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Freies Sprayen ist ein Erfolgsmodell

21.09.2015, 06:05 Uhr

Bilanz nach fünf Jahren: Weniger illegale Graffiti dank legaler Flächen

von Carsten Lienemann

Mit der Auftaktveranstaltung »Oldenburg wird zu Oldenbunt« wurden vor fünf Jahren an der Sporthalle des TuS Bloherfelde legale Graffitiflächen offiziell freigegeben. Anlass genug für ein neues Graffiti-Festival: Am 19. und 20. September jeweils von 14 bis 18 Uhr Zeit waren 15 Sprayer am Brandsweg 56 aktiv. Außerdem wurde zogen der Sportverein, die Graffiti-Werkstatt und der Präventionsrat Oldenburg (PRO) eine Zwischenbilanz: Was hat sich in durch die legalen Flächen verändert?

»Als wir damals erste Kontakte aufbauten, war die Empörung zunächst groß, ›jetzt sollen die Schmierereien auch noch legalisiert werden‹, war aus dem Stadtteil zu hören. Bei der Auftaktveranstaltung sah das schon ganz anders aus«, berichtet Klaus Vogt vom Bürgerverein Bloherfelde. Der Freigabe durch den TuS Bloherfelde sei es zu verdanken, dass die Wahrnehmung von Graffiti sich unter den Anwohnern stark verändert habe, so Vogt.

Das einem Ehrencodex folgende ständige Übermalen bestehender Graffiti gehört zum Selbstverständnis der Szene. »Drei- bis fünf Mal im Jahr sieht die Halle komplett anders aus«,sagt Uwe Gröber, der die ständige Veränderung fotografisch dokumentiert. Die künstlerische Qualität habe sich im Laufe der fünf Jahre auch in der Breite stark verbessert, und das sähen auch die Anwohner und Passanten so, berichtet Gröber. »Außerdem gibt es auch weniger illegale Schmierereien«.

Diese Beobachtung bestätigt nicht nur Klaus Vogt, sondern auch Rolf Cramer von der Polizeiinspektion Oldenburg/Ammerland: »Es waren mal deutlich mehr als 1000 Anzeigen im Jahr, es sind inzwischen deutlich unter 1000 Anzeigen. Dafür gibt es sicher mehrere Gründe, aber die Schaffung legaler Flächen ist einer davon.«

Eine Steilvorlage für Renke Harms, Leiter der Graffiti-Werkstatt und Vorsitzender des Vereins Probierwerk e. V. »Wir brauchen weitere legale Flächen, um der inzwischen etablierten Kunstrichtung Graffiti auch in Oldenburg mehr Raum zu geben. Autobahn- und Eisenbahnbrücken würden sich anbieten«, appellierte Harms an die Stadtratsvertreterinnen Margrit Conty (SPD) und Andrea Hufeland (Grüne).

Diese nahmen die Aufforderung gerne an. Der Auftrag an die Politik sei klar, Kunst brauche Flächen, so Andrea Hufeland. »Es ist nicht nur ein Thema für Jugend und Prävention, sondern gehört auch in den Kulturausschuss.«

Auch Margrit Conty sieht die Notwendigkeit weiterer Flächen, »Brücken könnten dadurch einen höheren Erlebniswert für alle bieten, die durchgehen.« Allerdings seien Autobahnbrücken Bundeseigentum und von daher nicht ohne weiteres verfügbar.

Dass es aber geht, zeigt nicht nur das Beispiel Wechloy, sondern auch besprühte Brücken in anderen Städten wie Essen und anderen Großstädten. Renke Harms sagte zu, ein Konzept inklusive einer aktualisierten möglicher Flächenstandorte zu erarbeiten »In der Übermorgenstadt sollte Streetart zum Stadtbild gehören.«

Vor einem ganz anderen Problem stehen Harms und die Graffiti-Werkstatt seit dem 15. September. Die Halle auf dem Gelände der ehemaligen Donnerschwee-Kaserne, in der die Werkstatt bis jetzt untergebracht war, steht nicht mehr zur Verfügung. Eine neue Halle wird dringend gesucht.
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