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Annie Heger ist neue Botschafterin für das TrostReich

24.11.2021, 18:51 Uhr
Seit Sonntag, 21. November 2021, ist Annie Heger offiziell in den diplomatischen Dienst für das TrostReich aufgenommen. So jedenfalls drückte es Botschafter-Kollege Thomas Kossendey in seiner Laudatio aus: „Obwohl – diplomatisch bist du eigentlich so gar nicht. Du bist offen und gerade heraus. Und darum genau richtig für diese Aufgabe.“

Mit einer Feierstunde im Vortragssaal der Alten Fleiwa begingen Mitarbeiter*innen, Helfer*innen und Gäste die Ernennung von Annie Heger. Neben lobenden und erwartungsfrohen Worten, unter anderem aus dem Mund des zweiten TrostReich-Botschafters Christian Firmbach, standen zwei interessante Fachvorträge auf dem Tagesprogramm. Die Fachärztin für Psychiatrie Dr. Ulrike Wendt gab einen kurzen Einblick in die Geschichte der kinderpsychologischen Forschung, illustriert mit ihrem eigenen Beispiel, und Gesche Wieder berichtete stellvertretend für die erkrankte Martina Wulf von aktuellen TrostReich-Erfahrungen in der Corona-Zeit.

Dann endlich kam der Höhepunkt des Tages, die Übergabe des Botschafter-Stabes an Annie Heger, gefolgt an ihre Dankesrede, die schon mehr ein Galaauftritt war und auch der letzten Person im Saal klar machte, dass Annie genau die Richtige für diesen Job ist.


Als Annie Heger dann die ihr zu Ehren gebackene Torte angeschnitten hatte und die Gäste sich bei Kaffee und Keksen in kleinen Gruppen über die gelungene Veranstaltung unterhielten, konnte ganz-oldenburg.de mit Annie Heger und Vorstandsmitglied Antje Möhrmann ein kurzes Interview führen:

Antje, wann und wo kam dir die Idee, Annie zu fragen, ob sie TrostReich-Botschafterin werden will?
Im vergangenen Dezember war ich mit einer Freundin in einem Gottesdienst, in dessen Verlauf Annie Heger ihr Album „Bethlehem“ vorgestellt hat. Wir sind sehr erfüllt aus diesem Gottesdienst gegangen. Ich habe Annie daraufhin geschrieben, und was ich ganz toll fand: Sie hat mir immer wieder geantwortet. 
Dann habe ich auf einer nächtlichen Autofahrt durch Ostfriesland eine Radiosendung auf plattdeutsch gehört. Bei einer Frauenstimme dachte ich: Ist das Annie? Sie war es nicht, aber die Idee, sie anzusprechen, war da. Ich habe ihr am nächsten Tag eine Nachricht geschickt und sie gefragt, ob sie Botschafterin werden möchte. Und sie schrieb zurück: Jo!

Du hast also nicht lange überlegt, Annie. Was war ausschlaggebend?
Wahrscheinlich meine persönliche Situation in dem Moment, weil ich mich gerade in einer Trauerphase befunden habe, und manchmal passieren einem Dinge ja genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich wusste selbst in diesen Zeiten, in denen wir uns befinden, und der Angst, die uns ja auch so ein bisschen umtreibt, gerade nicht, wohin mit meinen Gefühlen, und ich dachte, wenn mich jetzt das TrostReich fragt, dann muss ich „ja“ sagen, das hat so sein sollen. Ich bin dann auch im TrostReich gewesen und fand es ganz fantastisch. Ich habe allen Leuten davon erzählt.

Du bist vielfältig sozial engagiert, aber das ist doch noch eine etwas andere Ebene. Hast du gewusst, was dich hier erwartet?
Ich habe das nicht genau gewusst, aber ich habe ziemlich bald nachgefragt: Was wünscht ihr euch von mir, welche Erwartungen werden an mich gestellt? Denn wenn ich so etwas zusage, dann möchte ich diese Rolle auch bestmöglich erfüllen, und deswegen wollte ich ganz klar haben, welche Aufgaben ich habe. Der heutige Tag ist ja quasi eine erste Amtshandlung dieser Patenschaft, und alles, was ich gesagt bekommen habe und auch, dass ich jederzeit ins TrostReich kommen und es mir ansehen darf, wenn es „belebt“ ist, war schließlich die entscheidende Bestätigung für mich, dass meine spontane Zusage richtig war.

Hast du schon einen Plan, wie du die Rolle gestalten willst?
Ich finde, bevor man etwas anbietet, sollte man fragen, was gebraucht wird. Ich glaube, meine Aufgabe ist es, meine Unterstützung in hoher Frequenz und in regelmäßigen Abständen anzubieten, denn ich bin unfassbar priviligiert, mein Kühlschrank ist voll, die Heizung läuft, und das, obwohl wir in einer Pandemie sind und ich freischaffende Künsterin bin. Ich weiß, an welchen Stellen ich abgeben kann, das kann zum Beispiel meine Woman Power sein, das können aber auch Kontakte sein, ein ganzes Netzwerk, das man für unterschiedliche Dinge zur Verfügung stellen kann. Das kann aber auch Zeit sein, und Zeit ist mir in meinem Leben fast das Kostbarste. Von daher glaube ich, dass ich viele Stellen in meinem Leben finde, wo ich dem TrostReich etwas geben kann.

Du bewegst dich ja sehr viel in der plattdeutschen Sprache. Welche Rolle spielt Platt für dich?
Plattdeutsch ist meine absolute Herzenssprache. Ich bin plattdeutsch aufgewachsen, weil um mich herum alles plattdeutsch sprach. Es ist kein Medien-Platt, dass ich mir irgendwie draufgeschafft hätte, sondern ein ursprüngliches, in dem sich die Menschen um mich über ihre Gefühle unterhalten haben. Wenn Ostfriesen über Gefühle sprechen, dann auf platt. 
Egal, wo ich auf der Welt bin, wir Plattdeutschen finden uns ja, und wenn ich das im Ohr habe, bin ich sofort zu Hause am ostfriesischen Kanal, sitze am Kamin und fühle mich umsorgt und wohl. Nichts anderes auf dieser Welt löst so ein Heimatgefühl aus, so ein Zu-Hause-Gefühl, wie die Sprache.
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