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»PrimA Challenge«: Aufforderung zu Zivicourage im Internet

10.02.2016, 11:25 Uhr

Prävention im Nordwesten (PrimA) fordert Internetnutzer_innen heraus

von Carsten Lienemann

»Wetten, dass wir es schaffen, bis zum 9. September 2016 mindestens 10.000 Internetnutzerinnen und -nutzer auf unsere Seite bekommen, die sich an der Diskussion beteiligen?« So etwa könnte man die Herausforderung formulieren, mit der das Netzwerk »Prävention im Nordwesten (PrimA)« am 9. Februar, dem weltweiten Safer Internet Day, seine neue Kampagne startete. »PrimA Challenge« heißt sie, Zivilcourage im Internet ist ihr Thema.

Hasskommentare, Verleumdungen, Gerüchte, die ungeprüft geteilt und weitergegeben werden – all das ist nicht neu, hat aber durch das Internet eine neue Dimension erreicht. Maßnahmen zur Eindämmung werden derzeit auf verschiedenen Ebenen entwickelt. Online-Zeitungen sperren bei einzelnen Themen inzwischen immer häufiger die Kommentarfunktion, Twitter und Facebook wollen stärker gegen die sogenannte „Hate Speech“ vorgehen.

Auch an den Präventionsräten im Nordwesten, zusammengefasst im Netzwerk »PrimA«, geht diese Entwicklung nicht vorbei, und das Motto des Safer Internet Day 2016, »Play your part for a better internet«, ist eine Steilvorlage für die jetzt gestartete Kampagne.

»Wir wollen die Nutzerinnen und Nutzer des Internet dazu auffordern, sich an der Gegenbewegung zu Hetze und Hasskommentaren zu beteiligen und dem Motto gemäß ihren Teil zu einem besseren Internet beizutragen – naheliegenderweise über eine Internetseite«, sagt Melanie Blinzler, Geschäftsführerin des Präventionsrates Oldenburg (PRO).

Auf »http://prima-challenge.de« können Teilnehmerinnen und Teilnehmer eigene Regeln für das Miteinander in Foren und Chats formulieren und darüber abstimmen. So entwickeln sie gemeinsam einen Verhaltenskodex für Zivilcourage im Internet. Um die Sache spannender zu machen und einen Anreiz zu geben, die Seite wiederholt aufzusuchen, wird ein Ranking aufgestellt, in dem Zustimmung und Ablehung jederzeit ablesbar ist. Im angeschlossenen Forum über diese Regeln und über verwandte Themen ganz offen diskutiert, zum Beispiel über die Frage, ob Beleidigungen durch Meinungsfreiheit gedeckt sind. Darüber hinaus bietet die Seite Hinweise und Links zu Veröffentlichungen sowie aktuellen Meldungen zum Thema.

»Nicht zuletzt die Reaktion der Internetforen auf die Flüchtlinge oder die Vorgänge in der Silvesternacht zeigen, dass Zivilcourage im Internet in hohem Maß gefragt ist, denn hier sind Beleidigungen, aber auch das unbeteiligte Zusehen anonym«, so Eckhard Wache, Vorsitzender des PRO. Positive Kommentare seien daher selten. Über die kommunalen Präventionsräte sei es möglich, dieses Thema breit vernetzt anzugehen.

»Während die Skepsis gegenüber Nachrichten in traditionellen Medien zunimmt, ist es bei Nachrichten im Internet genau umgekehrt. Dabei wird die Anzahl an ›Likes‹ als Maß für die Seriosität genommen«, beobachtet Niels Traß von der Polizeidirektion Oldenburg. Während beispielsweise Rechtsradikale früher nur wenig wahrgenommen worden seien, hätten sie inzwischen über soziale Medien immer ein Grundpublikum. Falschmeldungen und Hasskommentare würden ignoriert oder als Unterhaltung betrachtet, die Gegenrede fehle. »Die Polizeidirektion hat großes Interesse daran, dass die Diskussionskultur nicht verroht. Dafür brauchen wir starke Partner«.

Widersprechen und Diskutieren in Internetforen ist zeitaufwändig und anstrengend. Das ist ein Grund für den sportlichen Aspekt, der mit dieser Kampagne verbunden ist. Außerdem sind 21 kommunale Präventionsräte und die Polizei als Partner eingebunden, die das Thema aktiv kommunizieren werden, Bürgerinnen und Bürger wirken als weitere Multiplikatoren.

Anja Peters vom Präventionsrat Hude verspricht: »Wir werden die Kampagne auf allen Ebenen bewerben, beispielsweise an die Jugendzentren weitergeben und bei allen Begegnungen ins Gespräch bringen«.

»Am 9. September werden wir dann eine Bilanz ziehen und prüfen, ob die Kampagne erfolgreich gelaufen ist«, kündigte Melanie Blinzler an. Dann werde über eine Fortsetzung entschieden.
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