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Aufruf zu öffentlichem Nachdenken

06.06.2017, 18:08 Uhr
von Carsten Lienemann

In der Reihe »Öffentliches Nachdenken« lädt der Förderverein Internationales Fluchtmuseum e.V. zu zwei Veranstaltungen mit Beiträgen zur Kampagne »Boycott, Divestment and Sanctions« (BDS) und zur aktuellen Diskussion zum Thema Palästina und Israel ein. Er kommt damit einem starken Informationsbedürfnis seitens einiger Oldenburger Vereine und Initiativen, deren Mitgliedern und vieler nicht organisierter Oldenburger Einwohner_innen nach, das bisher nicht oder nur unter klandestinen Bedingungen befriedigt werden konnte.

Am Montag, dem 12. Juni 2017 um 19:00 Uhr referieren der Palästinenser Majed Absualama und der Israeli Ronnie Barkan gemeinsam über »Palästinas Leiden und wie die Ungerechtigkeit gestoppt werden kann«.
Am Mittwoch, dem 14. Juni 2017, ebenfalls um19:00 Uhr spricht Dr. Shir Hever, israelischer Wissenschaftler und Journalist, über »Israels Rüstungsindustrie«.

Die Veranstalter wünschen und erwarten eine offene und respektvolle Diskussionskultur. »Sachliche Nachfragen, Argumente und Gegenargumente nach den Referaten sind ausdrücklich erwünscht, aggressives Redeverhalten, Zwischenrufe, weitschweifige Ko-Referate und diskriminierende Äußerungen etc. dagegen nicht«, heißt es im Veranstaltungshinweis. »Wir werden von unserer Seite alles dazu beitragen, um die Veranstaltung erfolgreich und friedlich durchzuführen. Unser Hauptadressat sind diejenigen Oldenburgerinnen und Oldenburger, die sich endlich einmal über die genannten Themen aus erster Hand informieren wollen. Es ist ein Verdienst des Fluchtmuseums eben dies zu ermöglichen und das PFL ist der richtige Ort dafür«, kommentiert der Übersetzer Christoph Glanz. Die BDS Initiative ist Gast des veranstaltenden Fluchtmuseums.

Beide Vorträge sollen im Kulturzentrum PFL stattfinden. Beide werden in englischer Sprache gehalten, von Ulrich Hartig (Förderverein Internationales Fluchtmuseum) moderiert und von Christoph Glanz (BDS Initiative Oldenburg) übersetzt. Für beide Veranstaltungen wird ein Eintritt von je 3 Euro erhoben.

Ob es diesmal gelingt, eine offene und faire Diskussion zu führen, wie es unter Demokraten selbstverständlich sein sollte? Im Moment ist nicht einmal sicher, ob die Veranstaltungen überhaupt stattfinden, denn es regt sich massiver Widerstand. So appelliert der Vorsitzende der Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Oldenburg, Dr. Klaus Thörner, in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, Kulturamtsleiterin Christiane Cordes und sogar an Ansprechpartner des PFL Uwe Schlalos, die Veranstaltung am 12. Juni zu untersagen; interessanterweise nimmt Thörner keinen Bezug zum Vortrag, der für den 14. Juni geplant ist. Die CDU in der Stadt Oldenburg hat Thörners Beitrag geteilt, und auch die SPD Oldenburg sieht die Sache »mit brennender Sorge«.

»Die Verwaltung der Stadt prüft derzeit mit großer Sorgfalt, was zu tun ist«, war am Dienstag, 6. Juni, von der Kulturamtsleiterin Christiane Cordes zu erfahren.
Vor einem Jahr wurde eine ähnliche Veranstaltung abgesagt, nachdem diverse Organisationen und Einzelpersonen dagegen interveniert hatten. Das Kulturbüro der Stadt Oldenburg begründete die kurzfristige Absage damals mit der angedrohten gewaltsamen Störung der ordnungsgemäß angesetzten Veranstaltung durch Außenstehende.

Diese Absage ist Gegenstand einer laufenden Klage gegen die Stadt Oldenburg vor dem Verwaltungsgericht. »Die Stadt hat keine Beweise dafür vorgelegt, dass es Gewaltandrohungen gegen die Veranstaltung tatsächlich gab. Sollte es diese jedoch gegeben haben, so wäre es ihre Pflicht gewesen, die Veranstaltung adäquat schützen zu lassen. Wir können nicht zulassen, dass in Zukunft anonyme Täter missliebige Veranstaltungen einfach durch die Androhung von Gewalt verhindern können. Das wäre Gift für die Zivilgesellschaft«, sagt Christoph Glanz dazu.

Übrigens steht am Donnerstag, 8. Juni, 19:30 Uhr, ein Vortrag von Hellmut Königshaus, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft auf dem Programm. Sein Thema: »Der Sechstagekrieg von 1967 – Hintergründe, Ursachen und Folgen«.

Eigentlich passt das alles wunderbar in eine Vortragsreihe.
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