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»Das Ziel ist, Kinder stark zu machen!«

11.02.2015, 19:25 Uhr

Informationsabend zum Safer Internet Day

von Carsten Lienemann

»Wenn Ihr Kind Sie um Hilfe bittet, weil es sich zu einer folgenschweren Handlung über Handy oder Internet hat hinreißen lassen - und sei der Verlauf noch so vorhersehbar - bitte loben Sie Ihr Kind dafür, dass es seine Scham überwunden und sich Ihnen anvertraut hat. Sonst zerstören Sie die Basis, auf der Sie weiter handeln können.« Dieser Satz von Kerstin Koletschka war der wohl wichtigste Hinweis, den die rund 150 Anwesenden an diesem Abend zu hören bekamen.

Anlässlich des Safer Internet Day hatten der Präventionsrat Oldenburg und die Beratungsstelle Wildwasser e. V. am Dienstag, 10. Februar, in das Herbartgymnasium zu einem Vortrag eingeladen. Zusammen mit Maike Bartlmae, Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht, referierte Kerstin Koletschka von Wildwasser e. V. über die Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche vor Cybermobbing und sexualisierter Gewalt im Internet zu schützen.

Manche Erwachsene suchen Internet-Chatrooms auf, um über »Cyber-Grooming« gezielt Kontakte zu Kindern und Jugendlichen aufzubauen. Koletschka zeigte am Protokoll eines Chats, bei dem sie sich als 13-jähriges Mädchen ausgegeben hatte, wie Täter dabei vorgehen. »Sie geben vor, selbst noch jugendlich, aber natürlich schon sexuell aktiv zu sein.« Einige kämen nach wenigen Sätzen auf den Punkt, andere seien über Wochen und Monate sehr nett und zurückhaltend, bevor sie die Kinder und Jugendlichen zu sexuellen Handlungen aufforderten, wobei sie oft mit Geheimnisverrat drohten.

Straf- und zivilrechtlich sei das ein schwieriges Feld, weil die Täter meist anonym agierten und schwer zu enttarnen seien, sagt Maike Bartlmae. Wenn Eltern, Lehrerinnen und Lehrer oder andere Vertrauenspersonen einen solchen Fall entdeckten, sei die Beweissicherung der erste Schritt: Chatprotokolle speichern oder ausdrucken, Screenshots erstellen und den Ermittlern übergeben, viel mehr bleibe nicht. »Um so wichtiger ist die Prävention.«

Eine besondere Form des »Sexting« birgt weitere Gefahren. Beispiel: Ein Mädchen verschickt ein Nacktfoto an seinen Freund, ganz im Vertrauen natürlich. Es gibt mehr als einen Weg, wie das Bild trotzdem in Umlauf kommen kann. Nicht nur, dass sich dann mindestens ein Beteiligter wahrscheinlich strafbar gemacht hat, das Mädchen auf dem Foto ist ebenso wahrscheinlich Opfer von Häme und Mobbing. Schon allein deswegen empfiehlt Koletschka, »sparsam mit eigenen Daten und Bildern« umzugehen. »Juristisch ist es hier etwas einfacher, weil die Täter meist bekannt sind«, so Bartlmae. Präventiv sollte natürlich vor Weitergabe von Fotos und Daten gewarnt werden, aber Kinder und Jugendliche sollten darüber hinaus aufgefordert werden, sich in die Rolle des Opfers hineinzuversetzen, um wenigstens das Mobbing zu reduzieren.

Bei der noch recht jungen Internet-Plattform »YouNow« gehen Videos live ins Netz, ungebremst und ungesteuert. Zeit zum Überlegen bleibt da nicht. »Zwar ist der Zugang offiziell erst ab 13 Jahren möglich, aber es ist kein Problem, sein Alter zu fälschen«, erklärt Koletschka. Außerdem lasse sich so nicht verhindern, dass Jugendliche unter 13 Jahren mit gefilmt würden, ebenso wie andere Personen, die möglicherweise nicht einmal etwas davon mitbekämen.

Aber: »Ausblenden ist keine Lösung, man muss sich damit beschäftigen, wenn man für Kinder und Jugendliche verantwortlich ist«, sagt Bartlmae. »Wir möchten nicht, dass Sie hier rausgehen und Ihren Kindern den Umgang mit Smartphone und Internet komplett verbieten«, ergänzt Koletschka. Es gehe vielmehr darum, den bewussten Umgang mit eigenen und fremden Daten zu vermitteln und Wege aufzuzeigen, die offen stehen, wenn doch einmal etwas schief gegangen ist.

Informations- und Beratungsmöglichkeiten gibt es viele. Im Internet bieten z. B. »klicksafe.de« und »handysektor.de« umfangreiche Informationen an. Und wenn es um telefonische oder persönliche Hilfe geht: »Wenn wir nicht direkt weiterhelfen können - wir sind gut vernetzt und vermitteln gegebenenfalls gerne weiter«, so Koletschka.
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