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Zu Swing tanzen statt im Gleichschritt marschieren

01.02.2018, 19:36 Uhr

Jugendtheatergruppe probt Stück über Widerstand in NS-Zeit – Mitwirkende gesucht

Sie sprachen sich gern mit englischen Vornamen an wie „Bobby“ oder „Teddy“, grüßten nicht mit „Heil Hitler“, sondern mit „Swing-heil“, sie tanzten im Dritten Reich lieber ausgelassen zu amerikanischer Jazzmusik als uniformierten Dienst in der Hitler-Jugend zu leisten. Die Gestapo nannte die renitenten Jungen und Mädchen „Swing-Jugend“. Mit deren Widerstand gegen den totalen Herrschaftsanspruch der braunen Diktatur setzt sich die Freie Jugendtheatergruppe „DienstagsDrama“ in der Jugendfreizeitstätte Bürgerfelde in ihrem neuen Stück auseinander. Unter der Regie des Theaterpädagogen der Freizeitstätte, Thomas Vossenberg, studiert das Nachwuchs-Ensemble mit Akteuren im Altern zwischen 13 und 21 Jahren ein ambitioniertes Werk ein. Bis jetzt gehören Janna Sölter, Nicolas Wilke, Jannis Hadtstein, Yannik Feld und Thomas Kurpiella der Schauspielerriege an. Weitere Interessierte können noch bis zum 10. Februar einsteigen. Die Premiere ist am 11. Juni im „theater hof/19“ in Oldenburg geplant.

Thomas Vossenberg findet das Thema „extrem spannend“. „Jugend und Musik – das hatte schon immer etwas Rebellisches“, findet der Regisseur. Er hat für den Theater-Stoff viele historische Texte und Zeitzeugen-Interviews gesichtet, Tagebucheintragungen gelesen und Film-Dokumentationen gesehen. „Mit ihrer musikalischen Vorliebe und ihrer unangepassten Lebensweise forderte die Swing-Jugend den NS-Staat heraus“, weiß der Theaterpädagoge. Swing-Musik habe den Nationalsozialisten als „entartet“, „zersetzend“ und „minderwertig“ gegolten. Etliche „Swing-Jugendliche“ seien vom Regime verfolgt, zur Zwangsarbeit verpflichtet und in Konzentrationslagern drangsaliert worden.

Es geht in dem Stück aber nicht ausschließlich um eine geschichtliche Darstellung, sondern auch um Zivilcourage und gesellschaftliches Engagement. „Rebellion entsteht aus Hoffnung“, lautet daher der Arbeitstitel. Das Ensemble begibt sich auf die Suche nach Antworten auf die Fragen wie „Was hätte ich getan?“ oder „Wäre da wirklich der Mut gewesen, Widerstand zu leisten, aktiv gegen die bestehenden Verhältnisse zu rebellieren, gegen die Angst zu handeln? Was hat diese Jugendlichen veranlasst, so zu handeln?“

Das Theaterstück soll auch eine wichtige Rolle spielen in einer Veranstaltungswoche mit Lesungen, Filmvorführung und Swing-Konzert, die in Kooperation mit dem städtischen Kulturamt vom 11. bis zum 15. Juni in Planung ist. Die Geschichte über die rebellische „Swing-Jugend“ soll dann ab Mittwoch, 13. Juni, vormittags für interessierte Schulklassen im theater hof/19 aufgeführt werden.

Probentermine sind immer dienstags von 17 bis 19 Uhr im Theaterraum der Jugendfreizeitstätte Bürgerfelde (Alexanderstraße 209). Interessierte können sich bei Thomas Vossenberg unter Telefon 0441 8850508 oder 0151 12495537 beziehungsweise per E-Mail an thomas.vossenberg@stadt-oldenburg wenden. Über die Jugendtheatergruppe „DienstagsDrama“ Seit September 2015 treffen sich Jugendliche im Alter ab 14 Jahren regelmäßig einmal in der Woche in der Jugendfreizeitstätte Bürgerfelde. Unter dem Namen „DienstagsDrama“ entwickeln sie zu ihnen wichtigen gesellschaftsrelevanten Themen Theaterstücke, die zum Nachdenken anregen. Bisherige Produktionen waren „Romeo und Julia – neu interpretiert“ (Theaterfestival JFS, 2015), „Findet mich das Glück oder bin ich lieber weg?“ (theater hof/19 und Jugendtheatertage Oldenburg, 2016) sowie „La Luna“ (theater hof19, 2017).
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