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Demokratie muss gelernt werden

05.02.2016, 23:03 Uhr

»Prävention braucht Konzepte« – Fach-Informationstag im PFL

von Carsten Lienemann

Gewaltprävention an Schulen ist besonders wirksam und nachhaltig, wenn die Schülerinnen und Schüler möglichst früh Demokratie praktisch erfahren. Diese These vertrat Helmholt Rademacher, Leiter des Projektes »GuD – Gewaltprävention und Demokratielernen« vom hessischen Kultusministerium, in seinem Vortrag am Mittwoch, 3. Februar, auf dem zweiten »Fach-Informationstag Prävention an Schulen« im PFL.

Es gehöre zur Aufgabe der Schule, Demokratie erfahrbar und erlebbar zu machen und Partizipationsprozesse zu ermöglichen, so Rademacher. »Wer eine Schulkultur erlebt, in der alle fair miteinander umgehen, Konflikte konstruktiv lösen, sich gegenseitig wertschätzen und anerkennen sowie Regelwerke gemeinsam erarbeiten, ist für Gewalt und Rechtsextremismus weniger anfällig«, zitiert Rademacher aus einer Expertise (Edelstein/Fauser 2001).

Damit dieses Erlernen von Demokratie gelinge, dürfe es vor allem keine Widerstände in den Kollegien geben. Die Lehrkräfte müssten geschlossen hinter dem Konzept stehen und es überzeugend vertreten, so Rademacher weiter.

Rund 100 Lehrerinnen und Lehrer aus Oldenburg und Umgebung, Sozialarbeiter_innen und Mitarbeiter_innen verschiedener Einrichtungen trafen sich im PFL zu Information und Austausch in Vorträgen und Workshops. Die Themen reichten von der Konzeptentwicklung, der Anwendung und wirksamen Auswertung von Präventionsprojekten und der Einbindung außerschulischer Anbieter über praktische Hinweise zum Vorgehen etwa bei Kindeswohlgefährdung oder Mobbing bis zur Vorstellung beispielhafter Arbeit in verschiedenen Schulformen in Oldenburg.

In der abschließenden Podiumsdiskussion, die von Melanie Blinzler, Geschäftsführerin des Präventionsrates Oldenburg, und Stefan Hühne (Regionalbeauftragter für Prävention und Gesundheitsförderung von der Niedersächsischen Landesschulbehörde) moderiert wurde, ging es noch einmal um Erfahrungswerte und Bedingungen für gelingende Präventionsarbeit an Schulen.
Präventionsprojekte müssen nicht nur ein gutes Konzept haben, sondern auch gut dokumentiert und ausgewertet werden, darin waren sich alle Beteiligten einig, ebenso darin, dass mit knappen Ressourcen wie Geld und Arbeitszeit sorgsam umgegangen werden muss.

»Wir brauchen nicht für jede neue Herausforderung eine neue Idee, oft können wir auf vorhandene Ideen zurückgreifen«, schlug Frederick Groeger-Roth vom Landespräventionsrat (LPR) zur Ressourcenschonung vor. Eine gute Vernetzung mit Erfahrungsaustausch sei da auch hilfreich, da könne auch der LPR selbst noch besser werden.

Ulrike Heinrichs vom Oldenburger Fortbildungszentrum (OFZ), gleichzeitig Zweite Vorsitzende des PRO, sieht an Schulen vor allen Dingen das Problem fehlender Zeit. »Wie kann man an Schulen Zeit für solche Prozesse gewinnen?« Wenn Geld fehle, könne unter anderem der Präventionsrat die eine oder andere Lücke füllen. Wichtig sei aber ein gutes Netzwerk mit kompetenten Partnern von außen, denn »Lehrer können nicht alles können«. Sie müssten aber alle am Konzept mitarbeiten und es gemeinsam tragen.

Horst Roselieb vom Niedersächsischen Kultusministerium betrachtet das System als unterfinanziert, und infolge der verordneten Schuldenbremse werde in Zukunft noch weniger Geld zur Verfügung stehen. Bei allem notwendigen Erfahrungsaustausch: »Prävention lässt sich nicht von oben verordnen, es muss immer der Einzelfall betrachtet werden.« Das erfordere bei geringen finanziellen Möglichkeiten unter anderem ein gutes Zeitmanagement.

Dagmar Sachse, Sozialdezernentin der Stadt Oldenburg, meinte dagegen, »es ist genug Geld im System, es muss nur besser eingesetzt und die Wirkung muss effektiver gemessen werden.« Es gebe eine hohe Bereitschaft zur Vernetzung, allerdings fehle es oft an der Zeit. Wobei an dieser Stelle die Frage erlaubt sei, ob denn Zeitmangel nicht zumindest teilweise mit Geld verringert werden könnte.
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