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Reparieren als Wirtschaftsfaktor

18.10.2018, 19:09 Uhr

„transfer – Netzwerk nachhaltige Zukunft“ kündigt Vortragsreihe an

von Carsten Lienemann

Acht Repaircafés gibt es inzwischen in Oldenburg und der näheren Umgebung, weitere werden sehr bald hinzukommen. „Bezogen auf die Einwohner*innenzahl dürften wir damit einen bundesweiten Rekord aufgestellt haben“, vermutet Ökonom Niko Paech, der mittlerweile an der Uni Siegen lehrt.

Auch die Besucherzahlen der Reparaturcafés sind hoch. Leider lässt sich längst nicht alles reparieren, oft scheitern die meist ehrenamtlichen Reparateurinnen und Reparateure schon bei dem Versuch, ein Gehäuse zu öffnen. Katharina Dutz aus der Arbeitsgruppe Technische Bildung an der Uni Oldenburg spricht sich deshalb für ein Recht auf Reparatur aus. „Wenn die Kund*innen schon beim Kauf nachfragen, ob die Geräte reparierbar sind, muss der Handel darauf reagieren“, so Dutz.

Am 24. Oktober startet eine neue Vortragsreihe zur Stärkung der Reparaturkultur in der Freien Waldorfschule, Blumenhof 9, in Oldenburg. Katharina Dutz, Niko Paech und Barthel Pester stellten die Reihe am 16. Oktober vor, passenderweise in den Räumen der Maschinen- und Gerätevermietung „Werkzeugkiste“.

Die Termine des ersten Durchgangs (jeweils 18–20 Uhr, sofern nicht anders angegeben):

24.10.2018: Niko Paech, Reparatur in der Postwachstumsökonomie

07.11.2018: Stefan Schridde, ein wirksames Handlungsprogramm für mehr Haltbarkeit

21.11.2018: Katharina Dutz, Flicken, ausbessern und workarounds – die Wiederentdeckung der Reparatur

05.12.2018: Jörn Bohlmann (gelernter Segelmacher, Holzbootsbauer und Restaurierungshandwerker), Vorweihnachtliches und Unterhaltsames – vom Bauen und Reparieren auf Spitzbergen und an den Küsten früher und heute ...

19.12.2018 (bitte andere Uhrzeit beachten, Beginn ist um 16 Uhr): Van Bo Le-Mentzel, Co-Being House – ein Haus, in dem Menschen gemeinsam leben und reparieren können

09.01.2019: Marius Rommel, CSX – mit Solidarunternehmen die Wirtschaft reparieren (CSX bedeutet so viel wie ökologisch und sozial wertvolles Wirtschaften nach dem Modell der solidarischen Landwirtschaft)

23.01.2019: Karl-Heinz Heilig, Müll ist Mangel an Phantasie – wie ich mein Haus von 1983 bis 1985 aus gebrauchten Werkstoffen gebaut habe


„Es geht um nachhaltiges Reparieren“, erläutert Niko Paech. „Die Kundinnen und Kunden müssen nach modularem Aufbau der Geräte fragen und auch selbst Wissen erwerben. Aber auch die Unternehmen müssen neue Wege gehen, der Einzelhandel muss das Reparieren als Wirtschaftsfaktor entdecken.“ Bei richtiger Umsetzung sei dieser Weg für alle Beteiligten vorteilhaft, so Paech. „Es geht nicht nur um das Reparieren, sondern auch um das Wiederverwenden. Dadurch erhalten wir eine Wertschöpfung, durch die die Neuproduktion unnötig wird.“ Und wenn junge Techniker*innen für diesen Weg gewonnen werden können, dann dürfen auch die zahlreichen inzwischen sehr alt gewordenen Reparateure und Reparateurinnen endlich ihren Ruhestand genießen.

Ab Sommer 2019 startet dann ein zweiter Durchgang, der sich mit Bildungsangeboten rund um das Reparieren beschäftigt. „Dabei wird es nicht nur um den  privaten Haushalt gehen, sondern auch um die Anwendung technischer Kenntnisse und Fertigkeiten alternativ zu einem akademischen Beruf“, sagt Katharina Dutz. „Wir hoffen auch, in nicht allzu ferner Zukunft eine Immobilie zu finden, die wir im besten Wortsinn als zentralen Lernort bezeichnen dürfen.“

Ähnlich wie bei der „Kostbar“, die regionale Anbieter für fair gehandelte Lebensmittel auflistet, wird es auch ein Verzeichnis der in Oldenburg vertretenen Reparaturbetriebe geben, „Reparierbar“ genannt. „Noch ist die Liste überschaubar, wir gehen aber davon aus, dass sich das sehr bald ändern wird“, ist Bathel Pester optimistisch. „Reparaturbetriebe in Großstädten schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden.“
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