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»Machen lassen« ist eine gute Therapie

30.09.2014, 18:16 Uhr

Präventionsrat fördert Kanutour der Elterninitiative krebskranker Kinder mit 5000 Euro

von Carsten Lienemann

Im August starteten sechzehn Flusspiraten der Elterninitiative krebskranker Kinder Oldenburg e. V. zu einer sechstägigen Kanutour auf der Fulda von Bad Hersfeld nach Kassel. Bereits zum dritten Mal und Dank der großzügigen Spende durch den Förderverein des Präventionsrates Oldenburg e. V. über 5.000 Euro veranstaltet der Verein die Kanutour mit ehemals erkrankten Jugendlichen und jungen Erwachsenen und deren Geschwistern oder Freunden im Alter zwischen 12 und 22 Jahren. Dies bedeutete für alle Abenteuer pur: eine Flussfahrt durch Wehre, Schleusen und herrliche Natur, Lagerfeuer und Zelten.

Betreut werden die Kanutouren von Martha Driefholt, die auch die Idee dazu hatte. Voller Begeisterung berichtet sie den Spendern vom Förderverein des Präventionsrates von den Veränderungen, die sie bei den Jugendlichen beobachtet: »Da ist zunächst einmal die tägliche Strecke von rund 25 km zu bewältigen, mit Gepäck im Boot, dann müssen die Zelte aufgebaut werden. In der anschließenden Freizeit veranstalten wir z. B. Kanuspiele, bei denen sich die Jugendlichen immer mehr zutrauen und dabei auch ihren Gleichgewichtssinn und ihre Motorik wiedererlangen.«

Durch die lange Therapiephase ist die motorische Leistungsfähigkeit deutlich eingeschränkt. Zudem trauen sich viele Mädchen und Jungen größere Belastungen nicht mehr zu oder werden durch verängstigte Eltern daran gehindert. Häufig sind die Jugendlichen dann überrascht, was sie alles schaffen können und wie schnell der Gleichgewichtssinn wieder funktioniert, wenn man ihn nur ein wenig fordert. Am Ende haben sie neuen Bewegungsmut gesammelt und sind insgesamt selbstbewusster geworden.

Neben dem großen Spaß, den alle Jugendlichen hatten, kamen aber auch viele Gespräche über die vergangene Monate oder Jahren zustande. Beide Seiten – erkrankte Mädchen und Jungen sowie Geschwister und Freunde – lernten einen neuen Blickwinkel kennen: Wie haben sie die schwere Zeit der Therapie verarbeitet, was hat ihnen geholfen und was haben sie vermisst? Diese Gespräche tragen entscheidend zur Krankheitsbewältigung bei und helfen beiden Seiten, den Weg zurück in den Alltag zu finden.

»Die ehemals krebskranken Kinder dürfen jeweils ein Geschwisterkind, einen Freund oder eine Freundin mitbringen«, erklärt Pia Winter, Geschäftsführerin der Elterninitiative. »Das ist oft der letzte Anstoß, wenn die Entscheidung zum Mitfahren ansteht. Außerdem hilft es den Begleitern auch, die Situation der Betroffenen besser zu verstehen.«

Die Kanutour der Elterninitiative ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Angebote der Elterninitiative geworden. Der Verein unterstützt an Krebs erkrankte Kinder und Jugendlichen sowie deren Familien während und nach der Erkrankung. Ein professionelles Team aus Psychotherapeuten, Musik- und Kunsttherapeuten betreut die Familien auf der kinderonkologischen Station des Klinikum Oldenburg sowie in der ambulanten Phase zuhause. Spezielle Angebote für Geschwisterkinder sowie Veranstaltungen für Eltern versuchen von Beginn an, Hilfe dort zu leisten, wo sie gebraucht wird.

Das Team der Elterninitiative ist nun schon mit den Gedanken bei der nächsten Kanutour – vielleicht geht diese dann ins Ausland.
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