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»In einer Gesellschaft hilft man sich«

15.10.2015, 20:26 Uhr

Lesung und Diskussionsrunde zum Thema Zivilcourage

von Carsten Lienemann

Mit einer Lesung aus dem Roman »Glückskind« von Steven Uhly und einer anschließenden Diskussionsrunde hat der Arbeitskreis Zivilcourage des Präventionsrates Oldenburg am Dienstag, 13. Oktober, im Forum St. Peter verschiedene Aspekte von Zivilcourage und sozialem Mut zur Sprache gebracht. Gleichzeitig wurde auch für den 10. Oldenburger Präventionstag geworben, der am 12. November 2015 von 16:00 bis 20:30 Uhr im Alten Landtag stattfindet und ebenfalls Zivilcourage zum Thema hat.

Besser hätte man es nicht auf den Punkt bringen können. Die Frage der Moderatorin Kornelia Ehrhard, warum Menschen Mut und Zivilcourage zeigen sollen, beantwortete Hannah Holtz, Schülerin an der IGS Kreyenbrück, so: »Wir leben in einer Gesellschaft, und in einer Gesellschaft hilft man sich und unterstützt einander«. Ihre Schule hatte am selben Tag die Auszeichnung »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage« verliehen bekommen. (S. auch: IGS Kreyenbrück ist »Schule ohne Rassismus«) »Das ist für alle eine Verpflichtung«, findet Hannah. Und die beschränkt sich nicht auf die Schule. »Wir sollen auch in die Gesellschaft rausgehen und Rassismus und Diskiminierung auch dort kritisieren«, sagt Achin Khalaf-Hassan. Die beiden Schülerinnen waren Teil der Diskussionsrunde über Zivilcourage und sozialen Mut, zusammen mit Tanju Cohru, Elfi Hoppe und Eckhard Wache.

Kammerschauspielerin Elfi Hoppe und der Vorsitzende des Präventionsrates Eckhard Wache hatten zuvor mit einer rund 75-minütigen Lesung, die schon fast Hörspielcharakter hatte, das Publikum bestens unterhalten. In dem Roman »Glückskind« von Steven Uhly geht es um einen verwahrlosten Mann, der ein ausgesetztes Baby in einer Mülltonne findet und sich seiner annimmt. Er rettet nicht nur das Kind, sondern das Kind rettet auch ihn, außerdem findet er sehr schnell Hilfe und letztlich sogar Freundschaft bei Nachbarn, mit denen er bisher kaum Kontakt hatte.

»Ich war sofort bereit, den Präventionsrat an dieser Stelle zu unterstützen«, sagt Elfi Hoppe. »Ich habe persönlich im Beruf einen solchen Fall erlebt, in dem Zivilcourage gefragt war.« Das Buch habe Vorbildcharakter, weil »die Protagonisten Mitgefühl entwickeln und ihr Herz zeigen. Menschlichkeit gehört dazu, sie ist letztlich ein Zeichen der Demokratie.«

Der Fall des Taxifahrers Tanju Cohru, der bei einer handgreiflichen Auseinandersetzung vor der Flüchtlingsunterkunft am Schützenweg einschritt, ist noch in guter Erinnerung. »Wichtig ist, dass man überhaupt etwas macht. Jeder kann in eine Situation kommen, in der er auf die Hilfe anderer angewiesen ist, also sollte auch jeder bereit sein, anderen zu helfen«, ist Cohrus Selbstverständnis.

»Wir müssen einerseits die Konfliktfähigkeit der Menschen verbessern, die derzeit lieber die Polizei rufen, als mit ihren Nachbarn direkt zu sprechen. Darüber hinaus müssen wir für eine erhöhte Bereitschaft sorgen, etwas für andere zu tun«, sagt Eckhard Wache. »Menschen gucken zunehmend weg, auch, weil man ja heutzutage keine Fehler mehr machen darf. Man braucht Mut, aber keinen Heldenmut, sondern ein gutes Selbstwertgefühl, damit man im entscheidenden Moment aufstehen kann.«

Konfliktfähigkeit und Selbstbewusstsein werden unter anderem in der Schule vermittelt, über Mediatoren und Streitschlichter, aber nicht nur da. »Wir nehmen uns gegenseitig ernst, und wir werden von den Lehrerinnen und Lehrern ernst genommen«, sagt Hannah Holtz dazu. »Sie fordern uns auch zu Kritik auf und vermitteln uns damit, dass wir wichtig sind.« Klassenräte und Mitgestaltung der Verhaltensregeln haben von Anfang an die sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler erweitert. »In Rollenspielen, aber auch in konkreten Unterrichtssituationen gibt es Momente, wo uns klar wird: Da müssen wir jetzt Courage zeigen«, fügt Achin Khalaf-Hassan hinzu.

»Es ist wichtig zu wissen, welche Werte uns wichtig sind«, schloss Moderatorin Kornelia Ehrhardt aus den Äußerungen. »Wenn man aber mal widerspricht oder einschreitet, hat man nicht 99 Menschen gegen sich, sondern doch meist mehrere Unterstützer. Und wenn ich nicht alleine bin, dann geht es leichter.«

Auf dem 10. Oldenburger Präventionstag, der am 12. November im Alten Landtag, Tappenbeckstr. 1, stattfindet und der für alle Interessierten offen ist, kann und wird diese Diskussion in den Veranstaltungspausen sicher weitergeführt werden. Auf dem Programm stehen an diesem Tag vier Workshops:
  • Zivilcourage und Jugend
  • Zivilcourage und Senioren
  • Zivilcourage bei Diskriminierung
  • Zivilcourage und Gewalt im sozialen Nahraum
Nach den Workshops folgt ein Vortrag von Prof. Dr. Gerd Meyer zu »Zivilcourage – was heißt sozialer Mut im Alltag?« Der Vortrag kann auch unabhängig von den vorhergehenden Programmpunkten besucht werden.

Der Flyer zur Veranstaltung liegt an vielen Stellen in der Stadt aus und ist auch als PDF-Datei zusammen mit weiteren Informationen auf der Webseite des Präventionsrates zu finden.
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