ganz-oldenburg.de –
DAS Stadtmagazin im Internet
 
ganz-oldenburg.de – DAS Stadtmagazin im Internet
»Berichte
»Kurzmeldungen
»Weitere Meldungen für 'Osternburg'

Einundneunzig Meter Graffiti

12.09.2015, 13:14 Uhr
von Carsten Lienemann

»Das ist die längste Graffitiwand im gesamten Nordwesten«, ist sich Renke Harms sicher, und als Leiter des Präventions-Projektes »Graffiti-Werkstatt« und Vorsitzender des Vereins Probierwerk e. V. kennt er sich aus. Aber das ist nicht der einzige Rekord. 15 Graffiti-Künstler haben in nur anderthalb Tagen auf einer Länge von 91 Metern ein gemeinsames Kunstwerk geschaffen und dabei rund 250 Spraydosen geleert.

Und das beste daran: Es ist alles legal. Denn die Wand wurde vom VW Nutzfahrzeuge-Zentrum an der Rudolf-Diesel-Straße zur Verfügung gestellt. Von ihrer Bedeutung her liegt sie damit zwischen einer Auftragsarbeit und einer frei zugänglichen legalen Fläche, denn das Fahrzeuggelände ist natürlich eingezäunt. Die Sprayer konnten also nur arbeiten, wenn ihnen jemand das Tor aufschloss.

Möglich wurde das durch den Einsatz und die Flexibilität von VW-Mitarbeiter Manfred Staffhorst, der bereit war, auch außerhalb seiner normalen Arbeitszeit als Ansprechpartner bereit zu stehen. Er sorgte zudem dafür, dass die Fahrzeuge auf dem Hof umgeparkt wurden, um sie nicht mit einer ungewollten Effektlackierung zu versehen, und beteiligte sich an den Diskussionen während des Schaffensprozesses.

»Die Ausgestaltung ist immer ein Prozess, bei dem viel kommuniziert und verändert wird«, erklärt Projektmanager Niklas Schwede vom Probierwerk. »Wir hatten uns das Grundthema ›Weltraum‹ vorgegeben, damit standen schon einmal die Hauptfarben fest. Zwischendurch gab es da mal sehr viel schwarz«.

»Ich habe dann eingeworfen, dass es jetzt aber sehr dunkel aussieht«, erwidert Staffhorst. »Hat was gebracht.«

»Es ist ein großartiges Beispiel mit Vorbildcharakter, das durchaus viele Nachahmer finden darf«, hofft Melanie Blinzler, Geschäftsführerin des Präventionsrates Oldenburg (PRO).

Das Projekt ist auch noch nicht zu Ende. Einerseits ist die Mauer noch länger, und auch die restlichen Meter sollen noch besprüht werden. Aber auch die schon bestehenden Graffiti bleiben nicht dauerhaft erhalten. »Graffiti ist keine Kunst für die Ewigkeit, Übermalen gehört zum Selbstverständnis. Ausnahmen gibt es da nur für die Werke bereits verstorbener Künstler, und es besteht ein Verhältnis gegenseitigen Respekts«, so Renke Harms. »Deswegen werden fertige Graffiti auch sofort fotografiert, auf diese Weise bleiben sie in Erinnerung«, ergänzt Niklas Schwede.

Wahrscheinlich im kommenden Frühjahr soll wieder gesprüht werden. Manfred Staffhorsts Flexibilität ist also weiterhin gefragt.


Das Probierwerk sucht übrigens dringend eine neue Unterkunft. Bis zum 15. September müssen die Streetart-Künstler die Halle auf dem Gelände der ehemaligen Donnerschwee-Kaserne räumen. Wer um eine Möglichkeit weiß, kann sich an den PRO wenden, telefonisch unter 235-3611 oder per Mail an praeventionsrat@stadt-oldenburg.de.
nach oben