ganz-oldenburg.de –
DAS Stadtmagazin im Internet
 
ganz-oldenburg.de – DAS Stadtmagazin im Internet
»Berichte
»Kurzmeldungen

Brückenbauerinnen in Fällen von Häuslicher Gewalt

04.07.2014, 07:40 Uhr

Wie Kitas, Schulen und frei Jugendarbeit helfen können

von Carsten Lienemann

Zum zweiten Mal hatte der Arbeitskreis »Häusliche Gewalt« des Präventionsrates Oldenburg (PRO) am 2. Juli 2014 zu einer Informationsveranstaltung zum Thema »Mädchen und Jungen als Zeugen häuslicher Gewalt« geladen. Referentin war diesmal Angela Könnecke vom Kinderschutzzentrum Oldenburg, die zu Mitarbeiterinnen der Kindertagesstätten, Horte, Schulen und der freien Jugendarbeit sprach.

»Erst seit den 1990-er Jahren hat sich die Forschung damit beschäftigt, was es eigentlich mit Kindern macht, wenn sie Zeugen Häuslicher Gewalt werden«, sagt Angela Könnecke. Es ergab sich, dass Kinder zum einen fast alles mitbekommen, viel mehr, als die Eltern glauben, und zum anderen, dass die Zeugenschaft ebenso große seelische Schäden verursacht wie am eigenen Leib erlebte Gewalt. »Verleugnung und Geheimhaltung verschärfen die Situation.« Folgen wie Depressionen, Aggressivität, Ängste, geringes Selbstvertrauen, Bindungsstörungen etc. sind dabei sicher nicht überraschend. Weniger bekannt ist, wie Kinder die Eltern in ihren Rollen als Erzieher und Vorbilder wahrnehmen. »Die ›Opferposition‹ wird als Schwäche, die ›Gewaltposition‹ als Angst reduzierende Stärke erlebt«, so Könnecke. »Die Kinder verlieren den Respekt vor allem vor dem Gewaltopfer, in aller Regel die Mutter, weil sie ihnen keine Sicherheit mehr vermitteln kann.«

Könnecke appellierte an die Zuhörerinnen, genauer hinzuschauen, nachzufragen und auch das Gespräch mit den Eltern zu suchen, wenn sie bei Kindern entsprechende Symptome wahrnehmen. »Kinder brauchen Schutz und Sicherheit, Entlastung von Schuldgefühlen, gegebenenfalls auch Unterstützung von außen. Sie brauchen ein Netzwerk, das die Gewalt benennen kann, ohne das Kindeswohl zu gefährden und in dem die Zeugenschaft als genau so folgenschwer anerkannt ist wie die selbst erfahrene Gewalt.« Ganz wichtig sei aber auch die Erlaubnis und die Wertschätzung ambivalenter Gefühle. »Holen Sie sich Hilfe und Beratung bei einer der Organisationen aus dem breit aufgestellten Netzwerk in Oldenburg, bauen Sie Brücken.«

Im Anschluss stellten Vertreterinnen aus dem Hilfenetzwerk ihre Einrichtungen vor, darunter das Autonome Frauenhaus, die Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt (BISS), der Allgemeine Sozialdienst (ASD) und die gerade neu geschaffene Beratungsstelle für gewaltbetroffene Migrantinnen und weibliche Flüchtlinge »Olena«.

Angela Könnecke hatte mit ihrem Referat keine Fragen offen gelassen, und so drehte sich die Diskussion vorwiegend um die Arbeit des Jugendamtes bei Fällen von Häuslicher Gewalt. Cornelia Helmers vom ASD wünschte sich weniger anonyme Meldungen von Verdachtsfällen, da die Namen der Melder ohnehin nicht öffentlich genannt würden, während aus dem Publikum Verständnis dafür geäußert wurde, dass die Melder Angst hätten, selbst Opfer von Gewalt zu werden. Umgekehrt bemängelten mehrere Zuhörerinnen, dass es wenige bis gar keine Rückmeldungen über Schritte des Jugendamtes gebe und oft genug scheinbar nichts passiere. Helmers und ihre Kollegin Sonja Wittkowski entgegneten, dass das Jugendamt immer das Kindeswohl im Auge haben, sehr behutsam die Eltern zur Mitarbeit bewegen müsse und darüber hinaus zur Geheimhaltung verpflichtet sei. Dass ein Fall gezielt verschleppt werde, wiesen beide weit von sich: »Wir müssen bei schweren Fällen innerhalb von einer Woche reagieren«, so Helmers.

Angela Könneckes Präsentation ist als pdf-Datei auf den Internet-Seiten des PRO zu bekommen.

Der Arbeitskreis »Häusliche Gewalt« plant weitere Veranstaltungen dieser Art, die sich nach und nach an alle Berufsgruppen wenden sollen, die mit Kindern zu tun haben.
nach oben