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Für kreative Vielfalt und Freiräume

15.05.2017, 07:54 Uhr

Über 300 Kulturschaffende bei spontaner Kundgebung

Innerhalb von drei Tagen hat das offene Bündnis “Creative Mass | freiRAUM für Kultur und Kreativität” über 300 Kulturschaffende erreicht, die am Samstag in einer bunten und positiven Kundgebung für Freiräume und kulturelle Vielfalt auf die Straße gingen. Vorausgegangen war die Gründung des Bündnisses als Gruppe im Internet, in der sich innerhalb kürzester Zeit fast 1500 Oldenburger, zumeist Kulturschaffende, engagieren und seitdem im konstruktiven Austausch dazu stehen, wie man die Oldenburger Kulturpolitik positiv unterstützen und zum Besten der Kulturschaffenden verändern könnte.

“Wir freuen uns riesig über den tollen Erfolg, so viele Kulturschaffende für ihre eigenen Belange auf die Straße gebracht zu haben”, erklären die Organisatoren, besonders positiv stimme auch die Rückendeckung sowohl etablierte Institutionen wie dem Staatstheater, der Kulturetage, des Theater Laboratorium oder dem Kreativnetzwerk cre8, wie aber auch der freien Szene und weiteren Kulturschaffenden und Initiativen. Das Bündnis betonte dabei noch einmal, gleichermaßen offen für alle Kulturschaffenden zu sein und den konstruktiven Dialog miteinander suchen zu wollen, um der Politik Werkzeuge an die Hand zu geben, langfristig die Situation aller Kulturschaffenden zu verbessern - nicht nur die einzelner Kulturbetriebe oder Initiativen.

Die Kulturschaffenden forderten auf der Kundgebung die Erhaltung und Schaffung von kulturellen Freiräumen, eine Kulturpolitik auf Augenhöhe, die sich an ihren Bedürfnissen orientiere, langfristige Nutzungs- und Planungssicherheit für Kulturschaffende und Nachwuchsförderung. Redner Amon Thein, seit dieser Wahlperiode als eines von acht ehrenamtlich beratenden Mitgliedern im Kulturausschuss, hielt es in seinem Beitrag zwar grundsätzlich für eine gute Idee, Berater aus der Kulturszene mit an den Tisch zu holen, wenn man politische Entscheidungen treffe - “allerdings sind diese Berater im Moment von der Politik gewählt. Müssten Vertreter der Kultur nicht von den Kulturschaffenden selbst gewählt werden?”

In einem weiteren Redebeitrag appellierte Pavel Möller-Lück vom Theater Laboratorium an Verwaltung und die Politik, Räume für Kultur zu erschaffen und nicht zu schließen. “Die Diskussionen über die bau_werk Halle müssen im Kulturausschuss und mit den Betroffenen geführt werden.” Die Halle sei ein wertvolles Forum für die Kulturschaffenden und nun gleichzeitig auch ein weiteres Beispiel für den möglichen Verlust von Freiräumen, unter denen auch andere Initiativen wie das Freifeld oder Probierwerk gelitten hätten. Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, der für die Halle “keine strategische Verwendung” gesehen hatte, warf er vor, keine kulturelle DNA zu haben - “und das als Kulturdezernent.” Er plädierte dennoch im Sinne des Bündnisses dafür, den konstruktiven Dialog untereinander und gleichzeitig Verbündete in der Politik zu suchen. Mit Blick auf die Demonstranten sagte er: „Ich freue mich, hier in so viele tolle Gesichter schauen zu können. Diese ganzen Menschen müssen in Oldenburg bleiben und eine Chance kriegen.”

Thein plädierte außerdem dafür, dass sich Politik und Verwaltung zu den Kulturschaffenden hin öffnen. Man solle diese selbst fragen, was sie benötigen, um gute Ergebnisse erzielen zu können. “Auf der Basis könnte es eine neue Kulturpolitik geben, in der die Bedürfnisse der Kulturschaffenden im Mittelpunkt stehen - denn die wissen am besten, was sie brauchen.”

Das Bündnis rief dazu auf, sich als Kulturschaffende von nun an konstruktiv zusammen zu finden und gemeinsame Interessen zu formulieren, erst in der Gruppe “Creative Mass | freiRAUM für Kultur und Kreativität” auf facebook und später in offenen Treffen. Denkbar sei langfristig ein moderierter Prozess, möglicherweise unterstützt von der Stadt. “Wir sind davon überzeugt, dass Kultur nicht verwaltet werden kann. Sie muss wohlwollend und prozess-offen begleitet werden. Auf Augenhöhe. Und alle Kulturschaffenden zusammen könnten diesen Prozess fordern.”
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