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Sauber: Biomüll-Qualität hat sich deutlich verbessert

26.06.2020, 15:46 Uhr

Anti-Plastik-Kampagne trägt Früchte: Störstoff-Anteil in grüner Tonne mehr als halbiert

Die Biomüll-Qualität in Oldenburg hat sich deutlich verbessert. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die das Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management (INFA) aus Ahlen im Auftrag des Abfallwirtschaftsbetriebes Stadt Oldenburg (AWB) vorgenommen hat. Demnach hat sich der Anteil so genannter Störstoffe im Bioabfall zwischen Februar 2018 und Februar 2020 mehr als halbiert. Die Reduzierung um 57 Prozent – das entspricht einer Jahresmenge von rund 420 Tonnen – stellt ein „herausragendes Ergebnis“ dar, bilanziert Manfred Santjer, leitender Projektingenieur bei INFA. Zurückzuführen ist die, so Santjer, „enorme Verbesserung“ auf die vom AWB initiierte Informations- und Maßnahmenkampagne „Kein Plastik in die Biotonne“.

„Wir sind sehr zufrieden und glücklich mit diesem Erfolg. Nach der Sortieranalyse im Februar 2018 haben wir in Eigenregie eine Kampagne entwickelt, die seit Oktober 2018 umgesetzt wird. Solch ein großartiges Zwischenergebnis nach nur 16-monatiger Kampagnendauer haben wir zu Beginn unseres Projektes in dieser Ausprägung nicht erwartet“, freut sich AWB-Betriebsleiter Volker Schneider-Kühn. Mittlerweile dient die Kampagne auch als Vorbild für andere Kommunen und Abfallwirtschaftsbetriebe. 

Zu Störstoffen zählen unter anderem Kunststoffe, Metalle, Glas, noch verpackte Lebensmittel und Windeln. Nach der im Februar 2018 erfolgten Sortieranalyse betrug ihr Gewichtsanteil im Biomüll 4,7 Prozent. Hochgerechnet auf einen Jahreswert schlugen Störstoffe mit 733 Tonnen zu Buche. Auf das Volumen bezogen, bestand der Inhalt der grünen Tonnen sogar zu knapp 25 Prozent aus solchen Stoffen. Das hatte negative Auswirkungen auf die Verarbeitung der Bioabfälle zu hochwertigem Kompost: Die geforderten Qualitäten konnten nur mit erheblichem und kostenintensivem Aufwand erreicht werden.

Zwei Jahre später zeigt die Kontrollanalyse nun ein ganz anderes Bild: Der Biomüll ist deutlich sauberer geworden. Der Gewichtsanteil der Störstoffe beträgt nur noch zwei Prozent, der volumenmäßige Anteil ist auf 5,8 Prozent gesunken. „Das ist ein immenser Sprung und für städtische Strukturen ein niedriger Wert. Ein Störstoff-Gewichtsanteil von unter drei Prozent ist sehr gut“, konstatiert Manfred Santjer. Diese Marke wurde nun bei 83 Prozent der insgesamt 77 Sammeltouren erreicht. Bei der 2018er Analyse waren es nur 32 Prozent gewesen. 16 Sammeltouren, die vor zwei Jahren besonders auffällig waren, haben die Prüfer nun noch einmal genauer unter die Lupe genommen – Ergebnis: Bei 15 dieser 16 Touren konnte der Störstoffanteil deutlich verringert werden.

Leicht zurückgegangen ist die Befüllung von Biotonnen mit so genannten Fremdstoffen (Papier und Pappe), deren Gewichtsanteil von 1,8 Prozent auf 1,6 Prozent gesunken ist. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Fremdstoffe in Form von Papier kein Problem bei der Kompostierung darstellen und durch Papiertüten, Haushaltstücher und ähnlichem ohnehin über die Vorsammlung in die Biotonnen eingetragen werden dürfen. Bei der Aufklärungskampagne hatte der AWB daher vor allem die Reduzierung der im Biomüll enthaltenen Kunststoffquote im Visier. Denn besonders die zum Vorsammeln von Bioabfällen genutzten „Bioplastiktüten“, die im Kompostwerk allerdings nicht innerhalb der rund vierwöchigen Prozesszeit verrotten, hatten einen Großteil der Störstoffe ausgemacht. Als Alternative hat der AWB mit Erfolg eine vollständig kompostierbare, wachsbeschichtete Papiertüte etabliert – 275.000 solcher Exemplare konnten bis jetzt ausgegeben werden. „Die Bereitstellung dieser Tüten war mitentscheidend für den Erfolg der Kampagne“, sagt Volker Schneider-Kühn. Mittlerweile sind Kunststoffbeutel im Biomüll auch per Abfallwirtschaftssatzung verboten.

Neben Info-Flyern an allen Biotonnen, Hauswurfsendungen, Schreiben an Hausverwaltungen, Plakaten an Müllfahrzeugen und vielen Beratungen war das Verteilen von gelben und roten Karten als Tonnenanhänger das Herzstück der Kampagne. Zwischen Januar und Ende Februar 2019 erhielten rund 18.000 erkennbar falsch befüllte Biotonnen gelbe Karten mit dem Hinweis, dass diese in solchen Fällen ab März 2019 nicht mehr geleert werden. Rote Karten bei Nichtleerung wurden dann bis heute etwa 10.700 Mal verteilt. Die stichprobenartigen Kontrollen von Bioabfall-Tonnen werden fortgesetzt. Neben den roten Karten bei Fehlbefüllungen werden seit November 2019 auch grüne Dankeskarten ausgegeben, wenn der überprüfte Tonneninhalt störstofffrei ist.

Der AWB lobt ausdrücklich die Bereitschaft der Oldenburgerinnen und Oldenburger, für sauberen Biomüll zu sorgen. „Damit leisten alle auch einen Beitrag zum Umweltschutz und zur Gebührenstabilität“, betont Schneider-Kühn. „Mein Appell ist: Machen Sie weiter so engagiert mit, dann schaffen wir es gemeinsam, in unserer Stadt den Störstoffanteil im Bioabfall noch weiter zu senken.“

Der AWB will sich im nächsten Schritt intensiv auf einige Großwohnanlagen konzentrieren, um gemeinsam mit den Wohnungsbaugesellschaften zielgerichtet das Mülltrennungsverhalten zu verbessern.

Zahlen zur Kampagne „Kein Plastik in die Biotonne“:
 • 10.000 Info-Broschüren
 • 20.000 mehrsprachige Flyer
 • 16.500 Aufkleber
 • 44.600 grüne Karten (grüne Tonnenanhänger mit umfassenden Informationen)
 • 18.000 gelbe Karten (im Januar und Februar 2019 bei Fremd- und Störstoffen in der Biotonne als mahnender Hinweis verteilt)
 • 10.700 rote Karten (seit März 2019 bei Nichtleerung von falsch befüllten Biotonnen verteilt)
 • 4.400 Tonnenanhänger „Danke für eine saubere Biotonne“ (seit November 2019)
 • 275.000 Papiertüten zum Vorsammeln von Bioabfällen verkauft (Stand Juni 2020)


Alle Informationen zur Kampagne gibt es unter www.awb-oldenburg.de.
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