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»Religiöse Vielfalt ist kein Hindernis«

11.11.2014, 21:29 Uhr

Arbeitskreis Religionen des Präventionsrates stellt sich und seinen Kalender vor

von Carsten Lienemann

»Was tun die Religionen für die Stadt?« Um Antworten auf diese Frage zu finden, wurde 2011 unter dem Dach des Präventionsrates Oldenburg (PRO) der Arbeitskreis Religionen gegründet. »Sinn und Zweck ist dementsprechend, die sozialen und karitativen Leistungen der religiösen Gemeinden für die Menschen in der Stadt Oldenburg herauszustellen, gegebenenfalls auch zu bündeln und gemeinsame Projekte auf den Weg zu bringen. Durch direkte Kontakte können auch Konflikte angesprochen und schneller entschärft werden. Theologische Debatten führen wir nicht«, erklärt Prof. Dr. Jürgen Heumann, Religionswissenschaftler an der Universität Oldenburg.

Ein interreligiöser Arbeitskreis mit dieser Zielsetzung ist »ganz sicher in Niedersachsen, möglicherweise sogar bundesweit einmalig«, sagt PRO-Geschäftsführerin Melanie Blinzler, und auch Ayça Polat, Integrationsbeauftragte der Stadt Oldenburg, kennt keine weitere Einrichtung dieser Art. Entstanden ist der Arbeitskreis aus dem Interreligiösen Dialog im Vorfeld des Deutschen Präventionstages 2011. »Unsere erfolgreiche Arbeit belegt, dass religiöse Vielfalt kein Hindernis für das Zusammenleben ist, wenn die Toleranz wirklich gelebt wird«, so Blinzler.

Einen Schwerpunkt der Arbeit sehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Arbeit für und mit Flüchtlingen und Migranten. Erstes Resultat war im September 2012 eine Stellungnahme des AK.

Am 11. November präsentierte der Arbeitskreis den gerade erschienenen Kalender »Religionen in Oldenburg«. Darin stellen sich neben dem AK selbst die einzelnen in Oldenburg ansässigen Glaubensgemeinschaften vor. »Sie bestehen aus Menschen mit unterschiedlichem kulturellen und religiösen Hintergrund, die erfolgreich für ein besseres Miteinander arbeiten«, so Albrecht Simon, der den Kalender gestaltet hat. »Das Kalendarium enthält natürlich alle Feiertage der vorgestellten Religionen.«

Der Kalender wird an Schulen, Kindertagesstätten und weiteren öffentlichen Einrichtungen verteilt und in den Gemeinden ausgelegt, kann aber ab sofort in der Buchhandlung Isensee auch für den privaten Haushalt erworben werden. Er kostet fünf Euro, und mit dem Reinerlös aus dem Verkauf soll ein gemeinsames Projekt mit Jugendlichen aus den Religionsgemeinden gefördert werden.


Selbstverständlich gehen Konflikte zwischen den Religionen auch an den Oldenburger Gemeinden und damit auch am Oldenburger AK Religionen nicht vorbei, wie etwa die aktuellen Verbrechen der Organisation »Islamischer Staat«. Die Massaker an den Yeziden im Irak und in Syrien haben zu Kritik am Islam insgesamt und heftigen Vorwürfen vor allem von Seiten der Yeziden geführt.

Ahmed Hazzaa, der im AK den Islamischen Kulturverein »Maryam Moschee« vertritt, hat gleich zu Beginn des Konflikts den Kontakt zum Yezidischen Forum gesucht. »Ich habe erklärt, dass wir uns vom IS distanzieren, dass wir ihn in keiner Weise unterstützen. Ich rate unseren Jugendlichen, Aufforderungen zur Stellungnahme, die sie zum Beispiel über Facebook erreichen, einfach zu ignorieren. Weiterhin versuchen wir, alles einzudämmen, was Öl ins Feuer gießen könnte, und bitten andere, das auch in ihren Gemeinden zu tun.« Tuna Altıparmak, der Vorsitzende der DITIB türkisch-islamischen Gemeinde, war beruflich verhindert und konnte sich an diesem Tag nicht selbst dazu äußern, »aber ich bin sicher, er würde diese Worte ebenfalls unterschreiben«, sagte stellvertretend Rabbi Jona Simon.

Die Glaubensgemeinsschaften unterstützen aus dem gleichen Grund die Hilfssammlungen des Yezidischen Forums, und zwar, indem sie ihre Jugendlichen dazu auffordern, gemeinsam die Spenden anzunehmen und die Hilfspakete zu packen. Dabei lernen sie ganz nebenbei auch andere Kulturkreise und Bräuche kennen.


Weitere Informationen:
Zielstrebige Zusammenarbeit trotz vieler Unterschiede
Interreligiöser Dialog
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