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Warum sich polnische Einwanderer unsichtbar machen

08.10.2017, 19:31 Uhr

Emilia Smechowski liest im Wilhelm13 aus „Wir Strebermigranten“

Emilia Smechowski kam im Sommer 1988 im Alter von fünf Jahren mit ihren Eltern aus einem polnischen Dorf in Westpreußen nach Westberlin. Fortan wollten die Smechowskis deutscher sein als die Deutschen. In ihrem Buch „Wir Strebermigranten“ schildert Emilia Smechowski die bedingungslosen Eingliederungsbemühungen ihrer Familie als einen Prozess von Scham und verbissenem Aufstiegswillen, von Befreiung und Selbstbehauptung. Sie liest daraus am Mittwoch, 18. Oktober, ab 19.30 Uhr im Musik- und Literaturhaus Wilhelm13, Leo-Trepp-Straße 13. Die Lesung wird vom Literaturbüro Oldenburg im Rahmen der Polen-Begegnungen veranstaltet. Der Oldenburger Literaturwissenschaftler Michael Vauth stellt die Autorin vor und spricht mit ihr über den Preis der perfekten Integration. Der Eintritt kostet 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Karten können telefonisch unter der Nummer 0441 235-3014 beim Literaturbüro vorbestellt werden. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.literaturbuero-oldenburg.de.

Emilia Smechowski erzählt die persönliche Geschichte einer kollektiven Erfahrung: Mit fünf Jahren war sie in einem polnischen Plattenbau zuhause und ahnte nicht, dass ihre Eltern von einem besseren Leben träumten. Zwei Jahre später war sie Deutsche, und aus dem Traum war ein täglicher Kampf geworden. Wenn die Kollegen zum Essen kamen, gab es nicht etwa Piroggen, sondern Mozzarella und Tomate. Und wenn Emilia im Deutschdiktat zwei Fehler hatte, brach eine Welt zusammen. Aus keinem Land sind in den vergangenen Jahrzehnten mehr Menschen nach Deutschland gekommen, als aus Polen. Und keine andere Einwanderungsgruppe war so sehr darauf bedacht, sich unsichtbar zu machen.

Emilia Smechowski studierte Operngesang und Romanistik in Berlin und Rom, bis sie im Journalismus Fuß fasste. Heute arbeitet sie als freie Autorin und Reporterin unter anderem für Geo, die Süddeutsche Zeitung und Die Zeit. Ihr Essay über die unsichtbaren Polen wurde mit dem Deutschen Reporterpreis, dem Konrad-Duden-Journalistenpreis und dem Deutsch-Polnischen Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreis ausgezeichnet.
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