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Zivilcourage umfasst mehr als Gewaltverhinderung

14.11.2015, 23:04 Uhr
von Carsten Lienemann

Zivilcourage bzw. sozialer Mut war das Thema des gut besuchten 10. Oldenburger Präventionstages, der damit im Jubiläumsjahr des Präventionsrates einem Kernthema der Präventionsarbeit gewidmet war.

»Die Menschen mischen sich nicht gerne ein, kümmern sich lieber um sich selbst und überlassen es der Polizei, sich um Auseinandersetzungen zu kümmern. Andererseits kann sich jeder leicht eine Situation vorstellen, in der man selbst Hilfe gebrauchen könnte«, so umriss der Vorsitzende des Präventionsrates, Eckhard Wache, in seiner Begrüßung die Ausgangslage. Irrationale Ängste infolge von Vorurteilen seien weitere Beispiele für Fälle, in denen Zivilcourage gefragt sei, so Wache weiter.

Auch die Erste Bürgermeisterin Germaid Eilers-Dörfler, die das Grußwort der Stadt überbrachte, nannte unter anderem Diffamierung von Flüchtlingen sowie Mobbing in der Schule und am Arbeitsplatz als Aufgabenfeld für Zivilcourage. Sie forderte die Anwesenden auf, durch ihr Handeln zu einem besseren Miteinander im Alltag zu finden.

In drei Workshops .mit den Schwerpunkten Jugend, Senioren und sozialer Nahraum wurden Situationen behandelt, in denen sozialer Mut gefragt ist. Über Fallschilderungen und Rollenspiele entwickelten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedene Vorgehensweisen und Handlungsstrategien für konkrete Situationen, die ihnen begegnen können.

Im abschließenden Vortrag referierte der Politikwissenschaftler Prof. em. Dr. Gerd Meyer von der Universität Tübingen über sozialen Mut im Alltag. Politiker und Pädagogen, Polizei und Medien fordern mehr Zivilcourage, vor allem dort, wo Menschen angegriffen oder diskriminiert, wo Regeln und Werte verletzt werden. »Im gewaltfreien Alltag ist Zivilcourage oder sozialer Mut jedoch auch dann gefragt, wenn Menschen Unrecht geschieht oder die Meinung einer Minderheit nicht respektiert wird, wenn Chefs Kritik und Widerspruch nicht ertragen oder sogar bestrafen, wenn in Betrieben und Verwaltungen Konflikte und Missstände unterdrückt werden«, so Meyer, der im weiteren Verlauf des anschaulichen Vortrags Motivation und Hindernisse für zivilcouragiertes Handeln sowie Anwendungsbeispiele nannte.

Am Ende waren sowohl die Teilnehmerinnen und Teilnehmern wie auch die Veranstalter zufrieden mit dem Verlauf. Thomas Weber, Leiter des Arbeitskreises Zivilcourage, bezeichnete insbesondere den Vortrag von Prof. Dr. Gerd Meyer als »Volltreffer«. Der gesamte Fachtag machte deutlich, dass der Themenbereich »Sozialer Mut« sich nicht auf das Einschreiten bei Gewalt in der Öffentlichkeit oder die Rettung von verunglückten Autofahrern aus eiskalten Flüssen beschränkt. Dieses weiter gefasste Verständnis in die Öffentlichkeit zu bringen, wird zu den zukünftigen Aufgaben des Arbeitskreises Zivilcourage gehören.
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