ganz-oldenburg.de –
DAS Stadtmagazin im Internet
 
ganz-oldenburg.de – DAS Stadtmagazin im Internet
»Berichte
»Kurzmeldungen

Gemeinsam für mehr Miteinander

25.11.2015, 21:46 Uhr
von Carsten Lienemann

Etwa 500 Menschen waren am Montag, 23. November, dem Aufruf der Oldenburger Religionsgemeinschaften zu einer Demonstration unter dem Motto »Religionen gemeinsam gegen Gewalt« gefolgt. Als unmittelbaren Anlass nannte Ahmed Hazzaa vom Islamischen Kulturverein Maryam-Moschee: »Wir wollen uns damit vom Missbrauch von Religionen zur Rechtfertigung von Terror und Gewalt distanzieren, aber wir wollen auch dazu ermutigen, sich für die Freiheitsrechte einzusetzen, die die Grundlage für das friedliche Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft bilden: Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit.«

Der Demonstrationszug begann um 17:00 Uhr an der Maryam-Moschee (Alexanderstraße 74) und verlief über den Pferdemarkt, die Peterstraße, vorbei an der Garnisonkirche und Forumskirche St. Peter vorbei zur Synagoge und Friedenskirche, dann über den Theaterwall und den Casinoplatz zur Lambertikirche.

»Wir erleben, wie Menschen den Namen der Religion missbrauchen, Grausamkeiten begehen, andere Menschen – Muslime wie Nichtmuslime – quälen, sie aus ihren Häusern vertreiben und ermorden«, sagte Hazzaa in seiner Anprache vor Beginn der Demonstration. Die Aktionen des IS seien anti-islamisch, so Hazzaa. »Den Koran muss man mit dem Herzen lesen, nicht wie IS mit einer Pistole in der Hand«

Hazzaa bat aber auch darum, den Blick nicht nur auf Paris zu richten. »Wir erleben, wie Menschen hier in Deutschland einander beschimpfen und angreifen – obwohl wir gemeinsame Werte vertreten. Schauen Sie bitte die Situationen in Myanmar in Burma und in Zentralafrika an. Dort werden Muslime wegen ihrem Glauben verfolgt und ermordet.«

»Deshalb wünschen wir uns, dass alle Menschen in Deutschland an unserer Seite stehen und gemeinsam mit uns sich gegen Hass und Unrecht erheben, und damit ein Signal in Deutschland und in der ganzen Welt zu setzen, dass wir alle zueinander halten und uns füreinander einsetzen, gleich woran wir glauben, welche Weltanschauung wir haben, wie wir aussehen oder welche Sprache wir sprechen.«

Religionswissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Heumann sprach zum Abschluss dieses gemeinsamen Ganges der Oldenburger Religionsgemeinschaften, die sich »vor den Opfern brutalster und menschenverachtender Gewalt verneigen und sich solidarisch verbunden fühlen mit den vielen leidtragenden Angehörigen der Opfer«. Die im Arbeitskreis Religionen des Oldenburger Präventionsrates versammelten Gemeinden, »von den Bahai über die jüdische Gemeinde, die christlichen Kirchen, christliche Gemeinschaften bis hin zu muslimischen und yezidischen Gemeinden eint die strikte Ablehnung von Gewalt, nicht nur innerhalb der Religionen, sondern auch zwischen den Religionen«, sagte Heumann. Keine Religionsgemeinschaft habe das Recht, eine andere zu verfolgen oder deren Angehörige zu diskriminieren.

Heumann ging auch auf das zwiegespaltene Verhältnis der Religionen zu Gewalt ein. Zwar bekenne sich jede Religion grundsätzlich zu Gewaltlosigkeit, trügen aber alle »das Gute wie das Böse in sich«. Die Religionsgeschichte sei voll von Beispielen für beide Varianten, »und es sind beileibe nicht nur das Christentum und der Islam mit ihren langen Erfolgs- aber eben auch Sündenregistern, die hier zu nennen wären.« Im demokratischen Rechts- und Verfassungsstaat könnten Religionen aber ihr Verhältnis zur Gewalt klären, indem sie sich zu den Verfassungswerten bekennten, so Heumann.
Der Arbeitskreis Religionen hat sich auf die »Suche nach dem Gemeinsamen der Menschheitsfamilie« begeben. Gerade diese Suche sei vielleicht der beste Schutz vor Gewaltausbrüchen. »Auf der kleinen Oldenburger Lokalebene wollen wir weiter an diesem Gemeinsamen arbeiten«, schloss Heumann.


Wer die im Arbeitskreis Religionen vertretenen Gemeinden besser kennen lernen möchte, kann das über den »Interreligiösen Kalender 2016« tun. In dieser bereits zweiten Ausgabe stellt jede Gemeinde jeweils einen besonderen Feiertag ihrer Religion vor. Zu bekommen ist der Kalender gegen eine Schutzgebühr von 4, 00 Euro an folgenden Stellen:

Präventionsrat Oldenburg, Geschäftsstelle
Schlossplatz 26
26122 Oldenburg
Tel.: 0441–235 3611
Mo–Fr 9–14 Uhr


Jüdische Gemeinde zu Oldenburg
Leo-Trepp-Straße 15–17
26121 Oldenburg
Tel.: 0441–13127
Mo–Do 10–13 Uhr

Buchhandlung Bültmann & Gerriets, Lange Straße 57

Libretto Bücher und Noten, Theaterwall 34


Foto: Tobias Frick
nach oben