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Fahnen, Plakate, oranges Licht und Schuhe auf dem Schloßplatz

20.11.2020, 20:22 Uhr

Viele Aktionen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Das „Nein“ zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen wird in Oldenburg in diesem Jahr auf vielfältige Weise deutlich sichtbar werden. Rund um den „Internationalen Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ sind mehrere Aktionen im öffentlichen Raum geplant. Darauf machen das Gleichstellungsbüro der Stadt Oldenburg und das Feministische Forum aufmerksam.


Fahnen vor Gebäuden:
Ab Mittwoch, 25. November, wehen wieder vor zahlreichen Oldenburger Gebäuden Fahnen mit der Aufschrift „Frei leben – ohne Gewalt“. Die weltweite Fahnen-Aktion wurde von der Organisation „Terre des Femmes“ ausgerufen. Oldenburg zählt zu den mehr als 800 Städten in Deutschland, die sich insgesamt mit etwa 3.000 Fahnen beteiligen, die bis zum „Internationalen Tag der Menschenrechte“ am Donnerstag, 10. Dezember, gehisst werden.


Bauwerke in Orange:
Ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzt auch die von der Organisation Zonta International initiierte Kampagne „Orange the World“. Weltweit werden dabei die Fassaden von Gebäuden und Sehenswürdigkeiten orange angestrahlt. Die Stadt Oldenburg beteiligt sich 2020 mit dem Kulturzentrum PFL, dem Stadtmuseum und dem Lappan, die am Mittwoch, 25. November, mit Einbruch der Dunkelheit in orangefarbenes Licht getaucht werden. Viele weitere Bauwerke wie beispielsweise das Schloss, das Staatstheater, die Universität und das Landesmuseum für Natur und Mensch werden ebenfalls orange leuchten. So soll der Forderung, geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen zu beenden, Nachdruck verliehen werden. Auch alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, am Abend ein orangenes Licht, etwa eine orangefarbene Kerze, ins Fenster zu stellen.


Plakate in Bussen:
Das Gleichstellungsbüro der Stadt Oldenburg und das Feministische Forum Oldenburg machen parallel dazu mit einer Plakataktion in den Bussen auf das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ aufmerksam. Das Hilfetelefon des Bundesministeriums für Familie bietet unter der kostenfreien Rufnummer 08000 116 016 rund um die Uhr und in 17 verschiedenen Sprachen gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen anonym Unterstützung an.


Protest mit Schuhen:
Das Feministische Forum rückt am Samstag, 28. November, von 14 bis 18 Uhr das Ausmaß von tödlichen Gewalttaten gegen Frauen und Mädchen in den Fokus. Eine Installation auf dem Schloßplatz führt mit über 120 Schuhpaaren vor Augen, wie viele Frauen und Mädchen alleine in diesem Jahr in Deutschland Opfer von Femiziden (Tötung von Frauen und Mädchen wegen ihres Geschlechts) wurden. Damit wird an eine weltweite Tradition des feministischen Gedenkens angeknüpft und die Forderung von lateinamerikanischen Feministinnen und Feministen – „ni una menos“ (Keine mehr!) – aufgegriffen. Diese Forderung ist in den vergangenen Jahren millionenfach auf die Straße getragen worden.


Warum sind die Aktionen in Corona-Zeiten besonders wichtig?
Statistisch sei nachgewiesen, dass Frauen und Mädchen Gewalt zum größten Teil von Tätern aus dem nahen Umfeld angetan wird, betont Franziska Strosche, Mitarbeiterin des Oldenburger Frauenhauses. Die emotionalen Abhängigkeiten im nahen Umfeld machten es besonders schwierig, sich gewaltvollen Beziehungen zu entziehen. Die Betroffenen belasten häufig Gefühle von (Mit-)Schuld, Scham und Ängsten. „Doch zu Unrecht. Egal, wie krisenhaft die Zeiten sind – diese Gewalt ist nie zu entschuldigen. Nicht die Betroffenen tragen die Verantwortung für die Gewalt, die sie erleben“, verdeutlicht Nadine Finke, Mitarbeiterin von Wildwasser Oldenburg, Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen. „In Krisen werden viele Missstände, die in unserer Gesellschaft existieren, wie unter einem Brennglas, sichtbarer und deutlicher“, ergänzt Renate Vossler, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Oldenburg. So sei es auch mit der Gewalt gegen Frauen und Mädchen: Die aus Sicht der Corona-Pandemie-Bekämpfung sinnvolle Aufforderung: „Bleiben Sie zu Hause!“ könne bedeuten, eingesperrt zu sein, in einer nahen Beziehung psychischer, sexueller und körperlicher Gewalt ausgesetzt zu sein, isoliert und ohne Kontakte. So bekomme das Umfeld noch weniger mit, Betroffene können sich schwerer entziehen oder Hilfe holen.


Welche Hilfsangebote und Beratungsstellen gibt es in Oldenburg?
 BISS - Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt, Telefon 0441235-3798;
 Olena - Beratungsstelle für gewaltbetroffene Migrantinnen und weibliche Flüchtlinge: olena.beratung@web.de, Telefon 0441 235-2490;
 Wildwasser - Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen, www.wildwasser-oldenburg.de, Telefon 0441 16656;
 Autonomes Frauenhaus, www.frauenhaus-oldenburg.de, Telefon 0441 47981;
 Trans-Beratung OL, weser-ems@trans-recht.de, Telefon 0160-5889070.


Was ist das Feministische Forum?
Das Feministische Forum ist ein Zusammenschluss feministisch engagierter Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen in Oldenburg. Zum Feministischen Forum gehören unter anderem: Autonomes Frauenhaus Oldenburg, Internationale Frauengruppe im Stadtteiltreff Dietrichsfeld, IBIS e.V., Koma Sara – Kurdische Frauengruppe, Medienbüro Oldenburg, Mädchenhaus Oldenburg, Wildwasser Oldenburg und das ZFG Zentrum für Frauengeschichte. Kontakt: femforum_ol@riseup.net
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