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Über Spaß zum Erfolg

13.05.2015, 18:03 Uhr

Begleitung von Mentoren fördert soziale Integration von Kindern

von Carsten Lienemann

Jessica Pfeiffer und Melanie Inselmann sind Lehramtsstudentinnen an der Carl von Ossietzky Universität. Genau wie derzeit 14 weitere Oldenburger Studierende treffen sie sich außerdem mindestens ein Jahr lang einmal in der Woche für eine bis zwei Stunden mit einem Grundschulkind, das einer besonderen Unterstützung bedarf. Aber nicht zum Lernen oder für Nachhilfe, sondern zur gemeinsamen Freizeitgestaltung. Erstaunlich nur für Nichteingeweihte: Die Kinder profitieren in vielfältiger Weise davon, auch und gerade in der Schule.

»Balu und Du« heißt das bundesweite Projekt, bei dem junge Erwachsene, meist Studierende wie Jessica Pfeiffer und Melanie Inselmann, als Mentorinnen und Mentoren engagiert sind. Die vorgeschriebene enge Begleitung der Mentoren durch eine betreuende Einrichtung wird in Oldenburg vom Kinderschutz-Zentrum geleistet.

»Wir sind froh und dankbar, dass wir dieses Projekt seit dem Start 2008 hier vor Ort koordinieren dürfen«, sagt Mareike van't Zet, Leiterin des Kinderschutz-Zentrums Oldenburg. »15-20 Kinder werden pro Jahr von Studierenden begleitet. Dank klarer Regeln, die für den Erfolg wichtig sind, haben die Kinder Zugang zu besserer Bildung, die langfristige Auswirkungen bis hin zu höherer Lebenserwartung haben«, so van't Zet.

Petra Klarmann ebenfalls vom Kinderschutz-Zentrum, ist die Koordinatorin des Projektes. Ihr werden von den Grundschullehrkräften die Kinder vorgeschlagen, die »Moglis« werden sollen, also einer besonderen Zuwendung bedürfen. Mit viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen stellt sie diese von ihr selbst so bezeichneten »Zwangsfreundschaften« zusammen. »Manchmal klappt es sofort, manchmal braucht es ein bisschen Zeit, bis Balu und Mogli aneinander gewöhnt haben«, so Klarmann. In den regelmäßigen Intervisionsgesprächen tauschten die Mentorinnen Erfahrungen aus und gäben sich gegenseitig Tipps und Hilfen für den Umgang mit ihren Moglis.

Dominik Esch, Geschäftsführer des Projektes »Balu und Du« Deutschland, betont die besondere Zusammensetzung in Oldenburg: »Die Universität ist nicht nur Quelle für die Balus, dort werden auch die Ergebnisse wissenschaftlich ausgewertet. Das Kinderschutz-Zentrum bildet die Gespanne und begleitet die jungen Erwachsenen, und der Präventionsrat Oldenburg unterstützt das Projekt von Beginn an ideell und finanziell.« Die Studierenden verpflichteten sich zunächst für ein Jahr, es werde aber versucht, die Treffen der Balus und ihrer Moglis weiterhin zu ermöglichen. »Ein ganz wichtiges Signal für die Grundschüler ist, dass ihnen das Gefühl gegeben wird, es ist jemand nur für mich da und widmet mir seine ungeteilte Aufmerksamkeit«, so Esch.

Die wissenschaftliche Auswertung zeigt, dass diese scheinbar sinnfreie Freizeitgestaltung wirkt. »Obwohl die Gespanne nicht miteinander lernen, werden nicht nur die schulischen Leistungen der Moglis besser, auch ihre Lernmotivation steigt erheblich. Dazu verbessert sich ihr seelisches und ganz besonders ihr körperliches Wohlbefinden«, erklärt Prof. Dr. Hildegard Müller-Kohlenberg, Erfinderin des Projekts »Balu und Du«. Auch auf Seiten der Mentorinnen und Mentoren seien zahlreiche positive Effekte zu verzeichnen. »Letztlich profitieren alle Beteiligten, die Moglis, die Balus und auch die Gesellschaft. Es ist eine Win-win-win-Situation«. Eine aktuelle, sehr detaillierte Studie, die mit vielen Daten und Zahlen auch zur so genannten Sozialrendite den Erfolg des Projektes belegt, findet sich unter http://www.benckiser-stiftung.org/blog/wp-content/uploads/2015/02/SROI-Bericht-BuD-final-17Feb2015.pdf.

»Der Präventionsrat Oldenburg (PRO) zählt ›Balu und Du‹ neben den Schülerstreitschlichtern zu den Leuchtturmprojekten, die wir immer wieder gerne beispielhaft anführen«, sagt Richard-B. von Busse, Vorsitzender des Fördervereins. So war es für den PRO auch keine Frage, einer nun anstehenden Fortsetzung der finanziellen Unterstützung zuzustimmen. »Bei diesem Projekt gibt es im Vorstand keinerlei Diskussion«, so von Busse.
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