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Tanzen als Demo gegen Gewalt an Frauen

14.02.2018, 22:40 Uhr

»One Billion Rising« am Lefferseck

von Carsten Lienemann

»One Billion Rising« – eine Milliarde erhebt sich: Auf der ganzen Welt treffen sich immer am 14. Februar Menschen an zentralen Stellen, um zur Musik von »Break the Chain« tanzend gegen Gewalt an Frauen zu demonstrieren. Zum dritten Mal nahm Oldenburg an der Aktion teil, und erfreulicherweise waren viele Männer unter den rund 200 Tanzenden, die sich mit intensiver Bewegung gegen die Kälte wehrten.

»Wir sind heute Teil einer weltweiten Aktion, die sich gegen Gewalt an Frauen und Mädchen wendet und sich für Wertschätzung, Respekt und ein selbstbestimmtes Leben einsetzt«, sagte Renate Vossler von der Gleichstellungsstelle der Stadt Oldenburg in ihrer Begrüßung.

Die Oldenburger Organisatorinnen haben in diesem Jahr Frauen und Mädchen mit Beeinträchtigung in den Mittelpunkt gerückt, die doppelt so häufig Opfer von Gewalt werden wie Frauen und Mädchen ohne Beeinträchtigung.

»Es ist unvorstellbar, wie viele Mädchen und Frauen immer noch tagtäglich von sexualisierter und häuslicher Gewalt, Zwangsheirat, Genitalverstümmelung oder Zwangsprostitution betroffen sind. Das sind keine Bagatelldelikte. Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte«, sagte Eka Oehne vom Verein SeGOld e. V. allgemein zum Thema des Tages, bevor sie sich dem diesjährigen Fokus widmete: »Laut EU-Parlament haben 80% der Frauen und Mädchen mit Beeinträchtigung Gewalt erfahren«, so Oehne. Zu den Täter*innen zählten Verwandte ebenso wie Pflegepersonal, Mitschüler*innen und Kolleg*innen. Nach aktuellem Kenntnisstand würde die Gewalt überwiegend von Männern ausgeübt. »Die Opfer glauben oft, auf die Täter angewiesen zu sein oder die Übergriffe nicht beweisen zu können«, erklärte Oehne. Zudem würden Ärzt*innen die Verletzungen nicht als Tatfolgen erkennen. Oehne forderte die Umsetzung der Zusage aus der UN-Behindertenrechtskonvention von 2008 nach freier Wahl des Pflegepersonals und des Rechtes auf gleichgeschlechtliche Assistenz.

Aber auch bei häuslicher Gewalt finden Frauen mit Beeinträchtigung weniger leicht Hilfe als nichtbeeinträchtigte Frauen. »In ganz Deutschland gibt es lediglich 38 barrierefreie Zimmer in Frauenhäusern, nur 0,6% der betroffenen Frauen können aufgenommen werden«, beklagt Oehne. »Deshalb fordern wir mehr behindertengerechte Unterkünfte in den Frauenhäusern.«

»Ich wünsche mir eine Zeit, in der Veranstaltungen dieser Art überflüssig werden, in der Menschen sich mit Respekt und Wertschätzung begegnen. Und nun lasst uns tanzen, bis die Erde bebt, ob im Rollstuhl oder auf den Füßen, bis all die Ketten gesprengt werden, die uns noch gefangen halten«, schloss Oehne.

Lena und Annika vom Mädchentreff zeigten noch einmal die Choreografie, und dann tanzte das ganze Lefferseck mit wachsender Begeisterung zu »Break the Chain«, gleich zweimal hintereinander und nach einer kurzen Pause noch ein weiteres Mal. Die Zahl der Teilnehmer*innen war etwas geringer als im Vorjahr auf dem Schlossplatz, andererseits waren mehr zufällig Vorbeikommende dabei. Gefallen hat es ihnen offensichtlich, vielleicht erzählen sie es weiter und kommen im nächsten Jahr wieder.


»One BillionRising Oldenburg 2018« wurde organisiert von der Gleichstellungsstelle der Stadt, dem Autonomen Frauenhaus, dem Mädchentreff, Wildwasser Oldenburg, dem Zentrum für Frauengeschichte, OLENA und dem Präventionsrat. Die gesamte Rede von Eka Oehne sowie Fotos vom Oldenburger »One Billion Rising« sind spätestens ab Freitag auf der Internetseite der Gleichstellungsstelle zu finden.
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