieser Zeit behalten. Sie bleiben weiterhin geöffnet für all jene Besucher, die sich vom einzigartigen Charme der gründerzeitlichen Schausammlung einfangen lassen möchten“, schließt Museumsleiter von Seggern.

 

Zur Ausstellung erscheint eine 60-seitige Begleitbroschüre, die zum Preis von 9,90 Euro an der Museumskasse erhältlich ist.

 

Kuratoren der Ausstellung: Dr. Andreas von Seggern und Franziska Boegehold
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Ein Stolperstein für Johann Gerdes

22.02.2017 21:49 Uhr
Am Mittwoch, 22. Februar 2017, verlegte der Künstler Gunter Demnig am Neusüdender Weg 50, dem ehemaligen Haus des KPD-Mitglieds und Oldenburger Landtagsabgeordneten Johann Gerdes, einen Stolperstein. Initiatoren und Kooperationspartner der Aktion sind der Förderverein internationales Fluchtmuseum e.V.,  die CVJM/Gruppe junger Erwachsener/Thomaskirche Ofenerdiek und die DKP Oldenburg.

Johann Gerdes, geboren am 16. April 1896 in Groß Bornhorst, war ein deutscher Politiker (KPD), Abgeordneter im Oldenburgischen Landtag und das erste NS-Opfer in Oldenburg i. O. 

Als Abgeordneter kümmerte er sich vorrangig um die Landwirtschaftspolitik und um die Auseinandersetzung mit der regierenden NSDAP. Anfang März 1933 wurde er nachts von einem SA-Trupp aus seinem Haus gelockt und zusammengeschlagen. Anschließend schoss der SA-Führer Ludwig Thielebeule auf Gerdes. Drei Tage später starb Gerdes im Krankenhaus.
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